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07. März 2019

Klangästhetische Erlebnisse

Wir haben mit Singer- und Songwriter Telquist aus Regensburg über Beharrlichkeit, Kompromisse beim Musikmachen und Anlaufstellen für junge Künstler gesprochen.

„Den Erfahrungen nach ist Beharrlichkeit das Wichtigste, um mit Musik etwas zu erreichen“, sagt Sebastian Eggerbauer alias Telquist. Foto: Frühaufpixx

Regensburg. 2017 erschien das erste Album von Telquist: Dabei erinnern Stimme und Musik von Sebastian Eggerbauer, wie Telquist mit bürgerlichem Namen heißt, an die Kasseler Band Milky Chance. 2018 bekam der 23-Jährige den Musikpreis der Stadt Regensburg in der Kategorie „Freie Szene“, absolut zu Recht, wie wir finden. Live erleben könnt ihr ihn zum Beispiel in der Bar „Heimat“ – oder an der Uni, dort studiert er Germanistik und Vergleichende Kulturwissenschaft. Außerdem arbeitet er als studentische Hilfskraft und schreibt für MusikBlog. Für unser Interview hat er sich den Fragen von Oxana Bytschenko gestellt.

Wie bist du dahin gekommen, wo du jetzt bist?

Den Erfahrungen nach ist Beharrlichkeit das Wichtigste, um mit Musik etwas zu erreichen. Ich habe schon vor Telquist jahrelang in anderen Bands gespielt. Darin sehe ich auch den Grund dafür, dass sich bei diesem Projekt relativ schnell kleinere Erfolge eingestellt haben: Ich habe über Jahre an meinem Sound gebastelt. Nach der Veröffentlichung gehört auch dazu, nicht müde zu werden Konzerte zu spielen, jedes Interview zu führen, konstant die Social Media-Kanäle zu füttern und einfach immer zu versuchen, präsent zu sein, auch wenn einem das als Person vielleicht nicht so sehr liegt.

Lohnt sich ein Album heute noch?

In meinem Fall gab es zwei Gründe, sich für ein Album zu entscheiden: Erstens habe ich als Hörer Musik immer in Form von Alben rezipiert. Ich finde das Album ist also einfach eine wahnsinnig schöne Kunstform, die ich selbst auch so produzieren wollte. Und zweitens hat in meinem Fall die Zusammenarbeit mit Wohnzimmer Records, meinem Label, zum Entschluss geführt, die Musik überhaupt zu veröffentlichen. Mir stand durch das Label also von Anfang an ein Partner zu Seite, der im Musikbusiness verankert ist, und in seinen Strukturen deshalb mehr auf Alben als EPs ausgerichtet ist. Kommerziell birgt ein Album wahrscheinlich eher Nachteile, weil man mit dem Tonträger selbst wenig Geld einnimmt, die Produktionskosten aber eben höher ausfallen als bei einer EP. Die Frage ist aber vielleicht, ob Medien eher auf Alben als EPs reagieren. Dazu fehlen mir Vergleichswerte.

Seit wann machst du Musik? Und was tust du dafür?

Musik mache ich seit neun Jahren, fast von Anfang an zusammen mit anderen Leuten. Ich war nie ein besonderer Instrumentalist und übe wenig am Instrument, versuche aber gerade deshalb, es zumindest auf ein Niveau zu bringen, auf dem ich Dinge eben gut umsetzen kann. Kreative Impulse erzeuge ich anders: Ich glaube, meine Qualitäten als Musiker liegen darin, dass ich mir erstens relativ gut unkonventionelle Zugänge zum Musikmachen schaffen kann und zweitens ein Ohr dafür habe, was klangästhetisch funktionieren kann. Das sind Dinge, dich ich andauernd praktiziere, indem ich versuche, neue Musik zu basteln. Im besten Fall kommt dabei Musik heraus, die frisch und neu klingt, aber eben trotzdem zugänglich ist.

Wie oft trittst du auf?

Das ist sehr unterschiedlich: Diesen Monat spielen wir fünf Mal innerhalb einer Woche, davor haben wir aber lange nicht gespielt.

Warum machst du alleine Musik statt in einer Band?

Das liegt an meiner Arbeitsweise: Wenn mich etwas anfixt, dann ist das oft ein stundenlanges Vor-Mich-Hin-Machen, das mich so gefangen nimmt, dass ich da mit niemandem reden kann. Außerdem glaube ich fest daran, dass die Dinge immer dann am besten werden, wenn jemand eine Vision umsetzen kann. In den Bands hat Songwriting meist so funktioniert, dass fünf Leute miteinander diskutiert haben, die eigene Ideen im Song unterbringen wollten. Verloren hat am Ende in der Regel der Song, weil er eben ein Kompromiss war. Abgesehen davon spiele ich aber live mit einer Band – und da genieße ich diese Dynamik sehr.

Was hältst du vom Musikbusiness?

Na ja, ich glaube, es ist eben ein Business, in dem die Nachfrage wesentlich kleiner ist, als das Angebot. Es gibt heute so unfassbar viele Künstler, die tolle Musik produzieren, dass es nicht möglich ist, dass alles gehört wird. Es gibt wahnsinnig viel und sehr gute Konkurrenz und dementsprechend wird einem nichts geschenkt. Umso schöner und unglaublicher ist es für mich, wenn mein erstes Album tatsächlich ein paar Leute erreicht. Man muss dazu aber auch sagen, dass es überall Anlaufstellen für junge Künstler gibt, die einem dabei helfen, in diesem Business Fuß zu fassen – egal ob es um Finanzierung, Auftritte, Proberäume oder Airplay geht. Das hat mich schon auch sehr positiv überrascht.

Kannst du von den Einnahmen leben?

Nein. Ich glaube, wenn man nicht Glück hat und einen Hype abgreift, dann muss man jahrelang dahinter sein, um tatsächlich Geld zu verdienen. So eine Albumproduktion ist wahnsinnig teuer. Es ist eher so, dass man froh sein muss, wenn sich Ausgaben und Einnahmen am Ende die Waage halten. Live ist das ein bisschen besser, aber ähnlich. Wir sind zu viert und verdienen ein Taschengeld, das wir uns selten auszahlen.

Was würdest du jungen Menschen raten, die im Musikbereich durchstarten wollen?

Ich denke, es ist wichtig, erstens einfach immer weiterzumachen, sich zweitens nicht entmutigen zu lassen, weil es eben immer Leute geben wird, die nicht mögen, was man macht. Und drittens, auch wenn das verdammt unangenehm ist, vielen Leuten von seiner Musik zu erzählen. Ich hoffe und glaube, dass das am Ende belohnt wird.