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20. August 2019

Baden und wandern im Land der Götter

Von Attika bis Zeus – Griechenland ist mindestens genauso vielfältig wie das Alphabet. Die Landschaft und die Sehenswürdigkeiten verführen zu mehr als nur Strandurlaub.

Vor allem die Kykladen sind für Inselhopping ideal. Paros kann eine der Stationen sein. Foto: kite_rin - stock.adobe.com

Regensburg. Das Theater, die Olympischen Spiele und die Demokratie – all diese Dinge verdankt die moderne Welt griechischen Vordenkern aus der Antike. Außerdem lieferten die Griechen mit ihren Göttern wie Zeus, Apollon und Poseidon die heute wohl populärsten Gestalten der westlichen Kulturgeschichte. Damals scheint in dem Land also einiges los gewesen zu sein und ein Teil der Denkmäler ist noch heute erhalten. Wer in Griechenland Urlaub macht, der stößt daher an einigen Orten auf antike Statuen und Überreste von Heiligtümern. Viele davon gehören zum UNESCO-Weltkulturerbe und beeindrucken in ihrer Größe und Geschichte.

Hoch über der griechischen Hauptstadt Athen beispielsweise thront die Akropolis – eine Tempelanlage aus dem fünften Jahrhundert vor Christus. Ihr Besuch steht bei einem Trip in die Hauptstadt ganz oben auf der Liste. Rund 60 Kilometer weiter südlich steht in Sounio, am Rand des Kaps der Region Attika, die Ruine eines Tempels, der für den Meeresgott Poseidon erbaut wurde. Über den Ort und sein ganz besonderes Licht kursieren zahlreiche Mythen und Sonnenuntergänge dort sind spektakulär. Eine weitere antike Stätte beherbergt die Stadt Delphi in Mittelgriechenland: dort liegt – eingebettet in Olivenhaine und Felsen – der Apollontempel, der einst das berühmte Orakel beheimatete.

Die Kirche Agio Sophia in Thessaloniki gehört zum Weltkulturerbe der UNESCO. Foto: dudlajzov - stock.adobe.com

Auch Überbleibsel aus dem Byzantinischen Reich prägen Griechenland. Dazu gehören zum Beispiel die Kirche Agia Sophia in der zweitgrößten griechischen Stadt Thessaloniki und viele Klöster, die über das Land verstreut sind. Für Kunstliebhaber ist vor allem die Insel Hydra etwas Besonderes. Sie war und ist Treffpunkt der Künstler, Schriftsteller sowie der Schönen und Reichen. Sehenswert sind die Vernissagen im Slaughterhouse und in der Melina Mercouri Galerie. Da Hydra ein Naturschutzgebiet ist, bietet die Insel neben kulturellen Events aber auch Ruhe. Motorisierte Fahrzeuge sind beispielsweise nicht erlaubt – man reist per Esel.

Die Akropolis bestimmt das Stadtbild von Athen. Foto: samott - stock.adobe.com

Griechenland war vor allem aufgrund der Wirtschafts- und Flüchtlingskrise lange in den Schlagzeilen. Dadurch rückten die kilometerlangen Strände und antiken Sehenswürdigkeiten, die das Land zu einem vielseitigen Urlaubsziel machen, schon fast in den Hintergrund – aber eben nur fast. Seit einiger Zeit steigt die Zahl der Touristen stetig. Im Jahr 2018 besuchten 33 Millionen Menschen das Land, das selbst nur rund elf Millionen Einwohner hat.

Höhenmeter statt Seemeilen

Neben Meer gehört zu Griechenland auch Gebirge. Vor allem Nord- und Mittelgriechenland sind ein Paradies für Outdoorfans: Wandern, Wildwasserrafting und Moutainbiken stehen unter anderem zur Auswahl. Auf den Touren durch das Pindos-Gebirge – vorbei an schroffen Felsen und tiefen Schluchten – stößt man außerdem auf traditionelle Bergdörfer, wie die Zagoria Dörfer oder auf die berühmten Metéora-Klöster, die hoch auf Sandsteinfelsen thronen. In der Region Makedonien können Bergsteiger das Bergmassiv des Olymp, das in der altgriechischen Mythologie als Sitz der Götter galt, erklimmen. Mehrere Gipfel mit einer Höhe von rund 2900 Metern liegen dort auf engem Raum zusammen. Wandern kann man außerdem auf der Halbinsel Peloponnes. Dort befindet sich ein Teilstück des Europäischen Fernwanderwegs E 4, der von Portugal bis Zypern führt. Die Insel Kalymnos hingegen zieht vor allem Kletterer an. In die Kalksteinfelsen wurden mehr als 2700 Kletterrouten gebohrt. Verschiedene lokale Anbieter vermieten dort günstige Zimmer und Apartments.

Die Insel Kalymnos zieht vor allem Kletterer an. Foto: Iuliia Leonova - stock.adobe.com

Für Actionfans eignen sich das Frühjahr und der Herbst als Reisezeit, denn im Sommer ist es zum Wandern oder Klettern zu heiß. Dafür ist die Zeit von Juni bis September zum Baden ideal. Temperaturen über 30 Grad sind dann an der Tagesordnung. An den Küsten wird die Hitze durch die leichte Meerbrise oder einen Sprung ins Wasser abgemildert, die 14.000 Küstenkilometer bieten sowieso unzählige Möglichkeiten zum Baden, Surfen oder Wakeboarden. Auf dem Festland bezaubert vor allem die sogenannte Riviera von Athen durch ihre Strände, Uferpromenaden, Yachthäfen und Restaurants am Meer. Außerdem liegt dort, in der Nähe Athens, der Hafen Piräus – der größte Fährhafen der Welt. Von diesem aus steuern Schiffe verschiedene griechische Inseln an. In der Nähe liegen zum Beispiel Hydra, Ägina und Poros. Viele Touristen fliegen daher nach Athen und fahren dann mit der Fähre zu ihrem eigentlichen Ziel weiter.

Viele Inseln – alle einzigartig

Inseln gibt es rund um das griechische Festland circa 3000. Von diesen sind jedoch nur 167 bewohnt. Fast alle Inseln liegen im Ionischen oder Ägäischen Meer. Lieblingsreiseziele in der Ägäis sind, auch weil es dort Flughäfen, eine gute Infrastruktur und viele Hotels gibt, Rhodos, Kreta, Kos und Santorin. Für Santorin sind nicht nur die weißen Häuser mit den blauen Dächern charakteristisch. Die schwarzen Sandstrände dort bieten Badeurlaubern eine außergewöhnliche Kulisse und Taucher können die Riffe unter Wasser erkunden.

Der Strand auf Kefalonia ist bekannt für seinen feinen roten Sand. Foto: Lucian Bolca - stock.adobe.com

Unbekanntere Inseln müssen sich aber auch nicht verstecken. 45 Minuten Expressfähre von Santorin entfernt liegt zum Beispiel das beschauliche Folegandros. Dort stehen bunte Stühle vor kleinen Tavernen und steile Klippen säumen die Küste. Die Strände sind größtenteils unberührt. Sonnenliegen oder Eisdielen gibt es dort nicht. Daher: Picknick, Hut und Badetuch einpacken und schon steht einem geruhsamem Strandtag nichts mehr im Weg. Tauchen und Baden kann man auch auf Skiathos, der kleinsten bewohnten Insel der Ägäis. Dort wurde die Musikkomödie „Mamma Mia!“ gedreht – wer will, kann die Originalschauplätze besichtigen. Die Ionischen Inseln im Nordwesten Griechenlands sind von italienischen Einflüssen geprägt und das Wasser ist ein Paradies für Segler. Korfu ist die bekannteste und Kefalonia die größte Insel der Gruppe. Einzigartig auf Kefalonia ist der Strand Xi. Dort treffen die Wellen auf feinen, roten Sand. Auch ein Besuch der Insel Zakynthos lohnt sich: In der Navagio-Bucht liegt das gestrandete Schiffswrack einer Schmugglerbande und wer auf Zakynthos tauchen geht, hat vielleicht Glück und begegnet den seltenen, Unechten Karettschildkröten oder Mittelmeer-Mönchsrobben.

Für Santorin sind die weißen Häuser und die vielen blauen Elemente charakteristisch. Foto: samott - stock.adobe.com

Wem eine Insel als Reiseziel nicht reicht, der kann auch einfach mehrere pro Urlaub erkunden – Inselhopping lautet das Stichwort. Gut dafür eignet sich zum Beispiel eine Reiseroute über die Kykladen, die das Zentrum der Ägäischen Inseln bilden. Start- und Endpunkt ist die Insel Mykonos, da sie einen eigenen Flughafen besitzt. Von dort aus führt die Tour über Syros und Naxos bis nach Paros und wieder zurück. Die einzelnen Inseln erreicht man per Fähre oder Speedboot.

Zu jeder Tageszeit in Gesellschaft

Am Abend, wenn die Sonne langsam untergeht, kann man sich in das griechische Nachtleben stürzen – in Athen zum Beispiel. Im engen Gassengewirr der Plaka, dem ältesten Kern der Altstadt, locken Verkaufsstände, Boutiquen und der Essensgeruch aus den Tavernen Einheimische und Touristen an. Auch Thessaloniki ist in den Abendstunden sehr belebt: Flanieren auf der Uferpromenade, bummeln durch die Shoppingstraßen und feiern im restaurierten Industriebezirk ist zum Beispiel möglich.

Auf der Insel Mykonos gibt es direkt am Ufer zahlreiche Cafés und Bars. Foto: Ella - stock.adobe.com

Vor allem Mykonos ist als Partyhochburg bekannt und zum Teil sehr überlaufen. Direkt am Hafen der Stadt gibt es etliche Bars und Clubs. In den Strandbars, beispielsweise am Paradise Beach, sorgen DJs auch tagsüber für Partystimmung. Junge Urlauber zieht die Insel Ios an. Dort feiert man bis in die frühen Morgenstunden. Manche Clubs haben sogar bis neun Uhr geöffnet. Tagsüber folgen dann Strandpartys. Die Verständigung ist dabei meist kein Problem. Die offizielle Sprache ist zwar Neugriechisch, in Urlaubsorten sind aber auch Deutsch und Englisch verbreitet. Schilder zu entziffern ist da schon schwieriger, da die Griechen ihre eigene Schrift haben. Mittlerweile verwenden sie für Vieles aber zusätzlich lateinische Buchstaben und bei Problemen helfen Einheimische gerne weiter: Sie sind sehr gastfreundlich und oft findet man sich, obwohl man eigentlich nur eine Frage hatte, schnell im Kreis einer Großfamilie wieder und trinkt fröhlich Raki oder Ouzo mit ihnen.

Mokka, Wein und Oliven

Neben Natur und Kultur gehört zum Urlaub auch gutes Essen. Ein Salat mit Oliven und Feta, ein Gyrosteller mit Zaziki oder lieber eine gefüllte Paprika? In Griechenland findet man ein wahres Mosaik aus Geschmacksrichtungen. Wein und Olivenöl haben eine lange Geschichte und Kräuter sowie Knoblauch dürfen in keinem Gericht fehlen. Serviert bekommt man die Speisen in Tavernen und Restaurants. Diese haben fast alle täglich von mittags bis Mitternacht geöffnet.

Neben Wein ist den Griechen auch Kaffee wichtig: Diesen trinken sie den ganzen Tag über. Es gibt zum einen Mokka, heißen Instantkaffee, und zum anderen Frappé, kalten, schaumig geschlagenen Instantkaffee. Letzteren genießen Einheimische im Sommer oft stundenlang, während sie in Cafés sitzen und sich mit Freunden unterhalten. Deren Vorbild sollte man folgen und einfach mal nichts tun – für alles andere ist es sowieso zu heiß.