Logo Mittelbayerische.de
Portal auswählen »
Jonathan Ederer
Titelfoto: Jonathan Ederer
18. Juni 2020

(Halb)Voll auf die Zwölf

Die Fitnessstudios haben wieder offen, auch das Boxfit – Kinnhaken und K.O. müssen aber noch warten.

Noch steht keiner im Ring: Boxfit-Geschäftsführer Sascha Kuntsch wäre aber bereit.Jonathan Ederer

Regensburg. Boxen und Maske in einem Satz – da hatte man vor der Coronakrise noch andere Assoziationen. Seit 8. Juni darf zwar unter strengen Hygieneauflagen wieder trainiert werden – der direkte Körperkontakt ist aber immer noch verboten und die Maske obligatorisch. Wir haben uns im Boxfit zeigen lassen, wie es im Fitnessstudio seit der Wiedereröffnung zugeht.

Kein Zweikampf

Das Boxfit ist das etwas härtere Fitnessstudio. Boxsäcke hängen von der Decke, der Boxring regt sofort das Kopfkino an und die Matten warten auf harten Körpereinsatz. Denn hier wird nicht nur stationär trainiert, sondern auch am Mann und an der Frau. Eigentlich. Oder mit den Worten von Vereinslegende und Geschäftsführer Michael Kerscher ausgedrückt: „Der Boxverein liegt lahm.“ Dennoch ist sein Geschäftsführerkollege Sascha Kuntsch zuversichtlich und freut sich, dass alle Mitglieder sehr verständnisvoll sind: „Sie haben uns in der schwierigen Zeit wirklich unterstützt.“

Die Abhängigkeit von den oft kurzfristigen Regeländerungen aus der Politik macht ihm aber Kopfzerbrechen. Cool bleibt er dennoch. Man habe das Hygienekonzept angepasst: „Aktuell ist es so, dass jeder beim Einchecken und auf den Wegen zwischen den Geräten einen Mund-Nase-Schutz tragen muss.“ Auch ein permanenter Luftaustausch müsse gewährleistet werden.

Aber: „Der Partnerkontakt ist bis auf weiteres noch nicht möglich“, erklärt Kuntsch. Das heißt auch, dass Sparring und andere Übungen, für die es einen Trainingspartner braucht, bis auf unbestimmte Zeit nicht möglich sein werden. Gerade der Kontakt liegt Kuntsch am Herzen. „Wir kennen jedes unserer Mitglieder persönlich.“ Dass der Abstand eingehalten wird, sei aber selbstverständlich: „Bei uns ist im Alter von sechs bis 80 Jahren alles dabei.“ Da müsse man schon aufeinander aufpassen.

Dafür wurde in der Corona-Pause intensiv renoviert und auch eine neue Trainingsfläche ist entstanden. „Das Gute bei uns ist, dass sich die Leute auf viele verschiedene Räume verteilen können.“ Und diesen Platz braucht es auch. Denn der Zulauf sei wieder groß, wie Kuntsch anmerkt. Auf die Frage, ob er in der Quarantänephase seinen Mitgliedern ein Online-Programm zur Verfügung gestellt hat, antwortet er mit einem von der Maske verhüllten Schmunzeln: „Man muss unseren Mitgliedern nicht vormachen, wie Liegestütze gehen.“

Pure Motivation

Jetzt, vor Ort, gibt es wieder Anregungen für alle Sinne: Ganz besonders ist die detailverliebte Gestaltung der Räume. Die Wände eines Trainingsraums sind mit Street-Art und Graffiti bemalt, in einem anderen können sich die Trainierenden von einer in Bildform angebrachten Jahn-Kurve feiern lassen – die pure Motivation.

Normalerweise trägt der Boxverein jedes Jahr den Box-Cup auf der Maidult aus. Doch die hat ja auch nicht stattgefunden und der Konjunktiv bleibt weiter präsent. Ob und wann die Boxer dann vielleicht mit neuem Hygienekonzept im Ring stehen können, bleibt abzuwarten. Mit Maske in den Ring steigen? Auch das ist vorstellbar. Doch bis dahin müssen wohl die Boxsäcke herhalten.

Jonathan Ederer