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Jonathan Ederer
Titelfoto: Jonathan Ederer
16. Dezember 2020

Über diese Brücken musst du geh‘n ...

Ob eisern oder steinern – Brücken sind aus Regensburgs Stadtbild nicht wegzudenken. Wir erzählen euch ihre Geschichten.

Hält Regensburg zusammen: die Steinerne Brücke Foto:Jonathan Ederer

Regensburg. Um die Brücken kommt man in Regensburg nicht herum. Sie verbinden die nördlichen Stadtteile mit der Altstadt und schlagen mit Stein und Asphalt Bögen über die Donau. In der Coronazeit kann man also die kulturelle Flaute gut – und im wahrsten Wortsinn – überbrücken, indem man sich einmal mit ihrer Geschichte befasst.

Die Nibelungenbrücke…

… hat eine düstere Vergangenheit: 1935 planten die Nazis, 800 Jahre nach dem Bau der Steinernen Brücke, mit der Brücke ein nationalsozialistisch ideologisiertes Symbol zu schaffen. Das Ziel: Ein Symbol der Verklammerung von Nord und Süd des Deutschen Reiches. Das Bauwerk wurde schließlich am 18. Juni 1938 in Betrieb genommen und „Adolf-Hitler-Brücke“ getauft. Am Ende des Krieges wurde die Brücke von zurückweichenden deutschen Truppen gesprengt.

Seit sie 1950 wiedererrichtet wurde, führt über die Nibelungenbrücke eine der größten Zu- und Abfahrtsstraßen der Stadt. Nach ein paar Sanierungen steht die Brücke seit 2004 so, wie wir sie kennen: mit sechs Fahrstreifen führt sie über die Donau. Alles top, wäre da nicht das Ding mit der neuen Ampel …

Die Eiserne Brücke…

… war früher einmal aus Holz. Dieses Vorgängermodell wurde dann angeblich 1431 bei einem schweren Eisgang zerstört. Den Namen „Eiserne Brücke“ trägt der Übergang seit Mitte des 19. Jahrhunderts. Auch diese Brücke wurde 1945 kurz vor Kriegsende gesprengt – sehr zum Leidwesen der Bürger in der unmittelbaren Nachkriegszeit: Sie mussten die Donau mit dem Boot überqueren.

So, wie sie heute neben dem Haus der Bayerischen Geschichte liegt, sieht die Brücke seit 1991 aus. Sie wird gern mit dem Eisernen Steg verwechselt. Um das zu vermeiden, hier eine kleine Hilfestellung: Am Steg hängen Liebesschlösser und auf der Brücke schwirren im Spätsommer die Eintagsfliegen herum.

2020 bekam sie den Namen „Michael Buschheuer-Brücke“. Der Namensgeber ist Gründer der Organisation „Sea-Eye“, die im Mittelmeer Flüchtlinge rettet.

Die Steinerne Brücke…

… kennt jeder. „Wo geht’s hier zur Steinernen Brücke?“ ist die häufigste Frage, in den verschiedensten Dialekten und Akzenten gestellt, die man als Einheimischer beantworten muss. Zugegeben: Optisch gibt sie wirklich was her.

Das Bruckmandl hat den Dom immer fest im Blick. Foto: Foto: Jonathan Ederer

Bereits 1135 wurde an ihr gebaut und sie gilt als ein Meisterwerk mittelalterlicher Baukunst. Seitdem ranken sich um sie Mythen über Tod und Teufel: Das in der Mitte der Brücke postierte und mittlerweile steinalte Bruckmandl wettete einst mit dem Dombaumeister, wer sein Projekt schneller fertig bauen kann. Da der Dom viel schneller in die Höhe wuchs als die Brücke über die Donau, konsultierte der Brückenbauer den Beelzebub höchstselbst. Der versprach ihm zu helfen, wenn er die ersten drei Seelen bekäme, die über die Brücke gehen. Weil das Bruckmandl schlau war, schickte er einen Hahn, eine Henne und einen Hund hinüber. Die gehörten dann schnell der Katz – im Mittelalter hatte man es noch nicht so mit dem Tierschutz.

Jonathan Ederer