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20. März 2020

And The Bruckmandl goes to ...

126 aktuelle Kurzfilmproduktionen buhlten in fünf Wettbewerben um die Gunst der Jurys. Jetzt stehen die Preisträger der 26. Internationalen Kurzfilmwoche Regensburg fest. Und für alle, die die virtuelle Preisverleihung am Mittwochabend via Facebook verpasst haben, kommt hier die Zusammenfassung.

So ganz wollte sich die Kurzfilmwoche Regensburg dem Coronavirus nicht geschlagen geben. Eine Preisverleihung gabs trotzdem, wenn auch nur virtuell. Sabine Franzl

Regensburg. Mit einer virtuellen Preisverleihung via Facebook ging am Mittwochabend, 18. März die 26. Ausgabe der internationalen Kurzfilmwoche Regensburg zu Ende. Eine Woche lang sollten dabei eigentlich 331 Filme aus 55 Ländern in weit über 100 Einzelveranstaltungen zu sehen sein. Doch aufgrund der aktuellen Lage entschieden sich die Veranstalter dagegen und brachen das Filmfest vorzeitig ab. Würdigen wollte man die Filmemacher und ihre besonderen Streifen aber trotzdem.

So schauten die Jurys kurzerhand online weiter und ermittelten dann per Skype-Konferenzen die Gewinnerfilme. Eine neue Situation für alle, auch für das Publikum, das der Preisverleihung ganz ohne Risiko beiwohnen konnte und dann doch noch den einen oder anderen Film des Programms zu sehen bekam. Nur die neue Trophäe, „Das Bruckmandl“, die für den Hauptpreis im Deutschen und Internationalen Wettbewerb gedacht war, konnte nicht persönlich überreicht werden. Aber egal, ob mit oder ohne Bruckmandl, diese Filmemacher haben die Jurys überzeugt:

Frei und gleich an Würde

Der Hauptpreis im Internationalen Wettbewerb, der BR-Kurzfilmpreis, ging an den Film „Bab Sebta“ von der 33-jährigen marokkanischen Filmemacherin Randa Maroufi. Die internationale Jury (Maria Stoianova, Jose Luis Urriago Novoa und Hannes Vartiainen) zeichnete damit einen Film aus, der verdeutliche, dass alle Menschen frei und gleich an Würde und Rechten geboren sind. „Sie sind mit Vernunft und Gewissen ausgestattet und sollten einander im Geiste der Brüderlichkeit begegnen. Dieser Film ist ein starkes Statement in einer Zeit, in der Grenzen und Mauern wieder in Mode sind.“

Der Preis der Stadt Regensburg ging an den Film „Acadiana“ von Guillaume Fournier, Samuel Matteau und Yannick Nolin aus Kanada vergeben. Die Jury der Jungen (Elias Paquay Bäumler, Lisamarie Berger, Louis Eigenberger, Marlene Stahl und Carlotta Stimpfle) lobte die Eigenschaft des Films, durch eine einzigartige Bildsprache ein weitgefächertes Spektrum von gesellschaftlichen Problemen auf skurrile Art und Weise darzustellen.

Der Candis-Preis der Ferdinand Schmack jun. GmbH im Deutschen Wettbewerb wurde an den Film „Brand“ von Jan Koester und Alexander Lahl verliehen. Die deutsche Jury (Sarah Adam, Sascha Keilholz und Isabell Spengler) hob die hoch aktuelle Brisanz des Films hervor. Brand zeigt wie tief Rassismus und Menschenhass immer noch in der deutschen Gesellschaft verankert sind.

Den Max-Bresele-Gedächtnispreis, seit diesem Jahr von Schmidl & Rotaplan Druck gestiftet, erhielt Andreas Gruetzner für seinen Film „Land der Gegenden“. Die deutsche Jury bestaunte das faszinierende Found Footage Material aus dem Jahr 1973, welches qua Abspielgeschwindigkeit, Sound und Montage effektiv rhythmisiert wird und die Zuschauer in seinen Sog zieht.

Zwischen Realität und Fiktion

Zum ersten Mal wurde der Nachhaltigkeitspreis, gestiftet von der REWAG und das.Stadtwerk Regensburg, vergeben. Für die Jury keine leichte Entscheidung und so teilte sie den Preis unter zwei Gewinnern auf: „Where we use to Swim“ von Daniel Asadi Faezi und „Oro Blanco“ von Gisela Carbajal Rodriguez. „Die Preisträger sind zwei sehr gute und überzeugende Arbeiten, die sich inhaltlich ergänzen und sich mit industriell bedingten Landschaftsveränderungen und Umweltschäden auseinandersetzen. Einmal richtet sich der Blick in die Vergangenheit, in der die Auswirkungen auf die Gegenwart deutlich werden und der zweite Blick richtet sich auf die Gegenwart mit der Hoffnung dass sich die Katastrophe noch abwenden lässt.“

Die Architekturjury (Alla Churikova, Andreas Eckl und Adnan Softić) befand aus den 13 nominierten Filmen ebenfalls den Film „Bab Sebta“ von Randa Maroufi als preiswürdig. Der Film ziehe den Zuschauer mit einer sehr eigenen Ästhetik sofort in seinen Bann. Der Grenzraum werde zur Karte abstrahiert, der die Realität dahinter sofort prägnant evoziert. Randa Maroufi gelinge es, die Ebenen der Auseinandersetzung der Menschen mit den Möglichkeiten und Begrenzungen des politischen und realen Raums in perfekt inszenierte und einnehmende Bilder zu fassen. Mit dem Fokus auf die Situation an der Außengrenze liefere sie einen Beitrag zu einem gesellschaftlich wichtigen Diskurs. Unterhaltsam und ohne moralisierende Elemente gelinge es ihr mit filmischen Mitteln, den Blick für die Situation der Menschen zu schärfen.

Den FFF-Förderpreis, vergeben durch die FFF-Jury (Martin Blankemeyer, Martina Dobrusky und Stefan Möhl), erhielt der Film „Taiwaste“ von Patrik Thomas. Die Jury begründete: „Was irrwitzig klingt, könnte doch real sein in unseren irrwitzigen Zeiten. Und so verwendet auch Patrik Thomas in seinem Kurzfilm Taiwaste die Gestaltungsmittel des Dokumentarfilms, um das Publikum zu fordern und zu verunsichern. Ist es real? Ist es Fiktion?“

Auch heuer stiftete die Mittelbayerische zwei Preise in Höhe von jeweils 500 Euro. Die Regionalfenster-Jury (Annette Ebmeier, Raphaela Herzog und Clemens Rudolph) vergab den Regionalfensterpreis an den Film „Schönheit“ von Daniel Alvarenga. Die Jury feierte die elf Minuten Film als Genuss von künstlerischer und technischer Qualität. Der zweite Preis wurde an den Film „Das Fenster“ von Jonathan Schell vergeben. Die Jury lobte den großen Raum an Freiheit des Zuschauers, die eigenen Gedanken zu dem Drama der Protagonistin als auch zu dem hörbaren und nicht sichtbaren Drama der Nachbarn zu entwickeln – und das vollkommen ohne Dialoge.

Die Lieblinge des Publikums

Eine Preisvergabe wurde aufgrund des Corona-Virus vorgezogen: die Vergabe des Schülerlieblings. Die Kurzfilmwoche wird seit Jahren von Schulprogrammen begleitet. Heuer wurde zum ersten Mal ein Preis in Höhe von 500 Euro, gestiftet von der Sparkasse Regensburg, vergeben. Bis zum Abbruch des Festivals hatten bereits 353 Schüler verschiedene Kurzfilmprogramme angeschaut und per Stimmzettel ihren Liebling gewählt. Als eindeutiger Sieger ging der Film „Es wird besser“ von Adi Wojaczek hervor. Der Film thematisiert Cybermobbing, welches ein ernstes Problem an vielen Schulen geworden ist und zeigt anschaulich Täter, Opfer, überforderte Lehrkräfte und eine aufopferungsvoll kämpfende Mutter. „Es wird besser“ schafft Bewusstsein für ein wichtiges Thema und traf damit genau den Nerv der Schüler.

Der Kinokneipen-Publikumspreis entfiel aufgrund der ausgefallenen Filmprogramme komplett. Die Art der virtuellen Preisverleihung verwies schon auf das Sonderthema der 27. Internationalen Kurzfilmwoche: Living in a digital Age. Bleibt dem Festival zu wünschen, dass es im nächsten Jahr virenfrei und vollständig über die Bühne gehen kann.