Logo Mittelbayerische.de
Portal auswählen »
23. Juli 2019

Die umtriebige Frau Karl-Faltermeier

Eva Karl-Faltermeier ist ausgebildete Journalistin, arbeitet bei der Pressestelle der Stadt Regensburg, hat einen Podcast, einen großen Garten, zwei Kinder, einen Mann und schreibt gerade an ihrem ersten Solo-Kabarettprogramm.

Neben ihrem Job in der Pressestelle der Stadt Regensburg, ihrem Podcast „Es Lafft“ und ihrer Kolumne auf Bayern 2 will Eva Karl Faltermeier jetzt mit ihrem ersten Solo-Kabarettprogramm auf die Bühne. Foto: Florian Hammerich

Regensburg. „Jetzt macht die auch noch Kabarett“, werden an dieser Stelle wohl einige sagen. Und ja, der umtriebigen Frau Karl-Faltermeier reicht eine Baustelle längst nicht aus. Neben ihrem Job in der Pressestelle der Stadt Regensburg, steht Eva Karl-Faltermeier so oft wie möglich in ihrem Garten, gibt Gartel-Tipps über Instagram, führt Interviews für ihren Podcast „Es Lafft“, schreibt eine Kolumne für Bayern 2 und will jetzt mit ihrem neuen Kabarettprogramm „Es geht dahi“ auf die Bühnen der Region. Wahnsinn diese Frau. Wir haben sie zum Interview getroffen und mal nachgefragt, wie sie das eigentlich alles unter einen Hut bekommt.

Ein Podcast, eine Kolumne, Familie, Haus, Garten und jetzt noch Kabarett. Wie schaffst du das alles?

Gar nicht. Ich bekomme auch nicht immer alles unter einen Hut. Aber ich habe durch meine Kinder gelernt, mich besser zu strukturieren und Prioritäten zu setzen. Früher hatte ich ein ganz schlechtes Zeitmanagement und habe wenig was ich mir vorgenommen habe geschafft. Heute leiden dafür eher meine Freundschaften, für die ich derzeit leider sehr wenig Zeit habe. Bei Jobs und Kindern versuche ich mein Bestes. Im Haushalt lasse ich auch mal Fünf gerade sein. Außerdem helfen in unserer Familie alle zusammen – Wir sind ein Mehrgenerationen-Clan.

Seit Februar gibt es deinen Podcast „Es Lafft“, wie bist du dazu gekommen?

Ich höre privat sehr gerne Podcasts. Aber es gibt nur wenige aus Regensburg. Und da ich zum Popkulturfestival eh schon lange einen Blog schreibe, in dem ich über die Künstlerszene berichte, wollte ich so etwas ähnliches auch gerne mal zwischendurch machen.

Ich bin drei Tage die Woche bei der Pressestelle, das ist das was ich gelernt habe, was mich interessiert, was mich auch fordert. Das ist so mein Standbein. Aber irgendwann hab ich gemerkt, dass ich da vor allem Langzeitprojekte betreue, also jetzt nix, wo ich sehr schnell etwas veröffentlichen kann. Das ist bei den Podcasts anders.

Und worum geht’s bei „Es Lafft“?

Foto: Florian Hammerich

In meinem Alter haben viele das Lebensmodell: Heiraten, Kinder, Netflix-Account und dann passiert nix mehr. Mich interessieren aber eher Leute, die ungewöhnliche Lebensentwürfe haben. Die mal einen Neuanfang gemacht haben oder auch mal etwas wieder abbrechen. Mich interessieren die Richtungsänderungen und darauf zielt auch der Podcast ab. Dass man durchaus nicht 20 Jahre denselben Job machen und immer im selben Haus wohnen muss, dass man auch mal Träume verwirklichen kann oder etwas wagen und trotzdem glücklich ist und alles funktioniert.

Erst kam jeden Freitag eine neue Folge, jetzt eher unregelmäßig. Was ist denn da los?

Ja, am Anfang habe ich wirklich jede Woche eine neue Folge online gestellt und das war auch gut so. Um bekannter zu werden und einfach mal ein paar Sachen umzusetzen. Jetzt gerade arbeite ich aber wieder mehr an meinem Kabarettprogramm. Außerdem ist Sommer und da will ich auch mal mit den Kindern zum Baden gehen und ich hab wahnsinnig viel in meinem Garten zu tun. Einige Sendungen sind aber noch in Planung, zum Beispiel mit einem Journalisten und Blogger und ein Interview mit einer Sextherapeutin. Und wenn die Kabarettpremiere um ist, wird es auch wieder regelmäßigere Sendungen geben.

Apropos Kabarett: Das ist ja nicht deine erste Erfahrung in diesem Metier. Was ist jetzt anders?

Nein, ich hab auch vorher schon Kabarett gemacht. Mit „Dreiviertelhack“ bin ich mit Martin Kubetz und Tobias Ostermeier im STATT-Theater aufgetreten. Aber das war eben ein Gemeinschaftsprojekt, bei dem gerade die Organisation und die Koordinierung oft schwierig waren. Immerhin hatten wir alle Kinder und viel zu tun.

Foto: Florian Hammerich

Bevor ich zu Dreiviertelhack kam, habe ich meine Texte nur gelesen und dafür oft gute, aber auch mal eine richtig schlechte Kritik in der Presse bekommen. Daraufhin hat mir Florian Toperngpong vorgeschlagen, lieber Kabarett mit Tobi Ostermeier zu machen, aber damals hatte ich noch zu viele Vorbehalte, weil ich dachte, ich schaffe das nicht. Mit „Dreiviertelhack“ konnte ich dann vieles ausprobieren und hab mich durch die Erfahrungen letztendlich dann auch allein auf die Bühne getraut.

Zuerst nur mit kleinen 15-minütigen Nummern. Dann hab ich mit dem Bayerischen Mundart Slam im Hofspielhaus angefangen, bevor ich mich in die Alte Mälze getraut habe. Inzwischen bin ich mutiger und habe schon ein paar Slams gewonnen. Seit März arbeite ich mit Franziska Wanniger zusammen, die ja auch in Regensburg gelebt hat und mittlerweile eine feste Größe in der Bayerischen Kabarettszene ist.

Und was erwartet uns in deinem Premierenprogramm?

Es geht unter anderem um unseren Hausbau, der mich an den Rand des Wahnsinns getrieben hat. Aber auch um die Vereinbarkeit von Arbeit, Mann, Kindern und Haushalt oder Themen wie Alltagsrassismus. Es ist schon auch ein politisches und gesellschaftskritisches Kabarett. Jeder ist so absolut gerade. Du kannst zum Beispiel nicht einfach so sagen „Ich mag Traditionen, bin katholisch, heimatbewusst aber links“. Warum eigentlich nicht? Warum ist alles immer so schwarz/weiß? Das will ich auf den Prüfstand stellen.

Ich will damit aber niemanden belehren, ich will eher zum Nachdenken anregen, Fragen stellen. Seit wann sind Morddrohungen auf Social Media normal? Was ist das für eine Entwicklung? Früher hab ich mich über solche Phänomene eher daheim aufgeregt und gewundert. Das Kabarett gibt mir jetzt ein Ventil für Fragen, wie zum Beispiel: Wie geht man mit dem einzigen Flüchtlingskind im Kindergarten um?

Foto: Florian Hammerich

Wir leben gerade in einer verrückten Zeit und vielleicht sollte man vielem mit mehr Humor begegnen. Ich finde, es wird viel zu wenig gelacht – über den Irrsinn, über den Alltag. Auch dieser ständige Perfektionsdrang langweilt mich. Das Ganze soll aber nicht vorwurfsvoll und selbstgerecht werden. Ich selbst reagiere im Alltag auch viel unsouveräner als mein Bühnen-Ich. Das hat die Situation ja schon reflektiert, sich Erfahrungen von anderen geklaut, viele Szenarien durchgespielt und ein Programm drüber geschrieben und es dann inszeniert. Das Bühnen-Ich bin ja nicht wirklich ich. Da sind auch Anleihen von Freunden und Bekannten dabei. Und ein wenig aus meinem Leben. Wenn ich mich heute über etwas ärgere, freu ich mich gleichzeitig, weil alles, was ich erlebe, am Ende ins Programm einfließt.

Und wann startet das neue Kabarett?

Ich brüte das jetzt quasi gerade aus. Am 25. Oktober ist die Premiere im Gasthof Zur Walba in Pentling. Außerdem würde ich mich gerne bei Kleinkunstpreisen bewerben. Weitere Auftritte beispielsweise im Vereinsheim in München stehen auch an. Danach muss man halt schauen. Ich hoffe, dass es dann spätestens 2021 richtig anläuft.

Und sonst so? Wie sehen deine Zukunftspläne aus?

Mal sehen, wie es mit dem Programm läuft. Ich lasse das einfach auf mich zukommen. Momentan finde ich mein Leben -so wie es ist- richtig gut. Vielleicht mache ich aber auch noch mal einen Nebenerwerbsbauernhof, drei Hühner hab ich bereits, wer weiß das schon. Besser wird’s vielleicht nicht mehr. Kann sein. Wir wissen es nicht und darüber nachdenken sollten wir jetzt auch nicht. Vielleicht nochmal schnell lachen, granteln und abgehen. Wie a Zapferl. Hoffentlich sehen wir uns dabei.

Vielen Dank liebe Eva für dieses schöne Interview. Es hat großen Spaß gemacht. Und immer dran denken – einfach öfter mal drüber lachen.