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Jonathan Ederer
Titelfoto: Heike Jörss Design
20. September 2020

Hart, härter, Hardline 2020

Am 23. September geht es endlich los: Das achte Hardline-Filmfestival trotzt dem Corona-Horror und startet als Hybrid in den virtuellen Raum und in den Kinosaal.

Auch für das Hardline 2020 hat Festivalleiter Florian Scheuerer nur das Feinste aus einer breiten Genre-Palette ausgewählt – ihr dürft gespannt sein. Foto:Heike Jörss Design

Regensburg. Ihr wollt euch endlich wieder so richtig gruseln? Ihr seid bereit für den besten Horror für Augen und Ohren? Dann seid ihr hier und jetzt genau richtig. Denn es ist Zeit, den Sommer hinter sich zu lassen und die dunkler werdenden Tage und die welken Blätter angemessen zu würdigen, es ist Hardline-Zeit. Dieses Jahr läuft es im Detail ein wenig anders. Kleiner Wermutstropfen: In den Kinosaal können nur die Dauerkartenbesitzer, alle anderen dürfen sich aber auf Horror zu Hause – im eigenen Wohnzimmer – freuen. Und so viel vorneweg: Es ist für jeden etwas dabei.

Horror mit Horror bekämpfen

Der reale Horror infizierte in den vergangenen Monaten die Kulturbranche und wie vieles andere war auch die Umsetzung des Hardline-Festivals in Gefahr. Künstler und Veranstalter mussten deshalb in den virtuellen Raum ausweichen. Auch Festivalleiter Florian Scheuerer hat diesen Weg eingeschlagen und eine Hybridversion des Filmfestivals konzipiert: Von 23. bis 27. September können nur die 50 Dauerkartenbesitzer die 29 Filme im Ostentorkino sehen. Für alle anderen sind 100 virtuelle Tickets verfügbar, die deutschlandweit von 24. bis 28. September auf online.hardline-festival.de angeschaut und im Vorfeld gebucht werden können.

Die Devise lautet: Den Corona-Horror mit Horrorfilmen bekämpfen. Los geht es mit dem Eröffnungsfilm „Unearth“, in dem die Macht der Natur um sich greift. Die idyllische Dorfgemeinschaft wird hier durch schlecht laufende Geschäfte und das Wüten einer Fracking-Firma getrübt. Es wird plötzlich gebaut und gepumpt – zu tief. Denn das Grauen lauert unter der Oberfläche.

Wenn wir schon unter der Erde sind: Dass Horror-Ikone H. P. Lovecraft wieder in aller Munde ist, beweist auch der Film „The Deep Ones“, der auf dem Hardline Weltpremiere feiert. Hier wird aus einem romantischen Urlaub am Meer ein Gruseltrip, denn Alex und Petri haben die Rechnung nicht mit einer zutiefst bösartigen Entität aus den Tiefen des Ozeans gemacht. Ein obskurer Film, der mit wenig Geld, aber dafür mit viel Leidenschaft umgesetzt wurde.

Indiefilme, Berlinale und der Tod im Kinosaal

Eine besondere Empfehlung verdient der uruguayische Indie-Slasher „Al Morir la Matinée“. Ein Film, der den morbiden Zeitgeist so gut trifft wie kein anderer: In einer Kinovorstellung läuft eine alte Frankenstein-Verfilmung. Nur wenige Gäste haben sich eingefunden und doch ist vom Liebespaar bis zum minderjährigen Jungen, der in die Hose macht, jeder Zuschauer-Stereotyp vertreten. Der Junge bleibt nicht der einzige, der um sein Leben bangt, denn bald fängt ein geisteskranker Mörder an, die Gäste aufs Brutalste zu ermorden. Die expliziten Bilder sind nichts für Zartbesaitete, die Idee ist großartig und der Stil charmant. Das, was derzeit in der Realität in den Kinos passiert , wird hier überspitzt zu Ende erzählt. Denn bei den Betreibern der Lichtspielhäuser geht es derzeit um nichts Geringeres als um ihre Existenz.

Sieht man sich die Bandbreite der Filme an, wird eines klar: Scheuerer, der für sein Kino im Andreasstadel und das Festival jährlich über 600 Filme sichtet und dann die Perlen auswählt, hat alle Gäste im Blick: „Das Publikum erwartet spannendes Genrekino aus der ganzen Welt. Schillernd, aufregend und vielseitig.“ Im Kalender markieren solltet ihr euch die Tragikomödie „Dinner in America“– ein Film für Fans des Coming-of-Age-Genres, der grotesk, lustig und bitterböse zugleich ist. Auch ein Berlinale-Film ist dieses Jahr dabei: Mit „Schlaf“ von Michael Venus ist ein deutscher Film im Programm, in dem der Regisseur mit Genregrenzen spielt und indirekt Meisterwerke wie „Shining“ und „Under the Skin“ zitiert.

Kurzfilme, Live-Acts und eine Überraschung

Und nachdem vergangenes Jahr die Kurzfilmrubrik so positiv aufgenommen wurde, gibt es auch 2020 Kurzes und Knackiges. Auf keinen Fall verpassen solltet ihr „Horrorscope“, der mit einer derart schwarzhumorigen Prämisse und Endpointe aufwartet, dass einem das Lachen im Hals steckenbleibt. Alles beginnt mit der ominösen Diagnose „Horrortraileritis“, nachdem ein Mädchen mit seltsamen Symptomen zum Arzt kommt: Hinter jeder Ecke lauert ein Jumpscare, ihre Nase blutet und sie sieht in ihren Cornflakes Todesbotschaften.

Der Abschlussfilm „Psycho Goreman“ wird noch einmal so richtig wahnwitzig, trashig und blutig. Foto: Foto: Koch Films

Neben den Filmen, die auf der Online-Plattform nach der Vorführung im Kino am nächsten Tag für 24 Stunden abrufbar sind (ist der Film einmal gestartet, hat man 12 Stunden Zeit), wird auf ghost-town-radio.de wieder Sublime für Stimmung sorgen, während am Abschlussabend live on Stage Shallmode zu sehen sein wird. Auch dieses Konzert wird über ghost-town-radio.de gestreamt. Danach läuft exklusiv im Ostentorkino und nicht zu Hause der Abschlussfilm „Psycho Goreman“, der nochmal mit allem daherkommt, was das Horrorgenre zu einem der besten überhaupt macht. Auch den Überraschungsfilm am Samstag um 13 Uhr können nur die Dauerkartenbesitzer im Kino sehen. Doch auch alle, die zu Hause ins „Online-Kino“ wollen, sollten schnell sein, denn es gibt nur 100 Tickets pro Film. Also am besten frühzeitig Tickets sichern.

Jonathan Ederer