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Titelfoto: Robert Torunsky
27. Oktober 2017

Ein königlicher Empfang

Unser kult.de-Kinoexperte Robert Torunsky besuchte die Vorpremiere von Joseph Vilsmaiers neuer Dokumentation „Bayern – sagenhaft“ im Reginakino und sprach mit dem Kultregisseur über die Besonderheiten des Freistaats.

Regisseur Joseph Vilsmaier (2. v. re.) freute sich mit den Gastgebern Doris Lerchl-Goldermann und Oliver Goldermann sowie Überraschungsgast König Ludwig II. über eine tolle Vorpremiere seiner Dokumentation „Bayern – sagenhaft“ im Reginakino.Robert Torunsky

Die Vorpremiere von Joseph Vilsmaiers Dokumentation „Bayern – sagenhaft“ im Reginakino war ein echtes Happening: In dem ausverkauften Regina Saal tummelten sich zahlreiche Prominente wie Urs und Klaus Eder, Regierungspräsident Axel Bartelt, Nepaltempel-Besitzer Heribert Wirth, Tanja Raith und Andi Blaimer sowie „Haindling“-Bandleader Hans-Jürgen Buchner, der auch die Filmmusik beigesteuert hatte. Für den spektakulärsten Auftritt hatte Regina-Chefin Doris Lerchl-Goldermann aber selbst gesorgt: König Ludwig II. – perfekt verkörpert von Christian Röhrig – hatte es sich nicht nehmen lassen, den Kultregisseur („Stalingrad“) selbst anzukündigen. Doris Lerchl-Goldermann, die seit 29 Jahren mit Vilsmaier gut bekannt ist, würdigte den 78-Jährigen als Wegbereiter des mittlerweile so beliebten bayerischen Films. „Sepp hat mit Filmen wie ,Herbstmlich‘ den bayerischen Film in den Kinos salonfähig gemacht“, adelte die Regina-Chefin den Pionier, der 2008 auch „Die Geschichte vom Brandner Kaspar“ inszeniert hatte. Die Gastgeberin freute sich sehr darüber, dass über 100 der 700 Leinwände in Bayern den Film zeigen und die Mühe belohnen.

Nach der launigen Einführung kamen die Gäste zunächst in den Genuss der aufwendig gestalteten Dokumentation, die von Vilsmaier persönlich im Wechselspiel mit Komödiantin Monika Gruber gesprochen wird. Nach dem Abspann des „kuriosen Reigens“ und reichlich Applaus stand der Regisseur dann – wie zuvor exklusiv der kult-Redaktion – den Fragen des Publikums Rede und Antwort.

Herr Vilsmaier, sie haben mehrere Jahre an der Dokumentation „Bayern – sagenhaft“ gedreht. Warum die lange Zeit?

Josef Vilsmaier: Ich wollte Bayern in all seinen Facetten zeigen, auch besondere Ereignisse wie die Landshuter Hochzeit oder das Münsinger Ochsenrennen, die nur alle paar Jahre stattfinden, festhalten.

Wie haben Sie es angesichts der Berge von Material geschafft, festzulegen?

Ich habe über 25 Stunden Film zusammengetragen – wie ein Jäger und Sammler (lacht). Dann habe ich Prioritäten gesetzt und mir ein Konzept überlegt: Der Film beginnt an Neujahr und endet am 31. Dezember.

Sie haben „Bayern – sagenhaft“ nicht nur konzipiert, gedreht und geschnitten, sondern ihn auch selbst finanziert. Das ist sehr ungewöhnlich.

Ja, das war für mich, der seit über 60 Jahren Filme macht, eine Premiere. Ich hatte bei Filmen wie „Stalingrad“ in der Vergangenheit tolle Partner, die mir vertraut haben. Dennoch war es mein Wunsch, dieses Projekt alleine durchzuziehen. Unser kleines Team von vier Personen hat alles selbst gemacht. Das war toll, wir haben uns dabei nicht beeinflussen lassen und verleihen den Film auch selbst.

Bei zwei Passagen des Films könnte der Gedanke an Product Placement entstehen.

Wir haben keinen Cent bekommen! Zu Bayern gehören eben nicht nur die wunderschöne Natur und die Traditionen, sondern eben auch die Moderne wie Autohersteller oder der Campus Großhadern des Universitätsklinikums München.

Anders wie bei vielen Dokumentationen kommt auch die humoristische Komponente nicht zu kurz.

Dafür sorgt schon allein Monika Gruber. Aber das ist ja auch typisch für Bayern. Ich wollte zusätzlich aber auch andere Akzente setzen, etwa wie mit Wiesn-Wirt Richard Süßmaier als Napoleon in der Bayerischen Landesausstellung.

Wie etwa bei der angesprochenen Ausstellung hält der Film auch die ein oder andere Botschaft bereit.

Das stimmt, Heimat ist ein Gefühl und dazu noch sehr positiv besetzt. Aber es gibt auch andere wichtige Sachen in der Welt, deswegen endet die Napoleon-Szene beispielsweise mit „Europa steht“.

Zum Heimatgefühl gehört auch die passende Musik. Wie haben Sie Haindling erneut überzeugt?

Ich kenne den Jürgen schon 12 bis 14 Jahre und auch all seine Nummern und er ist manchmal ein Zauderer. Seine Frau Ulrike war dann die treibende Kraft und Feuer und Flamme. Er hat dann etliches neu komponiert, aber auch eine ältere Nummer – zum Schluss eingespielte „Das ewige Lied“ – ist für mich ein echter Hit.

Sie hatten viel Spaß beim Dreh und auch an dieser besonderen Vorpremiere im Reginakino.

Der Abend ist der ausgemachte Wahnsinn, die Leute hier lieben Kino und das merkt man in jedem Detail. Ein wirklich königlicher Empfang – sagenhaft!

Sie zeigen in der als „kuriosen Reigen“ beschriebenen Dokumentation die Besonderheiten des Freistaats. Was macht den Bayern an sich so besonders?

Wir sind ganz friedlich, wenn man uns nicht reizt (lacht).

Tipp der Redaktion: Passend zum Untertitel erhalten alle Kinogänger, die von 26. Oktober bis 4. November ihr Kinoticket von „Bayern – sagenhaft“ in einer Filiale von Vinzenz Murr vorzeigen, zwei Weißwürste geschenkt.