Einmal Gleichgewicht, bitte

Rollschuhe an und los! Naja, so einfach ist es beim Roller Derby dann doch nicht, wie kult-Redakteurin Stina Walterbach, die sich zusammen mit dem Rolling-Rat-Pack-Nachwuchs auf die Bahn gewagt hat, jetzt weiß.

Einmal seitwärts, vorwärts und zurück: Wer auf dem Track bestehen will, muss mehr können als nur im Kreis zu fahren.

Vollkontaktsport, na vielen Dank! Schon im letzten Jahr durfte ich mit den Eishockey-Junioren des EVR aufs Eis, jetzt sind also die Rolling Rat Packs dran. Meine Redaktion hat mich wirklich lieb, das weiß ich jetzt ganz sicher. Naja, dachte ich mir. Was soll’s, immerhin sind es dieses Mal keine Jungs, sondern coole Mädels, die mir den Hintern versohlen werden – natürlich nur im übertragenen Sinne!

Die Sportart Roller Derby kommt, wie der meiste heiße Scheiß, aus Amerika und wird fast ausschließlich von Frauen ausgeübt. Männer dürfen in Deutschland nur als Schiedsrichter auf den Track, wie die ovale, flache Bahn beim Roller Derby genannt wird. So auch in Regensburg. Seit 2013 haben auch wir mit den Rolling Rat Packs ein eigenes Team in der Stadt, das im letzten Jahr sogar die Bayerische Meisterschaft in der eigenen Stadt austragen durfte. Und genau diese Mädels haben mich jetzt zum Probetraining eingeladen.

 
 
 
 
 
 

Von bösen Zungen wird Roller Derby auch gerne mal als Wrestling auf Rollschuhen bezeichnet – meine Angst, am Ende mit blauem Auge und gebrochenen Beinen nach Hause zu kommen, war dementsprechend groß. In der Halle des ESV 1927, bei dem das Roller Derby in Regensburg ein Zuhause gefunden hat, angekommen, gibt’s für mich aber Gott sei Dank erst mal die komplette Schutzausrüstung: Knie-, Hand- und Ellbogenschoner, Helm und natürlich Rollschuhe. Damit geht es für mich und die anderen Mädels auf den Track. Erste Übung: Dem anderen ein Taschentuch klauen, das an der Hose befestigt ist. Meins ist nach zwei Sekunden weg. Und während ich noch damit beschäftigt bin, beim Fahren nicht umzufallen, ist der Rolling-Rat-Pack-Nachwuchs schon richtig gut. Seit drei Wochen trainieren sie vor den Stammspielerinnen. Ich als Neuling stelle mich da schon wesentlich blöder an. Spaß macht’s trotzdem, denn ich bin selten so lieb in ein Team aufgenommen worden wie hier. Alle helfen mir, zeigen mir, was ich verbessern kann, und erklären mir alles. Zum Beispiel wie man das Gleichgewicht besser hält, wie man bremst, und dass man ohne zu fallen nicht hart genug trainiert hat.

Ja, fallen gehört dazu. Und selbst dafür gibt es spezielle Übungen. Für die richtige Street Credibility braucht man dann nur noch einen coolen Namen wie Reaper von Tease oder Rocket van de Witt. Zur Meisterschaft darf aber nur, wer die Abschlussprüfung besteht. Ja, ihr habt richtig gehört. Wer bei den Rolling Rat Packs mitfahren will, muss Spieltheorie büffeln und auch in der Praxis alle Anforderungen erfüllen. Zweimal im Jahr gibt’s dazu eine zentrale Prüfung.

So weit bin ich noch lange nicht. Denn während die anderen schon kontrolliert fallen und auf dem Track beschleunigen, schaffe ich es einfach nicht, eines meiner Beine anzuheben. Keine Körperspannung, kein Gleichgewicht. Also, zurück in die gebückte Haltung wie beim Skifahren oder wenn man aufs Klo geht und Bauch anspannen. Das geht ziemlich auf den Rücken, der mir ausnahmsweise nicht wie sonst erst nach dem Sport, sondern schon währenddessen wehtut. Egal, dafür ist der Funfaktor riesig. Wir müssen fallen, beschleunigen, einen Parcours absolvieren und uns nicht nur vor und zurück, sondern auch seitwärts auf dem Track bewegen. Alles gar nicht so einfach, aber dafür echt lustig.

Mein Fazit: Ich hatte wirklich viel Spaß und kann jedem Mädel, das noch auf der Suche nach der passenden Sportart ist, nur empfehlen, sich einmal auf Rollen zu versuchen. Klar, die Ausrüstung ist mit 200 bis 1000 Euro – nach oben gibt es eigentlich keine Grenze – nicht gerade günstig. Trotzdem hat mich der Sport irgendwie gecatcht. Und wer jetzt noch Angst vor einem blauen Auge hat: Ich hatte keine Blessuren nach dem Training. Man darf zwar nie vergessen, dass es eben ein Vollkontaktsport ist – von Wrestling auf Rollschuhen kann aber echt keine Rede sein.

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