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Amelie Bach
Titelfoto: Amelie Bach
21. Februar 2018

Kunst im Degginger

Blumentöpfe der etwas anderen Art: Noch bis zum 27. Februar sind die ausgefallenen und edlen Kreationen der jungen Designerin und Künstlerin Susanne Kerl im Pop-up-Raum des Degginger zu bestaunen.

Mit den stylischen Blumentöpfen von Susanne Kerl kann sich jeder ein bisschen Kunst in die Wohnung holen.

Regensburg. Sie selbst würde ihre Objekte wahrscheinlich nicht als Kunst bezeichnen. Genauso, wie sie sich selbst nicht im klassischen Sinne als Künstlerin sieht. Vielmehr verabscheut sie jede Art von prätentiöser Attitüde und künstlerischer Abgehobenheit. Ihre Kunden regt sie deshalb dazu an, ihre Werke nachträglich zu verändern und mitzugestalten. Den Arbeitsprozess beschreibt sie bescheiden als „Rumprobieren“ oder „Rumwurschteln“. Und trotzdem ist man geneigt, das, was am Ende dabei herauskommt, als genau das zu bezeichnen: als Kunst.

Die Rede ist von Susanne Kerl und ihren Blumentöpfen. Seit Mitte Januar sind sie im Pop-up-Raum im Degginger zu sehen. Wobei die Bezeichnung „Blumentopf“ nicht ganz zu dem passt, was die studierte Modedesignerin in den Räumen im Kulturzentrum ausstellt. Denn wie gewöhnliche Übertöpfe sehen Kerls Kreationen sicher nicht aus. Zwar ähnelt die Oberfläche der Gefäße stark der von Steintöpfen; die Art und Weise, wie das Material arrangiert und verarbeitet ist, erinnert jedoch eher an Stoff oder Leder. So weisen manche Modelle Knicke, andere Falten auf. Und tatsächlich handelt es sich bei dem Material, aus dem die Pflanzgefäße gemacht sind, um eine Mischung aus Stein und Kunststoff – sogenanntes Echtsteinfurnier. Das sind hauchdünne Natursteinplatten, in die Polyesterharz und Fiberglas eingearbeitet wurde, sodass sie im erhitzten Zustand biegsam werden und praktisch jede erdenkliche Form annehmen können. Für gewöhnlich wird das Furnier vor allem im Sanitärbereich eingesetzt.

Normalerweise würde man sich jetzt fragen, wie man auf die Idee kommt, aus diesem Material Blumentöpfe anzufertigen. Doch wenn man sich mit Susanne Kerl unterhält, wundert man sich nicht, dass sie diesen unkonventionellen Einfall hatte. Denn die Ideen sprudeln im Gespräch nur so aus ihr heraus. Dass diese jedoch nicht im luftleeren Raum schweben, sondern Kerl auch das Know-how hat, sie umzusetzen, wird genauso schnell deutlich. So surrt während des Gesprächs im Hintergrund unablässig ein 3-D-Drucker. Das Programm dafür hat sie selbst geschrieben. Und auch die Technik, mit der sie die Folie im Inneren der Töpfe verschweißt, hat sie sich eigenständig beigebracht. Um diese vielen Tätigkeiten abzusichern, hat Kerl bei der Anmeldung ihres Gewerbes 26 verschiedene Berufe eintragen müssen. „Ich bin Herren- und Damenschneiderin, Bühnenbildnerin, Requisiteurin, Galvanikerin … und irgendwas mit Korbflechter“, fügt sie lachend hinzu. Bei der Gestaltung ihrer Töpfe setzt sie neben der sorgfältigen handwerklichen Verarbeitung vor allem auf hochwertige Materialien. Es muss etwas „Gescheites“ sein. Das Endprodukt kann sich sehen lassen. Edel schimmern die marmorierten Oberflächen ihrer schlichten, aber stilvollen „Töpfe“ im Studiolicht des Pop-up-Raums.

Bis zum 27. Februar ist die Künstlerin noch dort zu finden. Wer ein Faible für ausgefallene Einrichtungsgegenstände hat oder auf der Suche nach einem besonderen Geschenk ist, sollte also schnell sein. Für die Zukunft sind bereits weitere Events und Kooperationen geplant.

Amelie Bach