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09. Dezember 2018

Land zwischen Himmel und Erde

Nepal liegt im Herzen des Himalaya. Seine atemberaubende Landschaft und seine Spiritualität ziehen Wanderer, Bergsteiger und Sinnsucher aus aller Welt magisch an.

Buddhistische Gebetsfahnen sollen die Gebete von Gläubigen in den Himmel tragen. Sie sind in Nepal an jedem Bergpass und auf jedem Gipfel zu finden.

Regensburg. Ein Tausende Meter hoher Gipfel nach dem anderen. Bunte Fähnchen, die im Wind flattern und langsam verblassen. Zähe Sherpas und zottelige Yaks, die mit auf den Rücken geschnallten Lasten dem Himmel entgegensteigen. Nepal ruft unweigerlich Bilder von unendlichen Gebirgsketten hervor, beflügelt die Fantasie und weckt den Abenteuergeist. Fast schon spürt man, wie die dünne Luft der

Hochgebirgsregion die Lungen füllt. Neben anspruchsvollen und einfacheren Trekkingtouren bietet das kleine Land seinen Besuchern aber auch eine faszinierende Kultur, die von ihrem Glauben und ihrer Spiritualität lebt. Wer sich auf diese Lebensweise einlässt und einen Gang zurückschaltet, wird von den Bewohnern herzlich und mit einem Lächeln empfangen.

Hauptstadt voller Heiligtümer

Mit China und Indien hat Nepal die beiden bevölkerungsreichsten Länder der Welt als Nachbarn. Nepal selbst zählt hingegen nur rund 29 Millionen Einwohner. Im Osten und Norden Nepals liegt ein Großteil des beeindruckenden Hochgebirges des Himalaya. Über 40 Prozent der Landfläche liegen über 3000 Meter über dem Meeresspiegel – kein Wunder also, dass Nepal wie Tibet häufig als „Dach der Welt“ bezeichnet wird. Neben dem Mount Everest finden sich hier sieben weitere der zehn höchsten Punkte der Welt.

Doch nicht nur für Extremsportler, die die höchsten Berge der Erde besteigen wollen, ist Nepal ein lohnendes Ziel. Wer die kleine Bergnation selbst erkunden möchte, kann entweder auf dem Landweg über Indien – oder je nach aktueller Situation auch über Tibet – anreisen. Einfacher und bequemer geht es allerdings mit dem Flugzeug. Von Deutschland aus gibt es keine Direktflüge, sondern nur Routen mit mindestens einem Zwischenstopp, zum Beispiel in Doha oder Abu Dhabi. Am teuersten sind Flugtickets in den Hauptreisezeiten von September bis Ende November und von Anfang März bis Mitte April. Durch den Zwischenstopp dauert die Reise zum einzigen internationalen Flughafen des Landes in Kathmandu mindestens 15 Stunden. Hat man die anstrengende Anreise erst einmal hinter sich, wird man mit einmaligen Eindrücken und Erlebnissen belohnt.

Bevor man weiterreist, erkundet man am besten zuerst ausgiebig die Hauptstadt. Auch wenn sie auf 1300 Metern Höhe liegt, ist die Region um Kathmandu eine Tallandschaft – in Nepal gelten eben andere Maßstäbe. Neben der Hauptstadt beherbergt sie über 60 weitere Orte und kleine Dörfer, in denen zusammen etwa 1,5 Millionen Menschen leben. Seit Jahrhunderten gilt das Tal als Treffpunkt der Religionen und als wichtiger Handelspunkt. Die restaurierte Altstadt von Kathmandu ist ein wahres Juwel und besonders sehenswert. Das Gewusel in den Straßen und die im Vergleich zu westlichen Standards einfache Lebensart können zunächst ziemlich überwältigend sein. Ein wunderschönes Sammelsurium an hinduistischen und buddhistischen Heiligtümern, Tempeln und Palastanlagen an jeder Ecke lässt Besucher aber schnell in die Faszination Nepal eintauchen.

Dem Weltkulturerbe auf der Spur

Am stärksten sind die Spiritualität und das religiöse Leben der Menschen an einem der zahlreichen Pilgerorte zu spüren. Hoch über der Stadt auf einem Hügel ragt zum Beispiel der Swayambhunath, das inoffizielle Wahrzeichen Kathmandus, in den Himmel. Er ist ein sogenannter Stupa, eine markante buddhistische Glaubensstätte, deren weiße Kuppel von einem goldglänzenden Turm gekrönt ist. Der ist mit dem alles sehenden Auge von Buddha versehen. Für die Gläubigen ist der Swayambhunath ein wichtiger Pilgerort. Seine Anfänge reichen bis ins Jahr 450 zurück. Seither wurde er mehrfach restauriert und gehört inzwischen zum UNESCO-Weltkulturerbe. Weil sich rund um den Stupa viele kleine Äffchen tummeln, wird er häufig auch „Affentempel“ genannt. Etwa fünf Kilometer östlich der Innenstadt am Ufer des heiligen Bagmati-Flusses liegt das größte Hindu-Heiligtum Nepals: Pashupatinath. Der Tempelkomplex ist dem Tiergott Shiva geweiht, der Zutritt ist Nicht-Hindus verwehrt. Allerdings kann man von der anderen Flussseite aus einen Blick auf das bunte Treiben im Haupttempel werfen. Auch dieses Heiligtum gehört zum Weltkulturerbe.

Egal, wo in Nepal man gerade unterwegs ist: Am besten lässt man sich ausreichend Zeit und hetzt nicht durch die Straßen. Nicht nur, dass man womöglich wichtige Sehenswürdigkeiten übersieht; weil Nepal so hoch liegt und die Luft so dünn ist, kann man seinem Körper regelrecht schaden. Überanstrengung wird mit Kreislaufproblemen, Kopfschmerzen und Übelkeit bestraft. Touristen sind also gewissermaßen gezwungen, die Kultur und die Natur in Ruhe zu genießen. Neben Ruhe und Achtsamkeit können Besucher auch einiges in Sachen positiver Lebenseinstellung von Nepals Bewohnern lernen: Hier wird jedem mit einem Lächeln begegnet. Die Staatssprache Nepali sprechen übrigens nur etwa 50 Prozent der Bevölkerung, mehr als 30 weitere gebräuchliche Sprachen machen die Verständigung nicht immer einfach.

Zu Fuß das Land erkunden

Bis heute arbeiten 80 Prozent der Menschen in der Landwirtschaft, Industrie gibt es kaum. Deshalb hungert die Bevölkerung nicht, obwohl Nepal zu den ärmsten Ländern der Erde gehört. Aufgrund seiner bergigen Topografie sind die Straßen nicht besonders gut ausgebaut. Von Kathmandu aus starten dafür mehrmals täglich Inlandsflüge in alle größeren Städte. Zunehmend werden aber auch die Strecken für die verhältnismäßig teuren Touristenbusse verbessert – für die aufregenden Fahrten über enge Pässe vorbei an steilen Schluchten brauchen Fahrgäste allerdings einen guten Magen und starke Nerven.

Am beliebtesten ist wohl die zugleich einfachste Fortbewegungsart: zu Fuß. Zahlreiche Trekkingtouren führen entweder zu einem der Sechs-, Sieben- und Achttausender oder über Bergketten in eine andere Stadt. Das 145 Kilometer von Kathmandu entfernte Pokhara zum Beispiel lockt mit einem Panorama aus gleich mehreren Gipfeln, die an der Wolkendecke kratzen. In faszinierendem Kontrast zu dem auf „nur“ 800 Meter hoch gelegenen, grünen Ort ragen die schneebedeckten Giganten in den Himmel. An klaren Tagen bietet sich ein atemberaubender Blick auf das Bergmassiv des Machhapuchre – auch Fischschwanz genannt –, den Gipfel des Annapurna und des Manaslu. Zwei idyllische Seen im Pokhara-Tal machen die Region zu einem echten Touristenmagneten und zum Ausgangspunkt für viele weitere Trekkingtouren.

Jeder Bergsteiger hat wohl schon einmal davon geträumt, einen der Gipfel im Himalaya zu erklimmen – am liebsten natürlich den Mount Everest. Auch wenn viele Touren in Nepal touristisch erschlossen und sehr gut ausgebaut sowie beschildert sind: Man sollte sich vor der Reise dennoch im Klaren sein, dass eine Trekkingtour sehr anstrengend werden kann. Im Voraus ist deshalb ein gewisses Ausdauertraining durchaus hilfreich. Außerdem sollte man sich nicht überschätzen und nur eine so schwierige Tour wählen, dass man sie zu Ende gehen kann, ohne sich selbst oder andere in Gefahr zu bringen. Sich vorab ausreichend zu informieren und die richtige Ausrüstung – Kleidung, Zelt, Sonnenbrille und Co. – sind deshalb das A und O.

Was viele nicht wissen: Neben den religiösen Sehenswürdigkeiten und dem Himalaya hat Nepal einen Urwald mit wilden Tieren zu bieten. Im Chitwan-Nationalpark südwestlich von Kathmandu, der 1984 ebenfalls zum UNESCO-Welterbe erklärt wurde, leben unter anderem Affen, Elefanten, Tiger, Nashörner und über 450 verschiedene Vogelarten. Eine Raftingtour, eine Nashornbeobachtung oder eine Kanufahrt zu den Krokodilen werden zu einem Abenteuer, das man so in Nepal wahrscheinlich nicht erwartet hätte.