Auf Autopilot

In schöner Kontinuität haut Michael David Rosenberg alias Passenger jährlich ein neues Album heraus. Sein 2018er-Werk nennt er „Runaway“.

Bärtig wie ein Holzfäller, gefühlvoll wie eine Elfe: Michael David Rosenberg alias Passenger nennt sein neues Album „Runaway“, bewegt sich aber keinen Millimeter aus seiner Komfortzone heraus. Foto: Jarrad Seng

Elf Karrierejahre, neun davon als Solokünstler und mittlerweile zehn Alben - die Karriere des britischen Singer/Songwriters Michael David Rosenberg, der sich als Künstler Passenger nennt, ist beachtlich. Dank seiner Bühnen- und Onlinepräsenz erreicht er mit seinen gediegenen Songs inzwischen ein breites Publikum. Das liegt vielleicht auch daran, dass Passenger immer wie ein Mann mit zwei musikalischen Gesichtern wirkt. Zum einen verwöhnt er mit Klängen, die schnell ins Ohr gehen und sich dadurch für eine große Hörerschaft eignen, zum anderen sind da aber auch diese intimen Momente, in denen er zeigen kann, wo seine Wurzeln liegen. Es ist genau diese Mischung, die Passengers Musik so erfolgreich macht. Große Überraschungen sollte man aber auch von seinem neuen Album „Runaway“ nicht erwarten.

„Runaway“ auffallend oft wie die letzten Veröffentlichungen des Briten mit der markanten Stimme. Man kann das als künstlerische Treue zu seinem Genre ansehen. Dennoch drängt sich bei mehrfachem Hören der Eindruck auf, dass Passenger manchmal der Mut zur Weiterentwicklung fehlt.

Der Liedermacher erfüllt zu oft die Klischees vom einsamen, gefühlvollen Sänger mit Gitarre. Das wiederum führt dazu, dass die Titel von „Runaway“ zwar nett anzuhören sind, aber schnell wieder vergessen werden. Egal ob „Hell Or High Water“, „To Be Free“ oder der minimalistisch instrumentierte Track „Ghost Town“ - die Substanz reicht immer nur für einen kurzen verträumten Moment.

Bereits im Mai hat der Singer/Songwriter seine Singleauskopplung „Hell Or High Water“ mit durchaus stimmungsvollem Musikvideo (über zehn Millionen Aufrufe) präsentiert und so schon gezeigt, wohin die Reise gehen könnte: wieder einmal im Kreis herum. Inbegriff dieser musikalischen Stagnation ist der Song „Why Can"t I Change“, in dem Passenger passenderweise singt: „Why can"t I change after all these years? ... I"m still more or less the same.“

Wer frühe Herbstgefühle in sich hat und auf der Suche ist nach einer ordentlichen Portion Melancholie, für den ist „Runaway“ womöglich genau das richtige Album. Wer aber darauf hofft, dass Passenger nach zehn Alben endlich etwas experimentierfreudiger wird, der wird enttäuscht.

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