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24. März 2020

„Da passiert gerade ganz viel“

Statt auf Tour zu sein, schreibt Rebekka Maier alias Die Nowak jetzt neue Songs, vernetzt sich mit anderen Künstlern und versucht sich auf die positiven Dinge in der Krise zu fokussieren.

Auch Rebekka Maier alias die Nowak trifft die Corona-Krise. Sie versucht trotzdem das Beste aus der Situation zu machen. Foto: Thomas Thumann

Regensburg. Gemeinsam auf der Bühne performen und dabei die weibliche Singer-Songwriter-Szene in den Fokus rücken – das war der Plan hinter dem Mini-Festival „Songs from her[e]“, das in mehreren bayerischen Städten Station machen sollte. Eine der Künstlerinnen ist die Regensburgerin Rebekka Maier alias Die Nowak, die jetzt – so wie viele anderen auch – versucht das Beste aus der aktuellen Situation zu machen. Uns hat sie verraten, wie es ihr geht und warum sie der Corona-Krise auch etwas Positives abgewinnen kann.

Rebekka, anstatt auf Tour bist du jetzt zu Hause. Wie geht es dir damit?

Also generell geht’s mir ganz gut. Ich hatte mich innerlich schon darauf eingestellt, dass wir das Festival absagen müssen und war dann auch nicht mehr so enttäuscht. Aber verschoben ist ja nicht aufgehoben. Wir wollen es im Sommer wieder versuchen.

Wie empfindest du als Künstlerin die aktuelle Situation?

Ich habe zwei Kinder und bin deshalb zu Hause. In meinem Freundeskreis bekomme ich mit, dass sehr aufeinander geachtet wird. Ich wache oft morgens auf und denke, ich bin im falschen Film. Viel schlimmer als mich trifft es aber die, die im Veranstaltungssektor tätig sind wie zum Beispiel meinen Schlagzeuger oder unseren Bassisten, der jetzt normalerweise an der Uni Kurse geben würde. Ich arbeite noch Teilzeit in einer Kinderkrippe. Aber die meisten trifft es sehr hart.

Kannst du in so einer Zeit kreativ sein?

Diese Reduktion, die gerade stattfindet – also, dass man sich nur mit sich beschäftigen kann – das schränkt einen total ein. Aber ich stelle fest, dass Einschränkung mich total kreativ macht. Auch wenn es mir nicht so gut geht. Es ist so viel, was gerade um mich herum passiert, dass ich das sofort wieder in Musik umwandeln muss.

Hast du gerade ein konkretes Projekt?

Ich hab vor längerer Zeit einen Song geschrieben. Der heißt „Die ganze Welt“ und den werde ich voraussichtlich am 3. April auf Youtube und Spotify releasen. Ich wollte ihn eigentlich erst im Herbst rausbringen. Das Video dazu gibt’s zwar schon, aber ich hab gedacht, das ist so eine melancholische Nummer, die ist eher was für den Herbst. Aber jetzt passt er perfekt zur Situation.

Das Video haben wir schon vor einiger Zeit im Degginger gedreht. Mit dabei waren unter anderem das Silberfischorchester, bekannt von Pam Pam Ida, Franziska Kiesel an der Geige, Anna Helbich an der Bratsche, Lisa Albinger am Cello und Dominik Hupf, Benjamin Hoffmeister und Severin Buchenau hinter der Kamera. Dafür bin ich wirklich sehr dankbar.

Kannst du der aktuellen Situation sonst noch etwas Positives abgewinnen?

Was ich feststelle: Dieser ganze Druck, den ich vorher hatte, dieser Vergleich mit anderen Bands ist jetzt völlig auf Null gefahren. Egal, ob reich oder arm, jedem geht es gerade irgendwie gleich und man kann nicht viel machen. Das ist tatsächlich in dem ganzen Negativen ein positives Gefühl. Dass der Vergleichsdruck so ausgeschaltet ist, empfinde ich gerade als etwas sehr Angenehmes. Ich finde auch, dass sich gerade ganz viele Künstler zusammentun und neue Sachen dabei entstehen. Das ist ja das Schöne. Das die Kunst in solchen Zeiten eine Hilfe ist, auch wenn den Künstlern im Moment wirklich der Boden unter den Füßen weggezogen wird. Die Kunst stirbt deswegen nicht aus. Im Gegenteil: Ich finde, da passiert gerade ganz viel.

Und wie geht es mit „Songs from her[e]“ weiter?

Wir skypen und spinnen an unserer Reihe weiter. Wir haben auch schon neue Termine im Sommer geplant. Man ist total im Austausch. Das Schöne in der heutigen Zeit ist ja, dass wir so viele Medien nutzen können. Wir können skypen, uns Sachen hin und her schicken. Das macht es dann ja auch irgendwie erträglich.