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24. Januar 2020

Inklusion größer denken

Ein neues Theaterprojekt bringt Menschen mit und ohne Behinderung zusammen. Premiere ist am 2. April im Unitheater.

Tobias Ostermeier (li.) entwickelt mit den beiden Hauptdarstellern die Szenen zwischen Lukas und Luisa. Foto: Maria Stich

Regensburg. Tobias Ostermeier hat viel vor: Im Idealfall soll an diesem Abend die Grundlage für vier verschiedene Szenen entstehen. Nach einer kurzen Besprechung dazu, was er und seine Kollegin Marina Siebert sich vorstellen, wärmen sie sich mit Lockerungsübungen auf. Dann dürfen Maren Blössl und Luis Moser loslegen.

Die beiden sind zwei von rund 20 Schauspielern des neuen Theaterprojekts „Frontal“ der Katholischen Jugendfürsorge. Hier stehen Menschen mit und ohne körperliche und geistige Behinderung auf und hinter der Bühne. Die Altersspanne reicht von 13 bis an die 70 Jahre, neben den Laien sind zwei freiberufliche Schauspieler Teil des Ensembles. Ostermeier, der nicht nur selbst als Schauspieler und Kabarettist auf der Bühne steht, sondern auch Diplom-Sozialpädagoge ist, freute sich über die große Resonanz.

Erst improvisieren, dann verfeinern

„Es war von Anfang an mein Wunsch, Inklusion größer zu denken und raus aus den gewohnten Kreisen zu gehen“, sagt Ostermeier. Mit ihm leitet das Theaterprojekt die Sozialpädagogin und ausgebildete Spielleiterin Marina Siebert, die mit einer spastischen Bewegungsstörung selbst im Rollstuhl sitzt. Seit einem großen Casting Ende September trifft sich die Theatergruppe jeden Mittwoch, um gemeinsam ein Stück zu entwickeln. Die Grundidee stand bereits vorab fest: Erzählt werden soll die Geschichte einer Person, die nach einem Unfall mit einer Behinderung leben muss. Wie kann man mit so einer Krise zurechtkommen? Welche familiären, sozialen, emotionalen Probleme entstehen? Die konkreten Szenen erarbeiten die Schauspieler gemeinsam. Sie improvisieren Dialoge, Ostermeier filmt das Ganze. „Dann ziehen wir uns die goldenen Zitate heraus, die später den festen Text ergeben“, erklärt er. Zwar solle jeder nach seinen Fähigkeiten eingesetzt werden, es sei jedoch nicht vorgesehen, dass einer 200 Einsätze spricht und ein anderer nur einen: „Viele Dinge lassen sich mit wenigen Worten oft besser sagen.“

Vielfach erzählte Schicksale

Heute, bei einer außerordentlichen Probe, sollen die Schlüsselszenen der beiden Hauptfiguren entstehen. Maren Blössl hat eine angeborene Epilepsie, die zu kognitiven Einschränkungen geführt hat. „Ich habe früher mal Schauspielunterricht von einer Freundin bekommen. Bei einem Stück habe ich noch nie mitgespielt. Ich hab es erst gar nicht geglaubt, dass ich gleich die Hauptrolle bekomme“, freut sich die 28-Jährige. Luis Moser ist durch Zufall zum Theater Frontal gestoßen, nachdem er drei Teilnehmer mit Down-Syndrom immer zu den Proben gefahren hatte. Die beiden spielen das frisch verliebte Paar Lukas und Luisa, das sich über ihre Band kennengelernt hat. Als Luisa nach einem Unfall nicht mehr laufen kann, werden die Zukunftspläne der beiden ziemlich durcheinander gewürfelt. „Es ist eine Geschichte, die schon in vielen Filmen in ähnlicher Art erzählt wurde. Aber sie ist sehr nah an realen Geschichten, die so immer wieder passieren“, sagt Ostermeier.

Die Vorpremiere ist am 28. März in der Galerie St. Klara, die Premiere am 2. April im Unitheater.