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08. Juni 2019

Der Meister des Rhythmus

Stephan Ebn ist Berufsmusiker: Schon im Gymnasium hat er mit Musik Geld verdient. Es folgten Auftritte in den USA, Tourneen mit Gianna Nannini und ein eigenes Label.

Stephan Ebn spielt nicht nur Schlagzeug, sondern produziert seit seinem 20. Lebensjahr auch Musik. Seit 2011 hat er ein eigenes Label: „Magic Mango Music“. Foto: Oxana Bytschenko

Regensburg. Man kann sich einen Schlagzeuger, der gern „Pink Floyd“ hört, schwer bei einer Elektroparty vorstellen. Aber Stephan Ebn schafft beides: „Ich mache ehrliche Musik, an der mein Herz hängt“, – aber er verfolgt auch, wie sich der Musikgeschmack entwickelt, zur Not auch mit 41 Jahren in einem Elektroclub.

Zuhause in Abensberg thront sein Schlagzeug mitten im Musikstudio, rechts aufgereiht die Snare Drums. In einem Loch in der Bass-Drum steckt eine karierte Decke, die den Klang dämpft. Unter einer Trommel liegt ein Haufen Drumsticks, der „Sticks-Friedhof“. Hier wird Musik handgemacht. Stephan Ebn kann eine komplette Band einspielen, auf dem gleichen Niveau wie ein professionelles Musikstudio – ohne seine vier Wände zu verlassen.

Seit seinem achten Lebensjahr spielt er Schlagzeug. „Mit zwölf war ich wie ein Blöder am Üben, bis zu acht Stunden am Tag. Da haben sich meine Eltern Sorgen gemacht“, erklärt Ebn. Mit zwölf Jahren spielte er in Bands und mit 15 folgten erste lukrative Auftritte. „Sobald ich den Führerschein hatte, habe ich mit Musik Geld verdient“, sagt Ebn.

Von Abensberg ging es nach Nürnberg: Jazzschlagzeug an der Hochschule studieren. „Zu der Zeit hatte ich schon Auftritte in Los Angeles und Las Vegas und mir einen Namen als Tourmusiker gemacht“, sagt der Drummer. Aber er wollte noch mehr: „Parallel habe ich mit 20 Jahren das Produzieren angefangen“, sagt er. Ein „großer Sound“ war sein Ziel. „Eine Band liefert mit einem Song eine Grundemotion – und dann kommt der Produzent ins Spiel, der diese Emotion durch den Sound herausarbeiten soll“, erklärt Ebn. Seitdem arbeitet er als Produzent für Sänger, Bands, TV-Shows und Kinofilme. Von 2006 bis 2010 war er mit der italienischen Rockröhre Gianna Nannini im Studio und auf Tour. „Da war ich 28 Wochen im Jahr nicht zuhause“, schmunzelt Ebn. Der Produzentenjob verschlingt viel Zeit: Reisen, Aufnahmen, Konzerte, TV-Shows und Studioarbeit.

Zurzeit ist Stephan Ebn mehr in Abensberg anzutreffen, aber es juckt ihn wieder in den Fingern. „Ich brauche die Abwechslung, das ist das Beste in diesem Beruf: Jeder Tag ist anders“, sagt er. Heute kommen die Aufträge zu ihm. „Durch die Digitalisierung ist es aber schwieriger geworden, Geld zu verdienen, weil jeder mit einem Laptop und zwei Mikros Musik machen kann“, sagt Ebn. In der Branche sei weniger Geld für die Musikproduktion vorhanden. „Wenn früher für eine Songproduktion locker ein paar Tausend Euro gezahlt wurden, diskutiert man heute, ob es überhaupt ein vierstelliger Betrag sein muss“, so Ebn, „die Dumping-Preise machen den Markt kaputt.“

Zum Üben kommt er selbst nur noch selten. Aber wenn, sieht er dabei sehr entspannt aus, die Finger geben locker den Rhythmus vor. Wenn sein Leben aus dem Rhythmus gerät, weil etwa lukrative Aufträge wegen der Absage des Echo-Preises verloren gehen, große Musiker sich jüngere Drummer holen und die Familie mehr Zeit fordert, sucht er sich einen neuen Groove. Der Musiker ist schließlich gewohnt, flexibel zu sein. „Früher hat es gereicht, ein wahnsinnig guter Musiker zu sein. Heute muss man nicht nur ein guter Musiker sein, sondern muss den Markt beobachten, alle Musikarten – auch Schlager – in Betracht ziehen und Respekt vor der Musik haben“, erklärt der Drummer. Wer erfolgreich sein will, muss einen eigenen Sound kreieren, Jahre im Voraus denken und als Produzent wissen, wo Geld zu verdienen ist. „Heute kauft kaum einer CDs, Merchandising ist das Ding, Videos das wichtigste Marketing-Tool. Deshalb müssen Bands ihr Publikum vergrößern“, sagt Ebn.

Für ihn ist es ein „abstruses Geschäft, aber wahnsinnig interessant“. Es sei auch risikoreich, egal wie lange man im Geschäft ist. „Aber Musik wird immer da sein“, beruhigt Ebn. Als Musiker müsse man jedoch umtriebig und auch bereit sein, lange einsame Stunden im Studio zu verbringen. Um sich nicht zu verzetteln, sollte man seine Ausgaben und Rechnungen im Blick behalten. „Das lernt man leider nicht an Hochschulen“, sagt Ebn.

Demnächst macht er Orchesteraufnahmen mit dem Filmorchester Babelsberg, außerdem produziert Ebn gerade verschiedene Bands und würde gern mit Künstlern wie John Mayer arbeiten. Ein Ziel ist noch größer: „Ich will einen Grammy gewinnen!“ Damit hat er sich einen komplexen Rhythmus vorgenommen – komplex, aber nicht unmöglich.