Logo Mittelbayerische.de
Portal auswählen »
20. Februar 2020

Hypnose aus Tanz und Drums

Das neue Stück „Drum Dancing“ zeigt mit viel Humor die therapeutische Wirkung von spielerischer Bewegung.

Vincent Glanzmann (re.) diktiert den Rhythmus, den die Tänzer Alessio Burani (bei der Premiere erkrankt), Rei Okunishi und David Nigro (v. li.) in Geschichten umsetzen. Foto: Bettina Stoess

Regensburg. Schon bevor er seine Stelle als neuer Chefchoreograph am Theater Regensburg angetreten ist, verriet Georg Reischl im Interview mit der Rundschau, welchen hohen Stellenwert Musik für seine Arbeit hat. Mit seinem Debüt „Juke Box Heroes“ brachte er klassische Tenorgesänge mit beliebten Popsongs zusammen. In seinem neuen Tanzstück, das am Samstag im Theater am Bismarckplatz Premiere feierte, geht er noch einen Schritt weiter – indem er die Musik mit auf die Bühne holt und sie damit sichtbar macht.

Techno und Ballett

Dafür hat Reischl nicht irgendeinen Schlagzeuger, sondern den Drums-Konzeptkünstler Vincent Glanzmann aus Zürich engagiert. Die beiden haben bereits drei Tanzprojekte zusammen umgesetzt – und zeigen bei „Drum Dancing“, wie vielfältig und hypnotisierend die Verbindung von Drums und Tanz sein kann. Die am Premierentag wegen Krankheit eines Ensemblemitglieds nur zehnköpfige Tanzkompanie des Theaters betritt die Bühne in clownesken Pünktchenkostümen von Min Li über eine Rampe, die eine raffinierte Verbindung zum Publikum darstellt. Die Bühnengestaltung übernahm Natascha von Steiger. Man ist überrascht, was allein mit Bass Drum, Hi-Hat und Co. so alles möglich ist: Mal klingt Glanzmanns Spiel wie das sich langsam aufbauende bedrohliche Brummen in einem Horrorfilm, mal wie das beruhigende Donnergrollen eines entfernten Gewitters, dann wiederum wie rasante Technobeats oder ein sanftes Glockenspiel. So abwechslungsreich wie die Musik gestaltet sich bei diesem Stück auch der Tanz. Sind im ersten Teil noch viele klassische Tanzelemente aus dem Ballett zu sehen, bricht das Ganze nach der Pause zunehmend auf. Einzeln, synchron, asynchron oder paarweise tanzend hat man als Zuschauer so einiges zu tun, um ja nichts von dem Bühnengeschehen zu verpassen.

Schwäche zeigen

Die Tänzer kreieren viele kleine Geschichten: Sie marschieren hinter Vincent Glanzmann und seiner Militärtrommel her oder kämpfen schreiend miteinander. Sie versprühen viel Charme und Witz mit quietschenden Gummitieren oder versammeln sich plötzlich um den Drummer und erinnern dabei an Clubbesucher, die den DJ anstarren.

Über all dem schwebt immer wieder ein Totem von der Decke herab, erst als kleiner unscharfer Schatten und am Ende als überdimensionaler Heyoka, ein „heiliger Clown“ der indigenen Stämme in Nordamerika. Da er traditionell viele Dinge verkehrt macht, damit sich die Menschen mit ihren Ängsten und Schwächen auseinandersetzen, darf er auch in Regensburg kopfüber von der Bühne hängen und die Zuschauer anstarren. So gesehen kann „Drum Dancing“, wie das Tanzen an sich auch, eine therapeutische Wirkung entfalten. Die Botschaft: Egal, ob Profi oder Laie – für unser psychisches Wohlbefinden sollten wir alle mehr tanzen.

Tickets und alle Aufführungstermine gibt‘s auf www.theater-regensburg.de.