Logo Mittelbayerische.de
Portal auswählen »
Titelfoto: Ulrike Ottinger
01. Oktober 2020

Der Blick zurück

Das Transit Filmfest startet mit der historischen Filmreihe Retro_Utopia. In sieben Filmen geht es unter anderem um die Themen Mensch, Macht, Natur und Gender.

Den experimentellen Spielfilm "Bildnis einer Trinkerin" könnt ihr am 4. November im Wintergarten im Andreasstadel oder online sehen. Foto:Ulrike Ottinger

Regensburg. Unter dem Namen „Transit 20: Intermission_Utopia“ finden ab Oktober verschiedene Einzel-Events des Transit Filmfests statt. Den Auftakt macht die Filmreihe Retro_Utopia. In sieben Filmen wird zurückgeblickt: Auf große und kleine Möglichkeitsvisionen menschlichen Zusammenlebens, alternative Lebenswelten und künftige Gesellschaftsformen. Die Themen, denen sich die Filme verschrieben haben, sind Mensch, Macht, Identität, Technologie, Natur, Race, Class und Gender. Es stellen sich die Fragen: Welche utopischen oder dystopischen Versprechen wurden damals verarbeitet? Wie haben sich diese Kategorien und die Dimensionen des Wünschens, Träumens, Wollens und Handelns verändert? Und was schließen wir daraus für unser Hier und Jetzt?

Den Start macht der Film „Playtime“ von Jacques Tati am 7. Oktober. Gezeigt wird ein Hürdenlauf durch das futuristische Paris der 1960er Jahre. Eine Woche später laufen zwei Filme: „Borom Sarret“ ist der Vorfilm, er behandelt die Geschichte eines armen Mannes, der versucht, seinen Lebensunterhalt als Karrenfahrer in Dakar zu verdienen. Im Anschluss kommt „Black Girl“, darin geht es um die Utopie Europa, die sich als postkolonialer Alptraum herausstellt. Am 21. Oktober zeigt der Film „Die Welt am Draht“ von Rainer Werner Fassbinder ein visionäres Zukunftsszenario um Virtualität und Simulation und thematisiert damit den schmalen Grat zwischen Schein und Wirklichkeit.

Eindringliche Bilder

Eine Woche später – am 28. Oktober – geht es mit einem Klassiker des sowjetischen Kinos weiter. Gezeigt wird der Film „Stalker“ von Andrej Tarkowski. Darin führt der Stalker (hier im Sinne eines Ortskundigen) zwei Kunden zu einer menschenleeren Zone, in der Wundersames geschieht. Auf der Expedition begeben sich die Beteiligten auch auf eine innere Reise und verändern sich.

Der Film eine Woche später „Bildnis einer Trinkerin“, handelt von einer Frau, die nach Berlin reist, um dort ihrer selbstzerstörerischen Leidenschaft nachzugehen. Am 11. November zeigt die Dokumentation „Paris is Burning“ von Jennie Livingston die Ballroom Culture in New York City in den 1980er-Jahren. Performance-Wettbewerbe bieten einen inklusiven Mikrokosmos, für alle, die von der trans-/homophoben und rassistischen Mainstream-Kultur oder anderen queeren Subkulturen abgelehnt werden. Am 18. November läuft der Film „Daughters of the Dust“ von Julie Dash, die erste Hollywood-Produktion einer afroamerikanischen Frau. Im Film geht es um die Abgeschiedenheit einer matriarchal geprägten Parallelwelt, um Veränderungswille und Tradition.

Die Locations, an denen die Filme gezeigt werden, sind im Ostentorkino und im Wintergarten im Andreasstadel. Den Film „Bildnis einer Trinkerin“ könnt ihr auch online sehen. Tickets bekommt ihr in Kürze online oder an der Abendkasse. Hier findet ihr weitere Infos.

Übrigens: Direkt im Anschluss an die historische Filmreihe startet mit Cinema_Utopia das Herzstück der diesjährigen Festivalausgabe. Vier Tage lang laufen Filme der aktuellen Kino- und Festivalsaison, die sich im weitesten Sinne mit Dystopie und Utopie beschäftigen.