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Jonathan Ederer
Titelfoto: Universität Regensburg
09. Juni 2020

Der Tod in Regensburg

Ihr fürchtet weder Tod noch Teufel? Dann ist vielleicht der deutschlandweit einzigartige Studiengang rund ums Sterben an der Uni Regensburg etwas für euch.

Noch bis zum 20. Juli könnt ihr euch für den einzigartigen Studiengang bewerben. Foto: Universität RegensburgUniversität Regensburg

Regensburg. Hätte er nun ach nicht nur Philosophie, Juristerei und Medizin sowie leider Theologie, sondern auch in Regensburg durchaus studiert mit heißem Bemühn, hätte Doktor Faust vermutlich den Tod nicht austricksen müssen. Während der Pakt mit dem Teufel nur ein vorübergehender Schwindel ist, bietet unsere Universität ab kommendem Wintersemester eine fundierte und längerfristige Alternative an. Im Masterstudiengang „Perimortale Wissenschaften“ sollen Studierende Kompetenzen erwerben, die einen vernünftigen und – so paradox das auch klingen mag – nachhaltigen Blick auf das Tabuthema „Sterben“ ermöglichen.

Seid ihr also todesmutig, wenn ihr euch für diesen akademischen Weg entscheidet? In gewisser Weise ja. Denn vor allem Menschen, die direkt oder indirekt in Berührung mit dem Tod kommen, brauchen umgängliche und verantwortungsbewusste Experten, die ihnen in der schweren Stunde Mut machen können. Doch auch ihr selbst werdet mutig sein müssen, wenn ihr euch schon in jüngeren Jahren mit diesem Thema auseinandersetzt.

Für alle mit abgeschlossenem Hochschulstudium

Der Studiengang „Perimortale Wissenschaften“ ist interdisziplinär aufgebaut. Das bedeutet auch, dass Studierende aus verschiedensten Fachbereichen das Masterstudium beginnen können und ein möglichst vielfältiger Studienkreis sogar erwünscht ist. Professor Rupert Scheule von der Fakultät für Moraltheologie wird den Studiengang leiten und freut sich schon jetzt auf diese große Bandbreite an Mitstreitern. Denn einen besonders religiösen Hintergrund der Studierenden macht er bisher nicht aus, wie er der Frankfurter Allgemeinen Zeitung erzählt. Insbesondere wenn ihr aus dem juristischen Bereich, der Palliativmedizin, der sozialen Arbeit und Pädagogik kommt, seid ihr goldrichtig.

Der Begriff „Perimortal“ ist eine Neuschöpfung und bedeutet so viel wie „rund um das Sterbliche“. Und deshalb sind mögliche Berufswege auch Beratertätigkeiten bei Bestattungsinstituten, Krematorien und Friedhofsverwaltung. Harte Fakten werden im Studium dabei nicht ausgespart. So ist es beim nahenden Tod eines Menschen so, dass er nach dem Herzstillstand manchmal noch Sinneseindrücke wahrnehmen kann. Wenn dann der Atem stoppt, ist es also nicht gerade ratsam für die Angehörigen, hektisch zu werden. Denn angenehm für die Sterbenden ist das bestimmt nicht. Hier will die Wissenschaft ansetzten und Aufklärungsarbeit leisten.

Bewerbung jetzt möglich

Wer jetzt denkt, er könne mit dem Studium und all dem Wissen um das Sterben dem Tod von der Schippe springen, wird natürlich eine faustdicke Überraschung erleben. Habt ihr jedoch ernsthaftes Interesse und könnt die vielen verschiedenen Blickwinkel auf das leider unausweichliche Thema zulassen, dann bewerbt euch doch einfach.

Das Verfahren läuft noch bis 20. Juli und beinhaltet je nach Abschluss und Schnitt die Erörterung einer Fragestellung, ein persönliches Beratungsgespräch, Lebenslauf und Bewerbungsformular.

Zum Wintersemester im Herbst ist es dann zum ersten Mal so weit, den deutschlandweit einzigartigen Studiengang zum Thema Tod zu beginnen. Die großen Fragen zu stellen, auf praktische und theoretische Weise, ist das Ziel des Teams rund um Professor Scheule. Gerade in Zeiten einer virusbedingten Übersterblichkeit müssen wir uns zwangsläufig wieder mit dem Tod auseinandersetzen. Und wie könnte das besser geschehen als mit einem rational-wissenschaftlichen Ansatz?

Jonathan Ederer