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18. September 2019

„Wir werden immer mehr“

Auch im neuen Schuljahr wollen sich die jungen Klimaaktivisten von Fridays for Future Gehör verschaffen – mit einer Großdemo am Freitag, 20. September, so eindringlich wie noch nie.

Mit einer Menschenkette um die Altstadt wollen die Klimaschützer ein Zeichen setzen. Foto: Herbert Baumgärtner

Regensburg. Fridays for Future – was als belächelter, stets kritisch beäugter Schülerstreik begann, ist längst seinen Kinderschuhen entwachsen und hat sich auf die verschiedenen Bevölkerungsteile ausgeweitet. „Parents“, „Students“, „Scientists“, „Hackers“ oder auch die jüngst gegründeten „Christians“, sie alle setzen sich „for Future“ ein und beteiligen sich zusammen mit mehr als 20 weiteren Organisationen am Freitag, 20. September an der Regensburger Großdemo „Future for Regensburg“.

Es soll – pünktlich zum neuen Schuljahr – die größte Aktion in der „Fridays for Future“-Geschichte werden. Während in Berlin das Klimakabinett tagt und wohl ein neues Klimaschutzgesetz verabschiedet, werden weltweit Menschen auf die Straße gehen und sich für die Einhaltung des Pariser Klimaschutzabkommens stark machen. Es ist der dritte globale Klimastreik, der diesen Freitag stattfindet. 1300 Streiks in 100 Ländern sind angekündigt. Auch in Regensburg bemerken die jungen Klimaschützer die immer größer werdende Resonanz. „Das Bewusstsein der Menschen hat sich verändert. Wir werden immer mehr“, sagt „Future for Regensburg“-Sprecher Ferdinand Klemm.

Aufruf an alle

Foto: Stina Walterbach

Klemm freut es, dass die ewige Debatte um das Schulschwänzen der Aktivisten weitestgehend aufgehört hat. „Ich glaube, die Erkenntnis ist gereift, dass die Klimakrise so brachial ist, dass das in keinem Verhältnis zu dem bisschen Schulausfall steht“, erklärt er. Diese Debatte ist am Freitag sowieso hinfällig, schließlich beginnt die Großdemo erst nachmittags und richtet sich nicht nur an Schüler. Neben einer Fahrraddemo um 15 Uhr am Hauptbahnhof und anschließenden Kundgebungen am Ernst-Reuter- und am Domplatz ist für diesen Freitag vor allem eine Menschenkette um einen großen Teil der Innenstadt geplant.

Foto: Stina Walterbach

Ziel ist es, sich entlang des Alleengürtels schützend vor die Altstadt – oder wie die Organisatoren es bezeichnen „vor das Erbe der gesamten Menschheit“ – zu stellen. Wenn um 17.30 Uhr der Lückenschluss der mehr als drei Kilometer langen Menschenkette vom Villa- zum Herzogspark erfolgt, wird es zu Verkehrsbehinderungen im gesamten Altstadtbereich kommen. Auch der Busverkehr wird an einigen Stellen zum Erliegen kommen.

Politik in der Pflicht

Foto: Stina Walterbach

Nach der letzten, kleineren Menschenkette der Demonstranten im Juli hagelte es vor allem von den Altstadtgeschäftsleuten Kritik. Sie beklagten Umsatzverluste. Von ihrem Vorhaben wollen die jungen Aktivisten trotzdem nicht ablassen. Zu dringlich sei die Lage und zu wenig unternehme die Politik. „Es haben verschiedene Gespräche mit der Stadtverwaltung stattgefunden. Aber die Parteien verstecken sich, es passiert nichts Konkretes“, sagt Ferdinand Klemm. Er möchte genau wissen, wann was mit welchem Geld unternommen wird. Darauf und auf das Verbreiten der blanken wissenschaftlichen Fakten zur Klimakrise lege man in Zukunft den Fokus.