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Titelfoto: Rainer Wendl
30. November 2016

Groteske Politik

Das neue Schwafi- Buch „Wenig Zeit und viel zu tun“ nimmt erneut die Lokalpolitik aufs Korn.

Der Regensburger Autor Schwafi präsentiert sein neues Buch.Rainer Wendl

Regensburg. Die Abgründe der Lokalpolitik dienen immer wieder als Inspiration für die literarischen Werke des Regensburgers Klaus Schwarzfischer alias Schwafi. Man denke nur an seine „Randsperg-Trilogie“, deren erster Teil („Der Verein, der Metzger und der Tod“) sogar zum Kinohit wurde. Das darin beschriebene Miteinander von ebenso abgehobenen wie korrupten Provinzpolitikern und ihren kleinkriminellen Freunden aus der Wirtschaft findet sich nun auch in Schwafis neuer Groteske „Wenig Zeit und viel zu tun“ wieder.

Im Mittelpunkt steht der selbstverliebte, bestechliche und profilneurotische Bürgermeister Jens Plattner, dessen letzte 24 Stunden mit der Schwafi-typischen Wortgewalt beschrieben werden. Sofern man als Leser mit dem richtigen, robusten Humor ausgestattet ist, muss man regelmäßige Lachpausen einlegen. Eben jenes Lachen bleibt einem mitunter aber auch im Hals stecken – und das liegt beileibe nicht an den Splatterszenen, die Schwafi auch diesmal wohldosiert einsetzt.

Es sind die tatsächlichen oder zu konstruierenden Bezüge zur Regensburger Politik, die dem Buch Brisanz verleihen. Wenn der Autor beispielsweise über den „Creative Tuesday“ der Kulturwirtschaftler spöttelt („Ein Löwenanteil des Bruttoinstadtproduktes in deutschen Kommunen wird durch Creative-Business erzeugt. Nicht jetzt, aber das kommt noch“), ist die Anspielung auf den hiesigen „Creative Monday“ offensichtlich. Und harmlos. Wer aber will, kann das gesamte Werk als literarische Auseinandersetzung mit der Regensburger Parteispendenaffäre deuten.

Hier allerdings kommt das entschiedene „Nein!“ von Schwarzfischer: „Ich hatte das Buch im März fertig, drei Monate vor Bekanntwerden der Ermittlungen. Mir stinkt es total, dass ich es nicht früher rausgebracht habe“, beteuert er und fügt hinzu: „Haut man auf einen drauf, der am Boden liegt? Nein, sowas mache ich nicht.“ Weil ihm bewusst war, dass der Bezug zu Regensburg hergestellt werden wird, hat der Autor lange das Für und Wider einer Veröffentlichung abgewogen und schließlich eine elegante Lösung gefunden. Quasi als „Prolog“ des Buches sind zehn Beispiele von Kommunalpolitikern aufgelistet, die in den letzten 15 Jahren durch dreiste Selbstbedienungsmentalität hervorstachen und größtenteils dafür verurteilt wurden. Einer von ihnen kommentierte dies ungerührt mit den Worten: „Ich habe nur getan, was Tausende anderer bayerischer Bürgermeister auch tun.“

Weil es also offenbar überall so ist, lässt Schwafi auch seinen Jens Plattner so handeln. „Die allgemeinen Umstände, wie Lokalpolitik funktioniert, und die Frage, wie man als Politiker gestrickt sein muss, dass man diesen Mechanismen nicht entkommt, haben mich beim Schreiben interessiert“, erklärt er. Das Resultat sei eine „Charakterstudie von Menschen mit Macht, die nicht mit Macht umgehen können“. Eigentlich nicht lustig – außer im Buch.

Am Samstag, 3. Dezember um 19.30 Uhr wird „Wenig Zeit und viel zu tun“ im Kunstverein Graz in der Schäffnerstraße 21 vorgestellt. Für die musikalische Umrahmung sorgen wie immer bei Schwafi die Good Old Spackos.