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Titelfoto: Gunnar Gräwert
01. August 2020

In mehreren Genres dahoam

Auf ihrem zehnten Studioalbum zeigt sich die bayerische Singer-Songwriterin Claudia Koreck so experimentierfreudig wie noch nie.

Ab dem 7. August ist Claudia Korecks Album erhältlich. Foto:Gunnar Gräwert

Regensburg. Von Schubladen und Marketingplänen hat Claudia Koreck noch nie etwas gehalten: Sie singt auf Bairisch, wenn sich das für sie gut anfühlt (angefangen mit ihrem Hit-Debüt „Fliang“ 2007 bis zum aktuellen Album), oft auch auf Hochdeutsch und manchmal wiederum auf Englisch. Der rote Faden in ihrem neuen Album, welches passenderweise „Auf die Freiheit“ heißt, ist sie selber und das gleichnamige Thema.

Im Interview erzählt Claudia von ihrer ganz persönlichen Auffassung von Freiheit: Sowohl im künstlerischen Sinne wie sie beim neuem Album verwirkt wurde, als auch, wie sich Freiheit in den aktuellen Corona-Zeiten verändert hat.

Was erwartet Deine Fans musikalisch auf dem neuen Album?

Claudia Koreck: Es ist ein sehr spannendes, sommerlich positives Album mit ein paar sehr groovigen und tanzbaren Nummern, die einem die Last ein wenig von den Schultern nehmen, an die Sonnenseiten des Lebens erinnern und einladen, in eine andere Welt abzutauchen. Das hat nichts mit einer kitschigen heilen Welt zu tun. Es ist eher eine aufmunternde Botschaft, nach einer Krise wieder positiv ins Leben zu blicken. Aber es sind auch ein paar ganz reduzierte und eher nachdenkliche „Claudia Koreck-Songs“ drauf.

„Auf die Freiheit“ vereint als Titel verschiedene Aspekte dieses großen Begriffs. Um welche Freiheit geht es vorrangig?

Freiheit taucht in so vielen Aspekten unseres Lebens auf. Zuallererst geht es hier aber um die künstlerische Freiheit. Dieses Album ist nämlich musikalisch so vielfältig wie kein Album zuvor. Wir haben vorher kein Konzept entwickelt und keinen Rahmen festgesetzt, worum es thematisch gehen und wie es klingen soll. Ich habe meinem Mann und Produzenten Gunnar Gräwert im Vorfeld meine komplette künstlerische Arbeit vorgelegt. Viele hundert, zum Teil skizzenhaft komponierte Lieder, die sich im Laufe der Jahre auf meinem Smartphone angesammelt haben.

Gunnar brauchte ganze zwei Tage, um sich alles anzuhören. Dann haben wir gemeinsam immer wieder die Auswahl eingegrenzt und uns am Ende für elf Songs entschieden, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Jeder hat eine ganz eigene Essenz und brauchte ein eigenes Soundkonzept, was wir auch kompromisslos im Studio so umgesetzt haben.

Das Thema Freiheit taucht in den Texten dann noch in mehrfacher Hinsicht auf ...

Genau. Da geht es um die gedankliche und innere Freiheit, die es einem erst ermöglicht, sich zu entfalten. Aber auch um die Grenzen der Freiheit.

Zum Beispiel die ganze laute Welt des Internets, das vermeintlich nur so von Freiheit strotzt, weil jeder kundtun kann, was er denkt. Leider ist das auch ein beliebter Spielplatz für Menschen, die Hass und Lügen verbreiten, dadurch Zwietracht säen und die Freiheit derer, die sich für Mensch und Natur einsetzten, torpedieren.

Es geht aber auch ganz einfach um das Freiheitsgefühl, welches einen übermannt, wenn man alle Sorgen vergessen und einfach durchs Leben tanzen kann.

Wie bewahrst Du Dir Deine Freiheiten im Spannungsfeld zwischen den Anforderungen an eine erfolgreiche Musikerin und der Verantwortung für eine Familie?

Das ist oft ein Drahtseilakt. Manchmal fühlt man sich wie zerrissen, weil beide Aufgaben meine völlige Hingabe erfordern. Deshalb fahre ich zum Liederschreiben gern in die Ferne, wo ich mich allein völlig meiner Kunst widmen kann. Ganz ohne den Druck, dass gleich das Essen auf dem Tisch stehen muss.

Wenn wir auf Tournee sind, dann bleiben die Kinder bei Oma und Opa und ich weiß, dass sie in liebevollen Händen sind. Und dann kann ich wieder ganz entspannt nach Hause kommen und meiner Mutterrolle gerecht werden und genieße es, für meine Familie da zu sein.

Die Single-Auskoppelung „Es geht vorbei“ wurde spontan früher veröffentlicht, weil sie mit Beginn des Lockdowns plötzlich eine überraschende Aktualität bekam, obwohl darin ein anderes, sehr sensibles Thema besungen wird. Spricht das für die generelle Fähigkeit von Musik trösten, Mut machen und inspirieren zu können? Gerade in Krisenzeiten?

Auf jeden Fall! Ich bekomme noch immer so viele schöne Nachrichten zu dem Song, in denen mir Leute erzählen, wie sehr das Lied ihnen gerade jetzt Mut macht und sie motiviert, nicht aufzugeben

Dass wir jetzt gerade zur Veröffentlichung meiner CD in einer Krise stecken, die unser aller Freiheit so einschränkt, das hätte ja niemand ahnen können. Aber irgendwie müssen wir da jetzt durch: „Ohne Regen koa Paradies“ passt da als Song wunderbar. Ich wünsche mir, dass meine Musik Menschen helfen kann, wieder die Sonne zu sehen und zu erkennen, dass wahre, innere Freiheit nicht von äußeren Bedingungen abhängt.

Die „innere Freiheit“ ist ein gutes Stichwort, denn derzeit fühlen sich viele Menschen anscheinend ihrer Freiheit beraubt? Kannst Du das als freiheitsliebender Mensch nachvollziehen?

Für mich bedeutet es eher Verzicht zum Wohle der Anderen als Beraubung. Meine Freiheit hört ja immer dort auf, wo sie für andere eine Einschränkung oder Gefahr bedeutet. Deshalb mussten wir alle auch eine Zeit lang darauf verzichten, unsere Freunde zu treffen und zu herzen.

Aber es gab durchaus auch Momente, in denen ich dachte: „Blödes Corona, ich will das alte Leben zurück, alles unfair, ich will in den Urlaub fahren, ich will meine Freunde sehen, ich will auftreten…!“

Bis ich gemerkt habe, dass ich wie ein kleines, trotziges Kind agiere, das nicht bekommt, was es will. Und dass es gerade echt nicht darum geht, was ich will, sondern darum, wie wertvoll das ist, was ich habe.

Außerdem ist jegliche Freiheit nie selbstverständlich. Man muss sie sich immer wieder erarbeiten, egal ob es die gedankliche, innere, künstlerische oder eben auch gesellschaftliche Freiheit ist.

Welche Chancen hat die Musik derzeit? Und welchen Gefahren ist sie ausgesetzt, vor allem vor dem Hintergrund, dass womöglich auf längere Zeit Livemusik wie früher nicht stattfinden kann?

Ich denke, Musik hat jetzt die Chance, wieder mehr Wertschätzung zu erlangen. Durch die digitale Entwicklung ist sehr viel davon verloren gegangen. Musik wird zu einem immer verfügbaren, schnell zu konsumierenden „Produkt“ und ist doch in Wahrheit so viel mehr. Da draußen sind so viele tolle Musiker und Künstler, die seit Jahren nichts anderes tun, als ihr Instrument oder ihre Schreibkunst weiterzuentwickeln um das hörbar und vor allem fühlbar zu machen, was zwischen den Zeilen in unserer Gesellschaft geschieht. Musik ist ein Motor für die Menschen. Vielleicht unsichtbar, aber dennoch beeinflusst sie die Handlungen und Psyche der Menschen in positivem Sinne. Sie inspiriert Menschen dazu, Dinge zu tun.

Und das ist solch eine wichtige Arbeit, die darf nicht als Hobby abgetan oder angesehen werden. Denn wäre Musik nur ein Hobby, wäre die Qualität der Aufnahmen und Konzerte niemals auf so einem Niveau, wie wir es gewöhnt sind.