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14. Februar 2020

Heiter weiter mit dem Käpt’n

Die Rock-Revue „Jenseits von St. Emmeram“ führt manches Regensburger Problem vor Augen – irgendwer wird’s schon lösen.

Der Teufel (li.) wurde vor fast 900 Jahren von Hansi Steiner (2. v. re.) betrogen – doch am Ende findet er den Brückenbaumeister und ganz Regensburg doch ganz okay. Foto: Jochen Klenk

Regensburg. Im Jahr 2070 ist die Regensburger Altstadt immer noch weltberühmt. Aber nicht mehr in erster Linie wegen Dom und Steinerner Brücke. Sondern wegen einer Komplettüberdachung, die vor dem mittlerweile lebensfeindlich gewordenen Klima schützt. Dort leben dürfen nur Menschen ab einem Einkommen von 50.000 Euro – im Monat. Der Rest vegetiert in der Unterstadt in Erdhöhlen vor sich hin, ab und zu versucht das Befreiungskommando Burgweinting die Festung Altstadt einzunehmen.

Des Teufels Revanche

Das ist die Zukunftsvision, die der Teufel dem Bauunternehmer Hansi Steiner aufzeigt. Ein Urahn von Steiner hat vor knapp 900 Jahren die Steinerne Brücke gebaut und dabei den Luzifer beschissen. Laut Stadtsage nahm er dessen Hilfe beim Bau zwar gerne an, überließ ihm als Lohn aber statt dreier Menschenseelen nur drei Viecher. Über all die Jahre hatte dieser Betrug keine nennenswerten negativen Konsequenzen. In seiner ersten Wut verpasste der Teufel der Brücke zwar einen Buckel und verhinderte viel später mal ein Elvis-Konzert in Regensburg, doch sonst lief alles bestens für die Bauunternehmerdynastie Steiner und den Rest der Stadt. Jetzt allerdings will der Gelackmeierte von damals endlich eine Entschädigung und Hansi samt Kollegen mit in die Hölle nehmen. Andernfalls lässt er Regensburg ungebremst ins besagte Zukunftsszenario rauschen.

Die in der Rock-Revue „Jenseits von St. Emmeram“ beschriebene Gegenwart muss also verteidigt werden, auch wenn sie alles andere als unproblematisch ist. Da wird das Bild einer Stadt gezeichnet, in der sich Immobilien-Unternehmer dumm, dämlich und fett verdienen, die ebenfalls satten Bewohner nur Kommerz im Sinn haben und die Touristenmassen nach Regensburg-Straubing und Regensburg-Schwandorf ausgelagert werden – weil das eigentliche Ziel zu voll ist und es die doofen Besucher sowieso nicht merken.

Immer gut gelaunt

Das Publikum im Velodrom belacht all dies wissend, während Hansi Steiner immer noch in Schwierigkeiten steckt. Doch was passiert? Die großartige Band um Gerwin Eisenhauer und die beiden stimmgewaltigen Sänger Steffi Denk und Markus Engelstädter setzen erst einmal zu einem Medley mit Pop- und Rock-Gassenhauern an und dann betritt ein – in seiner Aufmachung an die „Batman“-Parodie der 60er-Jahre erinnernder – Problemlöser namens Käpt’n Regensburg die Bühne. Der Teufel zieht augenblicklich den Schwanz ein, darf sich noch schnell „Sympathy for the devil“ wünschen und geht dann über zum gemeinsamen Feiern mit den Regensburgern.

So läuft es eben in dieser Stadt. Es gibt Probleme, ja. Aber davon lässt man sich doch die gute Laune nicht verderben. Nicht am Samstagabend im Velodrom und sonst auch nicht. Irgendwie wird’s schon heiter weiter gehen. Ob dann Käpt’n Regensburg – am 15. März wird ja einer gewählt – eine Witzfigur ist oder nicht, spielt kaum eine Rolle.

Tickets und alle Aufführungstermine gibt‘s auf www.theater-regensburg.de.