Logo Mittelbayerische.de
Portal auswählen »
Susanne Wolf
Titelfoto: Robert Kneschke - AdobeStock
09. März 2018

Liebesrausch am Arbeitsplatz

Wenn sich Gefühle zwischen zwei Kollegen entwickeln, sollte jeder für sich gut abwägen. Denn die Liebe im Büro kann einige Probleme mit sich bringen.

Privates mit dem Beruf zu vermischen, bringt meist mehr Nach- als Vorteile mit sich.

Regensburg. In der Arbeit verbringt man den Großteil seines Tages. Da kann es vorkommen, dass auf einmal Schmetterlinge im Bauch herumflattern, wenn der Kollege herübersieht oder man in der Teeküche auf ihn trifft. „Dass man am Arbeitsplatz Gefühle aufbaut, ist normal. Man begegnet sich jeden Tag und hat viel miteinander zu tun“, weiß Sexual- sowie Paar- und Familientherapeut Michael Diaz. „Wenn man sich sympathisch ist, kann es sein, dass man Gefühle entwickelt.“

Doch so schön die Liebe auch sein mag: Privates mit dem Beruf zu vermischen, bringt meist mehr Nach- als Vorteile mit sich und kann den eigenen Arbeitsplatz gefährden oder sogar kosten. „Prinzipiell sind Gefühle schön, aber was die Arbeit betrifft, sollte man sie draußen lassen, weil sie drinnen nix zu suchen haben“, erklärt der Therapeut.

Doch was ist zu tun, wenn die Gefühle sich nicht (mehr) unterdrücken lassen und vom Gegenüber auch erwidert werden? Entscheidend für eine Beziehung am Arbeitsplatz findet Diaz die Verhältnisse zueinander. „Ist man in einem großen Unternehmen und sieht man sich nur mal mittags in der Kantine und hat sonst wenig miteinander zu tun, dann spricht nichts dagegen.“ Schwierig werde es, wenn man „intensiver zusammenarbeitet“. Sollte das der Fall sein, rät der Experte: „Hier sollte klar differenziert werden: Privates macht man im Privaten und Arbeit bleibt Arbeit.“

Das sei jedoch schwer, da man Arbeit und Privates voneinander abgrenzen müsse. „Wenn man das kann, kann eine Beziehung funktionieren. Kann man es nicht, sollte man über einen Arbeitsplatzwechsel nachdenken.“ Eine Beziehung bringt auch Reibereien mit sich – und diese mit in die Arbeit zu nehmen, ist nicht empfehlenswert. Viele Arbeitgeber hätten laut Diaz bereits die Erfahrung gemacht, dass die Arbeitsleistung bei Problemen in der Beziehung oder einer Trennung sehr leide. In großen Firmen seien solche Fälle oft im Arbeitsvertrag geregelt. „Man sollte sich daran halten, was in der Firma zugelassen ist und was nicht“, berichtet er, „denn der Arbeitgeber hat da sicher seine Erfahrungen gemacht, wenn er so etwas schriftlich fixiert.“ Auch Eifersucht könne eine Beziehung am Arbeitsplatz verkomplizieren, weil „der Partner auch mit anderen Kollegen sympathisch und nett umgehen wird“.

Wie verhält man sich in der Schmetterlingsphase? Frisch verliebt möchte man ja am liebsten jeden an seinem Glück teilhaben lassen. „Sollte es passiert sein, dass man mit einem Kollegen eine Liaison eingeht, sollte man am Anfang definitiv die Beziehung geheim halten. Ist man sich sicher, was beide möchten, und ist man sich der Konsequenzen bewusst, dann sollte man den Arbeitgeber und die Kollegen darüber informieren“, rät Diaz. „Liebe am Arbeitsplatz ist generell schwierig, prinzipiell aber machbar.“

Susanne Wolf