Logo Mittelbayerische.de
Portal auswählen »
06. März 2019

Harmloses Gerede, oder nicht?

„Locker Room Talk“ offenbart, wie Männer über Frauen sprechen – und denken.

Was reden Männer, wenn sie in der Umkleidekabine oder anderswo unter sich sind? Silke Heise, Susanne Berckhemer, Doris Dubiel, Denia Nironen (v. li.) geben wieder, was der schottische Autor Gary McNair aufgezeichnet hat. Fotos: Jochen Quast

Regensburg. Breitbeinig hocken sie da. Aus den Mündern quillt vorwiegend Mist. Es geht um Bewertungssysteme für Frauen, um Abscheu für Feministinnen und – natürlich – um Sex.

Aber alles halb so wild, was die vier Protagonisten auf der Bühne da von sich geben. Ist doch nur Gerede: „Locker Room Talk“, wie US-Präsident Donald Trump es bezeichnen würde. Er hat den Begriff mit seinen verbalen Entgleisungen im Vorfeld der Wahl geprägt und war Ideengeber für das Stück.

Der schottische Autor Gary McNair hat in der Folge der Trumpschen Entgleisungen verschiedene Orte aufgesucht – Pubs, Fitnessstudios, die Straße vor Clubs – und bewaffnet mit einem Aufnahmegerät dokumentiert, was Männer so von sich geben, wenn sie ungestört und unter sich sind. Keine Bildungs- und Altersschicht wurde dabei ausgespart. Die Sandkastenrunde kam ebenso zu Wort wie der Taxifahrer.

All das Material hat McNair dann zu einem Theaterstück komprimiert. Das Besondere dabei: Die männlichen Ansichten werden auf der Bühne ausschließlich von Frauen zum Besten gegeben. Silke Heise, Susanne Berckhemer, Doris Dubiel, Denia Nironen verkörpern verschiedenen Typen von Männern und geben sich mal aggressiv, mal proletenhaft, mal gewollt witzig, mal einfach nur dumm.

Die vier Darstellerinnen schaffen es, die Absurdität des Gesprochenen noch mehr zum Ausdruck zu bringen. Sie streuen Salz in die Wunde, sorgen natürlich aber auch für den einen oder anderen Lacher. Und genau da wird es unbehaglich. Darf man sich über den Sexismus, der wie Kaugummi an unserer ach so modernen Gesellschaft klebt, überhaupt amüsieren? Warum nicht? Hauptsache, er wird entlarvt!

Am Schluss des Stücks bleibt man trotzdem etwas ratlos zurück. Man ist nicht wirklich überrascht. Frauen bekommen schließlich oft genug mit, wie man über sie redet. Und auch Antworten oder Einordnungsversuche bleiben gänzlich aus.

„Locker Room Talk“ bildet ab und kondensiert. Dabei offenbart sich aber vor allem ein Problem: Das gesprochene Wort wird viel zu oft verharmlost. Es wird als dummes Gerede oder Spaß abgetan. Dabei ist die Sprache immer auch Ausdruck eines Weltbildes. Und so lange kleine Jungs glauben, Mädchen seien ängstlich und schwach, haben wir sowieso ein Problem.

Die nächsten Vorstellungen gibt es ab 7. März im Theater am Haidplatz zu sehen. Karten sind auf www.theater-regensburg.de erhältlich.