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24. Januar 2020

„Kino macht Hoffnung“

Hermann Weiskopf, Regisseur von „Otto Neururer – Hoffnungsvolle Finsternis“, erklärt im Interview wie es gelingt, anspruchsvolle Filme auch jungen Leuten zugänglich zu machen.

Ein ungewöhnliches Trio: Der alternde Schauspieler Heinz (Heinz Fitz), der an Parkinson erkrankte Pfarrer Anton (Ottfried Fischer) und die jugendliche Straftäterin Sofia (Jasmin Mairhofer). Foto: AVG Filmproduktion

Regensburg. „Otto Neururer – Hoffnungsvolle Finsternis“ beleuchtet das Wirken des 1940 im KZ Buchenwald ermordeten und 1996 von Papst Johannes Paul II. selig gesprochenen Priesters. Am Sonntag, 26. Januar gastiert der Regisseur zusammen mit Darsteller und Koproduzent Ottfried Fischer um 14 Uhr im Reginakino. Wir haben vorab mit Hermann Weiskopf über seinen neuen Film gesprochen.

Herr Weiskopf, wie sind Sie auf die Idee gekommen, sich filmisch mit dem Leben von Otto Neururer auseinanderzusetzen?

Hermann Weiskopf: Bislang habe ich in meinen Filmen berührende jüdische Einzelschicksale erzählt und bin eher zufällig auf Otto Neururer und seine bewegende Geschichte gestoßen. Ein Katholik war für mein Team und mich etwas Neues. Nach eingehender Analyse hat mein Partner Dr. Peter Mair dann das Drehbuch verfasst.

„Otto Neururer– Hoffnungsvolle Finsternis“ ist ein durchaus ungewöhnlicher Film geworden. Er spielt im Heute und arbeitet mit Rückblenden. Drei sehr unterschiedliche Menschen – der alternde Schauspieler Heinz, die jugendliche Straftäterin Sofia und der an Parkinson erkrankte Pfarrer Anton –machen sich auf die Suche nach den Spuren des Priesters. Machen Sie durch die Integration von Sofia diesen schwierigen Stoff bewusst auch jungen Leuten zugänglich?

Ja, die Geschichte von Otto Neururer, der als Held gehandelt hat und sich nicht von den Nazis beeinflussen hat lassen, ist so etwas wie ein abgeschlossener Raum. Mir war es ein großes Anliegen, jungen Leuten die Tür zu diesem Raum zu öffnen. Eine jugendliche Straftäterin im Mittelpunkt macht das Ganze greifbarer. Es ist trotzdem nicht einfach, junge Leute ins Kino zu holen. Deswegen haben wir unsere Filme in der Vergangenheit in die Schulen getragen und sehr gute Erfahrungen gemacht: Die jungen Leute nehmen das Angebot an, aber das muss man sich erarbeiten.

Mit Ottfried Fischer konnten Sie einen prominenten Darsteller und Koproduzenten für das Filmprojekt gewinnen.

Das ist umso bemerkenswerter, denn Ottfried Fischer, der ja selbst an Parkinson leidet, war zuvor fünf Monate im Krankenhaus. Das Mitwirken am Film war Ottfrieds persönliche Entscheidung, er wollte unbedingt den Film machen.

Es hätte also gut sein können, dass kurz vor Drehbeginn einer der Hauptdarsteller ausgefallen wäre?

Ja, die Situation war schon „Hopp oder top“. Ich habe Ottfried nie bedrängt, aber er wollte es wissen und seine Motivation war auch schon so etwas wie eine existenzielle Frage: Ob dies alles trotz der Erkrankung noch möglich ist. Er beweist das eindrucksvoll und ist nicht nur ein guter, sondern ein exzellenter Schauspieler. Die Tiefe, die er in seiner Rolle zeigt, findet man sehr selten.

Darsteller Lucas Zolgar sagt, dass Otto Neururer eine Figur sei, die ihn bis zum Ende seines Lebens begleiten werde und so etwas wie ein guter Freund sei. Welche Wirkung hat die historische Figur auf Sie selbst gehabt?

Ich bin sicherlich kein Vorzeige-Katholik, aber Otto Neururer und sein vorbildliches Wirken war für viele im Team eine große Entdeckung. Für mich allemal, mehr als ich mir das anfänglich hätte vorstellen können. Ich habe jetzt einen anderen Zugang zu Themen wie der Bedeutung eines Gebets oder was Kraft in schwierigen Situationen betrifft. Otto Neururer hat den Mut zur Menschlichkeit nie verloren, das ist sehr inspirierend.

Apropos veränderte Sichtweisen: Die drei sehr unterschiedlichen, spröden Charaktere nähern sich im Film zaghaft an. Spielt darauf auch die „Hoffnungsvolle Finsternis“ an?

Ja, sie lernen, dass jeder Mensch jemanden braucht, der Stütze, Freund oder Ratgeber ist.

„Otto Neururer – Hoffnungsvolle Finsternis“ hat – auch international – bereits viele Preise erhalten. Öffnet das Ihnen auch neue Türen?

Wir haben aus über 1500 Filmeinsendungen das Vatikan-Filmfestival gewonnen und sind unter anderem auch in den USA ausgezeichnet worden. Die Preise helfen dabei, mehr Aufmerksamkeit zu erfahren. Das ist für uns alle eine große Freude und gelichzeitig auch die Erkenntnis, dass ein sogenannter Low-Budget-Film viele Menschen erreichen und bewegen kann. Es zeigt, dass Kino wertvoll ist, Sinn und auch Hoffnung macht. Für mich persönlich bedeutet es auch, dass ich mich aus diesem Themenkreis weiter bedienen werde. Das nächste Projekt handelt von der Klosterschwester Angela Maria Autsch und thematisiert ihren aktiven klerikalen Widerstand im 2. Weltkrieg.

Ihrem Film „Otto Neururer – Hoffnungsvolle Finsternis“ erfährt bald eine ganz besondere Ehre: Er ist offiziell in das Programm der Gedenkfeierlichkeiten des KZ Buchenwald aufgenommen worden.

Das ist eine tolle Sache, ein echter Wahnsinn. Diese Nachricht hat uns mit riesengroßer Freude erfüllt.