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Alexandra Wessel
09. Mai 2019

Das Dult-Einmaleins für Zugereiste

Wilde Fahrten mit den Karussells und auf den Bänken tanzen mit den Bierkrügen in der Hand – damit auch Dult-Neulinge nicht ganz ahnungslos auftauchen, kommt hier das Einmaleins für Zugereiste.

Das Ketten-Karussell ist ein Klassiker, den Jung und Alt gerne fahren. Foto: Istvan Pinter

1x1= Grundsätzliches

Die Dult ist in zwei Bereiche eingeteilt: Die Vergnügungsdult mit Ständen und Karussells, und die Warendult, wo man alles Mögliche kaufen kann, von Kleidern, über Piercings, bis hin zu Küchenmessern. Die Schausteller, die mit ihren Familienbetrieben die ganzen Stände führen, und auch alle anderen Organisatoren auf der Dult, bilden zusammen die Dultfamilie. Die Leute, die ihre Stände, Geschäfte und Zelte führen, nennt man auch Beschicker. Und ein Onkel ist einfach jemand, der mit der Familie verbunden ist, keine zwingende Verwandtschaft erforderlich.

Auf der Dult wird übrigens meistens mit Bargeld gezahlt, aber tatsächlich kann man auch ohne Bares dort auftauchen. Denn Kredit- und EC-Karten werden ebenfalls akzeptiert, es gibt sogar Geldautomaten dort. An einem Tag sind im Schnitt 90.000 Leute auf der Dult unterwegs und in den beiden Festzelten, Glöckl und Hahn, gibt es insgesamt nur 9500 Sitzplätze. Aber keine Sorge: Wenn man reserviert, bekommt man auf jeden Fall seinen Platz im Bierzelt. Übrigens feiert das Glöckl diesmal sein 83-jähriges und der Hahn sein 26. Jubiläum.

1x2= Bayerische Sprache

Spital, Kneitinger und Bischofshof brauen im Wechsel das klassische Festbier für die Dult. Angezapft wird am Freitag traditieonell von Bürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer. Foto: H.C. Wagner

Die Dult ist ein traditionelles bayerisches Volksfest, mit Betonung auf bayerisch, denn das ist auch die Sprache: Man sagt nicht die Maß/Maas, sondern Mass Bier. Auch ein Hähnchen oder sowas wie einen halben Hahn gibt es hier nicht. Das nennt sich ein Hendl, oder auch Gockerl. Und so steht das auch auf der Speisekarte. Also passt gut auf, was ihr sagt, wenn ihr nicht wollt, dass euch die Kellner ratlos anblicken.

1x3= Die richtige Tracht

Wenn ihr das erste Mal zur Dult geht, dann schaut besser zweimal in den Kleiderschrank, wenn ihr nicht auffallen wollt. Es gibt zwar hier und da Ausnahmen, aber der generelle Kleidungskodex lautet Tracht. Und zwar bayerische Tracht mit Lederhosen und Dirndl, keine böhmische und auch keine Jägertracht, wie Dult-Sprecher Hans-Christian Wagner betont.

1x4= Ein Drei-Generationen-Volksfest

Was ihr euch merken solltet: Die Dult ist ein Volksfest. Keine Kirmes und auch kein Rummel. Außerdem ist es ein Fest für Jung und Alt. Als Familienfest gibt es Seniorentage, einen Dultgottesdienst am ersten Sonntag, einen Mädelsabend, und natürlich Familientage, wo es vergünstigte Fahrten für die Kinder gibt. Außerdem darf das Dultboxen nicht fehlen: Mitten im Bierzelt Glöckl wird ein Boxring aufgestellt und jeder ist zum Zuschauen eingeladen. Laut Wagner waren zuletzt rund 1000 Zuschauer dabei. Die Dult sei in früherer Zeit am Nachmittag ein Sammelpunkt für eher seltsame Menschen gewesen, doch das sei lange vorbei: Heute toben nachmittags ausgelassen die Kinder umher, begleitet von ihren Familien. Die Dult ist mittlerweile ein Drei-Generationen-Fest.

1x5= Ausgelassenheit im richtigen Maß

Auf der Dult gehört ausgelassene Stimmung dazu. Aber da während der ganzen Dult rund 500.000 Menschen dabei sind, muss man auch aufeinander achten, damit es nicht zu unnötigen Raufereien kommt. Und dazu gehören gewisse Richtlinien, wie Wagner erklärt: Auf den Bierbänken tanzen sei selbstverständlich Tradition, aber auf die Tische klettern sei definitiv zu viel. Außerdem solle man auf die Anweiser hören, die den Ablauf bei den Karussellfahrten regeln. Die Festzelte sperren mittags auf, und ab da kann die Party losgehen…jedenfalls bis 23 Uhr. Denn es müsse eine anwohnerfreundliche Sperrzeit eingehalten werden.

Ein anderes Thema: Es gibt saubere und gepflegte Toiletten. Wildpinkeln sei nicht nötig und wenn man erwischt wird, muss man 35 Euro abdrücken. Das Vorglühen vor der Dult ist auch nicht gern gesehen: Denn wenn die Leute nach einem Bier deswegen schon sternhagelvoll sind, möchte die Dultfamilie selbstverständlich nicht die Verantwortung für die Trunkenbolde übernehmen. Zu guter Letzt: Man sollte gewisse Grenzen respektieren: Als Besucher hat man nichts auf der Bühne im Zelt zu suchen, die gehört allein den Musikern. Auch die Küche oder Verwaltungsräume sind tabu.

Neben den Festzelten bietet auch Artmann‘s Herzl viel Platz zum Feiern auf der Dult. Foto: H.C. Wagner

1x6= Der beste Weg zum Ziel

Auf welchem Weg kommt man eigentlich am besten zur Dult? Der eiserne Steg, die eiserne Brücke, auch die Pfaffensteiner Wehr oder die Europabrücke führen alle zum selben Ziel. Das Auto ist da aber definitiv nicht die erste Wahl. Es gibt natürlich Parkplätze in der Nähe, aber die sind meist ganz schön überfüllt. Besser ist es also etwas abseits zu parken und ein paar Meter zu laufen. Fahrräder dagegen, kann man bestens auf dem Dultplatz abstellen. Und außerdem fährt auch wieder der Dultbus: Es geht von der Wöhrdstraße über das Einkaufszentrum, bis direkt zur Dult hin, und auch wieder zurück.

Auf www.r-dult.com könnt ihr euch nochmal Infos zur Dult holen. Wir wünschen euch viel Spaß auf eurer ersten Dult und jetzt bleibt nur noch zu sagen: Hoch die Krüge, prost du Sack!

Alexandra Wessel