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Julian Weinberger teleschau - der mediendienst
05. Februar 2020

Im musikalischen Niemandsland

Von München bis Paris, von Dublin bis New York: Mighty Oaks stehen vor einem spannenden Jahr. Leider nicht ganz so aufregend ist das dritte Studioalbum des Berliner Trios.

Irgendwo zwischen dem feinen Folk von früher und massentauglichem Radio-Pop: Wohin führt die musikalische Reise von Mighty Oaks? Foto: Bella Lieberberg

Regensburg. Das neue Jahr ist noch jung, der Terminkalender von Mighty Oaks ist aber schon proppenvoll. Mehr als 40 Shows umfasst die Tournee der Berliner Indie-Folk-Band, die sie im ersten Halbjahr durch Europa und Nordamerika führt - einige Venues sind schon restlos ausverkauft. Und im November gehen Ian Hooper, Claudio Donzelli und Craig Saunders gemeinsam mit The Lumineers auf Tour. Kurz bevor am 17. Februar in der Münchner Muffathalle der Startschuss fällt, veröffentlichen Mighty Oaks mit „All Things Go“ nun ihr drittes Studioalbum.

Die erste Single-Auskopplung „All Things Go“ schlägt gleich zu Beginn die emotionale Brücke zur 2019 erschienenen EP „Driftwood Seat“. In der bewegenden Ballade „So Low, So High“ verarbeitete Sänger Ian Hooper vor einem Jahr den Krebstod seiner Mutter. Nicht weniger gefühlig ist der Opener auf der neuen Platte des in Berlin ansässigen Trios geraten. Darin erzählt Hooper die Liebesgeschichte seiner Eltern und besingt die Vergänglichkeit des Lebens. „Der Tod ist ein wiederkehrendes Thema in unserer Musik. In diesem Song geht es darum, loszulassen. Das ist nicht unfair, das ist einfach das Leben“, lässt der Songwriter sich in einer Pressemitteilung zum neuen Album zitieren. An die Intensität des vielversprechenden Auftakts reicht der Rest der Platte nur selten heran.

Zu oft sucht man die charakteristischen Folk-Klänge einer filigran gezupften Mandoline oder die mehrstimmigen Gesangsharmonien vergebens. Stattdessen wechseln sich auf „All Things Go“ schwermütige Low-Tempo-Nummern („Tell Me What You’re Thinking“, „Aileen“) mit massentauglichem Radio-Pop („What You Got“, „Crazy“) ab. Der klassische Singer/Songwriter-Stil mit reduzierter Gitarrenbegleitung und Hoopers unverkennbarer Stimmfarbe geht dazwischen größtenteils verschütt. Weil Mighty Oaks sich den konsequenten Genrewechsel in Richtung Mainstream-Pop aber offenbar noch nicht zutrauen, versandet ihr neuestes Werk irgendwo zwischen dem Verharren in alten Soundgewohnheiten und der Aufgeschlossenheit gegenüber neuen Ideen.

Album: Mighty Oaks – „All Things Go“

Genre: Pop

Erhältlich ab: 7. Februar 2020

Bewertung: akzeptabel

Julian Weinberger teleschau - der mediendienst