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Jonathan Ederer
Titelfoto: Jonathan Ederer
15. November 2020

„Ich war ein bisschen verträumter“

Jung, brutal und ein Wahlregensburger. Bucci startet gerade so richtig durch. Was ihn neben seiner Musik so umtreibt, sagt er uns im Interview.

Lukas Buczek alias Bucci am Grieser Spitz Foto:Jonathan Ederer

Regensburg. Am metallenen Haltepfahl an der östlichen Spitze des Grieser Spitzes klebt ein Sticker: ein Cartoon von einem blonden Jungen mit gelbem Cap, rotem Shirt und einer Weinflasche in der Hand: Bucci. Oder gebürtig: Lukas Buczek. Wir haben uns mit ihm unterhalten: über Regensburg, seine neue Single und Tik Tok.

Hallo Lukas, du bist Poetry Slammer und Rapper, schreibst über Regensburg, Gott und die Welt. Wie lange machst du das schon?

Ich habe schon Ewigkeiten gefreestylt und Poetry Slam gemacht. Und als ich nach Regensburg zum Studieren herkam, konnte ich mich schon am dritten Tag als Künstler ausleben. Hier ist ein Publikum da.

Du rappst auf Hochdeutsch. Hast du als echter Bayer und gerade hier in Regensburg mal überlegt, im Dialekt zu singen?

Tatsächlich gibt es schon ein unveröffentlichtes Lied von mir, das ich in Mundart rappe. Es heißt Augustiner Helles. Da hab ich einen richtig gscherten bayerischen Dialekt. Da singe ich als Kunstfigur, dem „Batschi“. Der ist manchmal so richtig asozial. Den Song würde ich vielleicht irgendwann mal rausbringen, aber man schränkt sich sehr ein, wenn man mit Dialekt rappt – vor allem im Internet.

Du trittst also auch als Kunstfigur auf? Wie hältst du es da mit Bucci?

Es gibt einen Unterschied zwischen Lukas und Bucci. Bucci ist eine zweite Seite von mir, der mal laut sein kann und aus sich rauskommt. Lukas ist dagegen sehr einfühlsam und die Leute, die mich wirklich kennen, die nennen mich dann auch meistens Lukas.

Wann hast du das erste Mal gemerkt, dass du gerne schreibst, reimst oder einfach eine künstlerische Ader hast?

Ich habe schon in der ersten Klasse Fantasiegeschichten geschrieben. Aber keiner hat das so recht gefördert. Ich war anders. Als die anderen Zehnjährigen Fußball gespielt haben, habe ich mit den jüngeren Mädchen im Garten gespielt. Ich war schon immer ein bisschen verträumter. Lange habe ich mir gedacht, alle anderen machen das Richtige. Es hat lange gedauert, bis ich meinen Weg gefunden habe.

Dieser Weg sieht vor, dass du Texte über gesellschaftliche Themen schreibst. Dein Text zum Alkohol „Die Volksdroge“ ist zum Beispiel so einer.

Den Text zu schreiben, ist mir sehr leichtgefallen. Es war das, was ich in letzter Zeit erlebt hab. Ich weiß, dass ich selbst ein Problem mit Alkohol habe. Aber ich bin an einem Punkt, wo ich glaube, dass ich es bald noch in den Griff bekommen kann. Aber jetzt ist es noch alles zu lustig. In diesem Sommer zum Beispiel, habe ich so viele Leute kennengelernt wie nie zu vor. Das war dann auch teilweise sehr exzessiv. Aber jetzt muss es noch knallen und ich brauch das noch ein bisschen.

Wo waren im Sommer so die angesagtesten Spots in Regensburg, wo du unterwegs warst?

Auf dem Bismarckplatz und dem Neupfarrplatz. Ich und mein Mitbewohner waren im Sommer die selbstgekührten Bürgermeister vom Bismarckplatz. Und keiner hat es angefochten. Am „Bisi“ sind eher die Studenten; am Neupfarrplatz tendenziell die „echten“ Regensburger.

Da hast du wahrscheinlich viele Bekanntschaften gemacht. Gibt es schon mehrere Kollaborationen?

Ja, da war wirklich viel möglich. Aktuell arbeite ich vor allem mit Team aus Schwandorf zusammen. Unser Song „Trostpreis“ hat derzeit knapp 50 000 Aufrufe auf Spotify.

Ich habe deinen Song „Kein Happy End“ und auch das Video wirklich super gefunden. Da sind auch rockige Elemente mit drin.

Ja, da habe ich Szenen aus dem Film „Bonnie und Clyde“ zusammengeschnitten. Rock habe ich früher als Kind ziemlich viel gehört. Vor allem die Ärzte und die Toten Hosen.

Hast du die Gitarre selbst eingespielt?

Nein, den habe ich gekauft. Es gibt immer jemanden auf der Welt, der das besser kann. Warum sollte man dieses Angebot nicht nutzten? Er hat seinen Teil davon und ich auch. Diese altmodische Denke, dass man alles selbst machen muss, finde ich nicht gut. Hier kann das Internet verbinden.

Welche Themen beschäftigen dich aktuell noch?

Am Campusfest in Regensburg habe ich einen ziemlich guten Text abgeliefert. Da ging es um das erste Mal. Also nicht nur um Sex, eher generell. Alles ist aufregend beim ersten Mal, aber irgendwann kann es lästig oder sogar zum Problem werden. Das heißt für mich und das wäre auch mein Rat an alle anderen: so viel wie möglich ausprobieren.

Große Themen kann man auch gut auf Social Media vermarkten.

Mittlerweile habe ich eine recht große Community. Auf Insta machen bei Umfragen rund 300 Leute mit. Facebook haben unsere Eltern gerade entdeckt. Das ist sozusagen noch das Harmlose. Instagram geht mittlerweile auch eher dahin. Die nächste große Chance ist Tik Tok.

Hast du auch negative Erfahrungen gemacht?

Ja. Oft werden meine Storys wahrscheinlich eher geteilt, weil sie sich gedacht haben, „was für ein Vollidiot“ und nicht, weil es besonders toll war. Man macht sich viel mehr Gedanken über das, was eigentlich nicht wichtig ist. Likes spielen plötzlich eine große Rolle.

Was ist an Tik Tok so toll?

Das macht noch süchtiger. Da ist alles sehr einfach und man kann so kreativ sein wie sonst nirgends. Ein TikTok-Hype macht dich wahnsinnig erfolgreich.

Der Trump-Tanz.

Ja, genau. Ich habe jetzt schon zwei Videos gemacht. Ich glaube, früher oder später macht das wieder jeder.

Wie siehst du dich in der Zukunft?

Ich connecte gerne die Leute. Man kann hier ein gutes Kollektiv aufbauen. In Regensburg gibt es sehr talentierte Leute. Und in der Gruppe funktioniert es meistens besser.

Wie sieht es mit der Musik aus?

Bald kommt ein Album mit rund fünf Tracks. Davor, am 20. November, kommt schon meine neue Single „Kaliskaya“.

Gibt es noch weitere Projekte?

Ich habe vor, dass ich nächstes Jahr einen Podcast mache. Das muss gar nicht in die Musikrichtung gehen. Eher näher an mich und was mich interessiert.

Jonathan Ederer