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15. August 2019

Ab sofort führt er Regie

Nurkan Erpulat übernimmt die Leitung des Studiengangs an der Akademie für Darstellende Kunst.

Neben seiner Arbeit an der ADK bleibt der türkischstämmige Regisseur Nurkan Erpulat auch weiter an großen Theaterhäusern wie dem Gorki in Berlin tätig. Foto: Maria Stich

Regensburg. Meist bleibt ihre Arbeit für das Publikum unsichtbar. Doch hinter der Bühne haben sie die Fäden in der Hand und sorgen dafür, dass aus einem guten Skript ein gutes Stück wird: Regisseure spielen am Theater genau wie im Film eine zentrale Rolle. Seit 2015 wird an der Akademie für Darstellende Kunst (ADK) in Regensburg neben Schauspiel und Theaterpädagogik auch diese Königsdisziplin gelehrt – der erste Jahrgang schloss in diesem Sommer seine Ausbildung ab. Jedes Jahr werden nur ein bis zwei neue Studenten angenommen.

Zum Start des neuen Schuljahres im September landet die ADK jetzt einen weiteren Coup: Der vielfach ausgezeichnete Regisseur Nurkan Erpulat, der bereits Kurse und Workshops in Regensburg gegeben hat, übernimmt die Leitung der Studienrichtung und löst damit Markus Bartl als Fachschaftsleiter ab. Erpulat wurde in Ankara geboren und studierte Schauspiel an der Universität in Izmir. Als er 1998 nach Berlin zog, studierte er zunächst Theaterpädagogik an der Universität der Künste Berlin und schließlich Regie an der Ernst-Busch-Hochschule. „Wenn die Leute hören, dass ich dreimal studiert habe, denken sie, ich könnte mich nicht entscheiden. Aber das stimmt nicht. Ich habe mich anfangs einfach nicht getraut“, erzählt er lachend.

Viel Gegenwind

Aufgrund seiner Herkunft hatte er es nicht immer leicht. Zwar wurde er als erster türkischer Student für die Regieausbildung angenommen, der Gegenwind war aber immer deutlich spürbar. So erhielt er beispielsweise den Ratschlag, lieber in die Türkei zurückzukehren und dort zu arbeiten.

Doch Erpulat kapitulierte trotz aller Widerstände nicht und wurde über die Jahre zu einem deutschlandweit renommierten Theaterregisseur. Seine Arbeiten gewannen bei Festivals und Gastspielen im In- und Ausland zahlreiche Preise. Heute ist er Hausregisseur am Gorki Theater Berlin und wird sein Engagement dort auch nach dem Umzug nach Regensburg beibehalten.

Am Ballhaus Naunynstraße in Berlin wirkte er beim sogenannten postmigrantischen Theater mit. Der Gedanke dahinter besteht darin, eine Bühne zu schaffen, auf der die Herkunft keine Rolle spielt. Denn anders als in der Oper oder im Tanz sind am Theater Schauspieler mit Migrationshintergrund deutlich unterrepräsentiert. „Schulen sind hier die Motoren für Veränderung. Aber es ändert sich nichts auf Knopfdruck, sondern braucht manchmal mehrere Generationen“, sagt Erpulat.

Er freue sich deshalb sehr auf seine Arbeit an der ADK und wünscht sich, dass auch das Theater in Regensburg künftig diverser aufgestellt ist.

Mehr Kooperationen

Für seinen Unterricht, den er gerade mit den anderen Dozenten an der Akademie zusammenstellt, plant er viele neue Projekte. „Als Schule sind wir verpflichtet, spannende Charaktere auszubilden. Es ist ein Handwerk, das wir den Studenten beibringen. Aber eigentlich ist Regie eine lebenslange Lehre“, findet Erpulat. Auf dem Stundenplan sollen deshalb nicht nur Dramen und Komödien stehen, sondern auch neuere und freiere Formen. Außerdem wünscht er sich mehr Kooperationen mit anderen Institutionen in Regensburg – nicht nur, aber auch mit dem Stadttheater.