Logo Mittelbayerische.de
Portal auswählen »
09. Januar 2019

Rückschlag für „Fair-Teiler“

„Foodsharing Regensburg“ rettet Lebensmittel vor der Tonne: Seit Montag, 7. Januar entfällt allerdings der öffentliche „Verteiler“ in der Obermünsterstraße.

Bis zu achtmal die Woche holt Foodsharerin Margot Gerlitz Lebensmittel bei Gastronomen und Supermärkten ab und rettet sie so vor der Tonne. Foto: Barbara Simon

Regensburg. Das neue Jahr hat für die Initiative Foodsharing Regensburg mit einer unbequemen Entscheidung begonnen: Dass der öffentliche „Fair-Teiler“ am Obermünsterplatz langfristig geschlossen werden muss, steht schon seit mehreren Wochen fest, doch nach mehreren Beschwerden von den Anwohnern einigten sich die Mitglieder darauf, gleich zu reagieren: So wurden die Verteilerschränke bereits am vergangenen Montag abgebaut: „In den letzten Wochen sind vermehrt von irgendwelchen Leuten Lebensmittel angeliefert und dann in Plastiksäcken auf der Oase abgestellt worden“, erklärt Margot Gerlitz, aktives Mitglied von Foodsharing Regensburg.

Jetzt ist die Gruppe dringend auf der Suche nach neuen öffentlichen Standorten in Regensburg, um die Idee weiter für jedermann zugänglich zu machen: „Das kann auch in einer Einrichtung wie einem Jugendzentrum sein.“ Bedenken oder Angst vor Verwahrlosung der Tauschschränke müsse niemand haben: „Die Station wird von uns einmal am Tag gereinigt und ausgeräumt“, stellt Gerlitz klar.

Die Idee hinter dem öffentlichen „Fair-Teiler“: Jeder kann hier in Regensburg zum Lebensmittelretter werden und sich bedienen oder – eben nach bestimmten Regeln – Lebensmittel hinterlegen: In zwei Schrankbehältern werden Gemüse, Obst oder Dauerwaren gelagert, oft mit kleinen Schönheitsfehlern oder einem überschrittenen Mindesthaltbarkeitsdatum. „In den Läden herrscht ein solches Überangebot, dass diese Lebensmittel einfach weggeworfen werden“, kritisiert Margot Gerlitz. Die Konsumenten trügen mit ihrer Erwartungshaltung – Makellosigkeit und große Auswahl – mit zu dem großen „Ausschuss“ bei.

In der Domstadt zählt die Foodsharing-Initiative insgesamt 349 Mitglieder, rund 300 sind aktiv und fungieren als sogenannte „Fair-Teiler“: Sie holen bei Gastronomen, Einzelhändlern und Supermärkten unverkaufte Speisen und Lebensmittel ab, je nach Mengen zum Eigenbedarf oder selbstverantwortliches Verteilen an Bekannte, Freunde, wohltätige Einrichtungen oder eben bisher für den öffentlichen „Fair-Teiler“. Insgesamt 30 Partner unterstützen die Foodsharing-Idee in Regensburg inzwischen. Die Abholmengen variieren bei Margot Gerlitz zwischen drei belegten Brötchen oder einigen Stück Kuchen und dem Umfang eines Wocheneinkaufs an Obst und Gemüse. Je weniger Lebensmittel Margot Gerlitz bei den Kooperationspartnern abholen kann, desto positiver fällt ihr Resümee aus: „Super, wenn nichts übrig bleibt!“, erklärt die engagierte Foodsharerin. Dann sei vernünftig kalkuliert worden.

Insgesamt 349 Foodsaver sorgen in Regensburg dafür, dass möglichst wenig Lebensmittel im Müll landen. Foto: Margot Gerlitz

Seit 2016 ist die freiberufliche Sängerin als Foodsharerin aktiv, je nach beruflichem Stress übernimmt sie bis zu acht Termine in der Woche. Einkaufen müsse sie nur noch sporadisch, dafür beanspruche die Weiterverarbeitung und Verteilung der geretteten Lebensmittel oft einige Zeit, ein gutes Netzwerk an Abnehmern und Fantasie: „Weggeschmissen wird nichts“.

Wer sich bei Foodsharing Regensburg engagieren möchte, müsse daher ein hohes Maß an Eigenverantwortung, Organisationstalent und Verlässlichkeit mitbringen: „Wir genießen hohes Vertrauen bei unseren Partnern: Termine müssen auf die Minute, ebenso wie wichtige Verhaltensregeln eingehalten werden“, erklärt Margot Gerlitz. Anwärter bei Foodsharing Regensburg durchlaufen daher ein Einführungsprozedere, absolvierten ein Quiz im Internet und einige Probeabholungen.

Der öffentliche „Fair-Teiler“ in der Obermünsterstraße ist Vergangenheit: Am Montag bauten die „Foodsharer“ die Schränke ab und suchen nun einen neuen Standort. Foto: Rainer Wendl

Nachwuchssorgen gibt es derzeit nicht: 60 Interessierte stehen in Regensburg auf der Warteliste. „Wichtig wären im Moment ein oder mehrere neue öffentliche Tauschplätze und immer auch Menschen, die in der Gruppe Verantwortung übernehmen“, sagt Gerlitz.

Weitere Infos gibt es auf der Facebookseite.