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Jonathan Ederer
26. November 2019

Mit Grunge auf den Christkindlmarkt

Eine Hommage an den Old School Rock mit Cover-Songs und eigenen Kompositionen – damit erobert Village Green Society nicht nur die Regensburger Christkindlmärkte.

Bei der diesjährigen „Sternschnuppe(r)nnacht“ mischte auch Village Green Society mit. Foto: Istvan Pinter

Regensburg. Toby Emm und Daniel Noyman stehen im Proberaum des Don Bosco-Jugendzentrums. Einer mit Akustik-Gitarre, der andere am Bass. Als Daniels Bass einsetzt, merkt man sofort: Hier sind Grunge-Kenner am Werk, denn „grungig“ ist nicht nur der Gesang, auch die gut platzierten Gitarrenschläge erinnern an die Zeit der 90er-Jahre. Hier stehen Village Green Society, eine selbstbetitelte Indie-Rock-Band aus Regensburg, die bei weitem keine No-Names mehr sind.

Sie spielen einen Song, den sie selbst komponiert haben, in dem sie wie so oft beide für die Vocals sorgen. „Red to Green“ heißt er. Toby erzählt mit einem Augenzwinkern, dass ihm diese Idee bei dem Betrachten einer Pizzaschachtel kam – als sein Blick über die italienische Flagge von rechts nach links wanderte. Im Kern ist der Song eine Ode an das Loslassen – Zeit, wach zu werden, das Umschalten auf Grün nutzen und wieder durchstarten. Und so klingt das Ganze auch. Energisch, erfrischend, aber auch leicht melancholisch und mit einer klaren Vision: Die Idole weiterleben lassen und dem Gespielten zugleich den eigenen Stempel aufdrücken.

Alte Songs neu verpackt

Village Green Society gelingt das tatsächlich sehr gut und sie schrecken nicht vor riskanteren Neuinterpretationen zurück. „Heavy Cross“ bleibt dies nicht im Wortsinn, denn sogar Beth Dittos eher schrille Klänge fügen sich mit der eigenen Note in das Gesamtkonzept „Brit-Rock – Indie – Grunge“ ein. Der Bandname ist übrigens eine Hommage an einen Song der Kinks, „Village Green Preservation Society“, dessen Aussage auch das Kernanliegen der beiden Regensburger Musiker trifft: die Erhaltung der Natur, sich für das Klima einsetzen.

„Wir nehmen die Herausforderung an, ein eigenes Stimmungsbild zu kreieren“, sagt Toby, der außerhalb seiner kreativen Ambitionen als Biologe tätig ist. Und jenem Bild wohnt eine Überzeugung inne. Auf die Frage, ob er als Experte noch Hoffnung für unseren Planeten sehe, antwortet er zynisch: „Dem Planeten wird das eher egal sein. Der hat bisher alles überlebt und wird auch uns überleben.“ Doch die beiden haben erkannt, dass jeder etwas tun kann und auch muss. Mit Musik versuchen sie, Menschen zu erreichen, ihnen etwas mitzugeben, sei es nur durch einen kurzen rockigen Moment des Aufrüttelns in der Fußgängerzone.

Ein Herz für die Natur

„Soziale Projekte liegen uns am Herzen“, sagt Daniel und erzählt, dass er sich schon früher für die Umwelt einsetzte und die Leute mit der Verteilung von Müllbeuteln zu einer sauberen Trennung aufgerufen hat. Und es ist das, was das Konzept Village Green Society ausmacht: soziales Engagement, verbunden mit ihrer Leidenschaft für die Rockmusik. „Für unsere kommenden Auftritte am Christkindlmarkt werden wir natürlich auch ein paar Weihnachtssongs einstudieren“, so Daniel, der dann Dean Martin nennt und die Spannung steigen lässt, wie sich das Winterwunderland wohl im Indie-Rock-Setting anhören wird.

Und da sie schon einiges an Bühnenerfahrung gesammelt haben, unter anderem im Leeren Beutel und auf dem diesjährigen Bürgerfest, kann man sich auf professionelle, rockig-besinnliche Adventskonzerte am Kohlenmarkt und auf dem Bismarckplatz freuen, die je am 3. und 7. Dezember stattfinden werden. Wer die Beatles mag, zu den Queens of the Stone Age abgehen kann und Tom Petty wieder aufleben lassen möchte, dem sei Village Green Society, die demnächst auch ihre erste EP aufnehmen wollen, wärmstens ans Herz gelegt.

Jonathan Ederer