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28. November 2019

Den Sagen auf der Spur

Hubertus Hinse unternimmt in seinem ersten Spielfilm „Drudenherz“ eine Reise durch Regensburg und die Oberpfalz – am 8. Dezember feiert der Film Premiere.

Hauptfigur Hias bekommt es in „Drudenherz“ mit allerhand Magischem zu tun. Fotos: Hubertus Hinse

Regensburg. Zweieinhalb Jahre sind vergangen, seit Hubertus Hinse mit seinem ganz persönlichen Herzensprojekt begonnen hat. Nun ist er endlich fertig: Mit der Premiere seines ersten Spielfilms „Drudenherz“ beginnt für ihn gleichzeitig ein ganz neues Kapitel. Der freie Künstler, Theaterpädagoge und Mitbegründer der Stadtmaus dreht seit einiger Zeit Kurzfilme, möchte sich in Zukunft aber noch mehr auf das Filmformat konzentrieren. „Ich fand die Frage schon immer spannend, wie man Geschichten erzählt. Filme machen das ganz anders als das Theater“, erklärt Hinse.

Mit „Drudenherz“ will er aber nicht irgendwelche Geschichten erzählen, sondern alte Oberpfälzer Sagen neu beleben. Als Vorlage dienen Sagen aus der Sammlung von Franz Xaver Schönwerth, der ähnlich wie die Gebrüder Grimm vor hunderten von Jahren durch die Oberpfalz gezogen ist, um die Geschichten der Bürger zu sammeln. Falls der Spielfilm beim Publikum gut ankommt, möchte Hinse eine ganze Serie daraus machen.

Auf persönlicher Entdeckungsreise

Worum geht’s? Als ein Bauunternehmen versucht, einen Hof in Nittendorf zu kaufen, erscheinen dort allerhand Geister und Gestalten, die für Chaos sorgen. Der durch das Ordnungsamt bestellte Hias soll den Ursprung der Randale klären - und steht bald vor der Aufgabe, die Geschichte der erschienenen und titelgebenden Drud aufzudecken.

Der Moosmann (Philippe Matic-Arnauld des Lions) und die Moosfrau (Doris Pöschl), zwei scheue, aber hilfsbereite Waldgeister, helfen der Hias, das Geheimnis der Drude zu lüften.

Eine Drud – Hinses liebste Sagengestalt – ist ein Mensch, dessen Seele durch eine misslungene Taufe nicht mit dem Körper verbunden ist. Die Seele streift nachts umher und richtet allerhand Schaden an. Hias‘ Ermittlungen führen ihn auf zwei Zeitschienen auf eine Rundreise nach Eichhofen, Cham, Neumarkt, Wolfstein, kurz: durch die ganze Oberpfalz. Dort begegnet er allerhand anderen mystischen Gestalten, wie den freundlichen Waldgeistern oder dem Bilmesschnitter, ein Dämon, der die Äcker von Bauern verdorren lässt.

„Drudenherz“ ist aber nicht nur für die Hauptfigur eine Reise. Auch für Hubertus Hinse war der Film eine ganz persönliche Entdeckungsreise. Schon während er 2017 an der Romanvorlage geschrieben hat, drehte er parallel die ersten Szenen. Drehbuch, Finanzierung, Kamera, Licht, Ton - anfangs machte er alles in Eigenregie, auch aus Kostengründen. Dank einer Crowdfunding-Kampagne und Unterstützern seiner Idee konnte er in den kommenden zwei Jahren immer wieder auch externe Fachleute einkaufen.

Offene Arme und offene Türen

Ohne seine Frau und die Hilfe vieler Filmbegeisterter wäre das Projekt wohl nicht zustande gekommen. „Ich habe oft gehört, die Oberpfälzer seien stur und verstockt, aber ich habe genau das Gegenteil erlebt“, sagt der gebürtige Bielefelder. So stellten sich zum Beispiel das Freilandmuseum Neusath-Perschen und Höllmühle als Spielorte zur Verfügung; auch für einige Szenen in Cham wurde das Filmteam von der Stadt und den Bürgern mit offenen Armen empfangen – ein Friseur stellte seine Räume für die Crew zur Verfügung, die lokale Eisdiele übernahm kurzerhand das Catering.

Wer jetzt neugierig geworden ist, kann am 8. Dezember für die Premiere von „Drudenherz“ ins Garbo-Kino kommen. Danach plant Hinse eine Filmtour durch die Oberpfalz - die genauen Daten stehen allerdings noch nicht fest.