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15. Januar 2020

Ganz große Gefühle

Die Regensburger Psychologin Kerstin Fröber belegt mit einer Studie, dass Kino Filme wirklich besser macht.

Emotionen wie Faszination und Freude sind im Kino stärker ausgeprägt als vor dem heimischen Fernseher. Foto: Mr. Music - stock.adobe.com

Regensburg. Schon oft wurde das Kino totgesagt – als Fernsehgeräte in fast jeden Haushalt einzogen, als die Videokassette erfunden wurde und in der jüngeren Vergangenheit, seit immer mehr Menschen Streamingdienste nutzen. Die Diskussion darüber, ob Kinos überhaupt noch zeitgemäß oder nur romantischer Blödsinn sind, hält an. Dr. Kerstin Fröber von der Universität Regensburg gehört zum Lager der Befürworter, die Kino als ein besonderes Erlebnis sehen, das nicht ersetzt werden kann.

Im letzten Jahr wollte es die Psychologin, die normalerweise zu Themen rund um Motivation forscht, genau wissen: „Es wird viel diskutiert, aber gemessen wurde bisher nichts. Ich habe mich gefragt: Gibt es einen Unterschied, in welchem Kontext man einen Film sieht?“ Und tatsächlich: Durch ihre kürzlich veröffentlichte Studie konnte sie zeigen, dass ein Film allein dadurch intensiver erlebt und besser bewertet wird, dass er im Kino statt zu Hause geschaut wird.

Mehr Faszination

Für Fröber, die in ihrer Freizeit seit vielen Jahren bei unterschiedlichen Filmfestivals aktiv ist, war diese Studie ein Herzensprojekt, mit dem sie ihre zwei großen Leidenschaften – Filme und Forschung – vereinen konnte: „Es steckt ziemlich viel Pionierarbeit in der Studie. Ich musste einen völlig neuen Fragebogen zur Erfassung des Gefühlserlebens erstellen.“ Fröber ließ zwei Probandengruppen denselben Film entweder zu Hause oder im Kino ansehen. Bei der anschließenden Bewertung zeigt sich, dass eine Vielzahl an Emotionen wie Faszination, Freude und Überraschung im Kino intensiver erlebt wird, das Gefühl von Langeweile hingegen abgeschwächt war. Insgesamt gefiel den Testpersonen der Film besser.

Kerstin Fröber ist nicht nur Psychologin, sondern auch Cineastin durch und durch. Foto: Maria Stich

„Es freut mich, dass es nicht nur mir so geht, sondern dass man tatsächlich signifikante Unterschiede finden kann – und das, obwohl es kein Blockbuster, sondern ein unbekannter Film war“, sagt Fröber. Nachdem nun gezeigt wurde, dass Kontext bei Filmen sehr wohl eine wichtige Rolle spielt, möchte sie künftig Antworten darauf finden, warum das so ist. Inwiefern die Erkenntnisse dem Kinosterben entgegenwirken und auch den kleinen Kinos in Regensburg helfen können, bleibt hingegen weiter unklar. Schließlich liegt es letzten Endes am Konsumenten, ob er den „echten“ Kinosaal dem Heimkino zumindest hin und wieder vorzieht.

Gute Werbewirkung

„Ich sehe die Ergebnisse als eine gute Nachricht für Kinos. Jetzt haben sie schwarz auf weiß einen Beleg, dass Kino ein besonderes Erlebnis ist und dass es sich noch immer lohnt. Das können sie auf jeden Fall werbewirksam für sich nutzen“, zieht Fröber ihr Fazit.

Auch Marius Hartung vom Arbeitkreis Film, der die Filmgalerie im Leeren Beutel für die Studie zur Verfügung gestellt hatte, sieht die Ergebnisse positiv: „Als Kinobetreiber liest man eine solche wissenschaftliche Studie natürlich mit Interesse, und auch das Ergebnis kommt einem aus beruflicher Sicht zupass, bestätigt es doch das tagtägliche Engagement fürs Kino als einzigartigen, unvergleichlichen und unersetzlichen Ort des Film-Erlebens. Mich überraschen die Untersuchungsergebnisse nicht, denn auch ich persönlich erinnere mich viel stärker an tolle Kinobesuche als an Sichtungen toller Filme vor dem Laptop. Insofern bestätigen mich die Ergebnisse darin, weiter für den Erhalt des Erlebnisortes Kino zu arbeiten, gerade in Zeiten, in denen Streaming-Anbieter sich als vermeintlich gleichwertige oder gar attraktivere Freizeitalternativen in Konkurrenz zum Kino gerieren. “