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Titelfoto: Oliver Goldermann
31. März 2017

„Manchmal erzielt Stille die größte Wirkung“

Regisseur Sebastian Stern im Interview zu seinem neuen Film "Der Hund begraben", der seit Mittwoch im Regina läuft.

Regisseur Sebastian Stern und Hauptdarstellerin Juliane Köhler präsentierten am 29. März im Reginakino die schwarze Komödie „Der Hund begraben“.Oliver Goldermann

Am Mittwochabend präsentierte der bayerische Regisseur Sebastian Stern in Begleitung von Hauptdarstellerin Juliane Köhler dem begeisterteten Publikum im Reginakino seinen neuen Film „Der Hund begraben“. kult-Redakteur Robert Torunsky sprach mit dem 37-Jährigen über die schwarze Komödie.

Herr Stern, die Idee für ihren zweiten Kinofilm „Der Hund begraben“, der bei den Internationalen Hofer Filmtagen ein Publikumserfolg war, hatten Sie bereits Ende 2012. Brauchte in diesem Fall gut Ding einfach Weile?

Anscheinend, aber manche Dinge im Entstehungsprozess eines Kinofilms kann man nicht beeinflussen, vor allem die Finanzierung. Es ist schwieriger geworden, an Gelder heranzukommen. Im Sommer 2015 stand das Projekt dann endlich, die Wunschbesetzung hatte zugesagt und wir wollten im Herbst drehen. Leider waren die Hauptdarsteller zu diesem Zeitpunkt vertraglich gebunden, deswegen haben wir im Februar 2016 gedreht. Die Zeit war schon ein Balanceakt.

Wie haben Sie die Zeit überbrückt?

Ich habe immer in Schüben gearbeitet. Am Drehbuch geschrieben und mich um die Gelder gekümmert, daneben habe ich Werbe- und Musikvideos gedreht, etwa für die britische Band „The Subways“. Zusätzlich habe ich an der Filmhochschule gearbeitet und Reportagen gedreht. Daneben habe ich an zwei weiteren Drehbüchern, eines für einen Langfilm und eines für eine Serie, gearbeitet.

Woher nahmen Sie die Inspiration für die schwarze Komödie?

Ich liebe Komödien! Vor allem wenn das Lachen nicht ganz unschuldig, eben bittersüß ist. Geschichten, die scheinbar harmlos beginnen, aber dann abgründig werden. Die Inspiration stammt aus dem Privatleben: Bei meiner Familie in Viechtach im Bayerischen Wald stand auch unser Schäferhundmischling Nora im Mittelpunkt. Wir sind also „auf den Hund gekommen“ (lacht). Wenn meine Eltern verreist waren und ich mich um Nora gekümmert habe, bin ich mit anderen Hundebesitzern ins Gespräch gekommen und habe festgestellt, welchen Einfluss ein Hund auf eine Familie haben kann und dort mitunter sogar das Wichtigste ist.

Sie haben in Oberhaching, Vaterstetten und Fürstenfeldbruck gedreht. Warum fiel die Wahl auf das Münchner Umland?

Ich wollte da drehen, wo die Stadt aufhört und das Land anfängt, eine relativ austauschbare Vorstadtsituation. Einige der urbanen Schauplätze wie beispielsweise die Veranstaltungshalle waren für den Film einfach nötig. Das Setting sollte in dieser Geschichte aber eher universell wirken und nicht zu viel Lokalkolorit besitzen.

Wie nahe ist das Endergebnis an ihrer Ursprungsidee?

Der Film ist von seinem Grundgefühl her sehr nahe an meinem Wunsch. Es waren nur einige Anpassungen an die Realität und die Machbarkeit nötig, zum Beispiel bei Schauplätzen und unbeeinflussbaren Faktoren wie dem Wetter...

Ein großer Erfolgsfaktor ist das Spiel von Justus von Dohnányi, der die Hauptfigur Hans fast schon minimalistisch interpretiert.

Ja, Justus hat die Rolle des Antihelden, der sich falsch entscheidet, aber das Unglück mit sich selbst ausmacht, sehr gereizt. Er verkörpert sonst ja eher extrovertiertere Rollen. Hans ist ein völlig anderer Typus, da bedarf es sehr feinen Mitteln. Seine Präzision war absolut beeindruckend, er hat auch sehr gut mit den anderen Hauptfiguren Juliane Köhler (Ehefrau Yvonne) und Mike (Georg Friedrich) harmoniert.

Apropos Harmonie, das Publikum in Regensburg hat sich nach der Vorstellung auch begeistert über die Musik geäußert.

Das hat mich sehr gefreut, denn die Musikeinsätze sind sehr bewusst gewählt. Ich mag es nicht so gern, wenn über komplette Filme einfach ein Klangteppich gelegt wird. Mir ist wichtig, dass der Einsatz – beispielsweise das lakonische Klavierthema, die Blues-Stücke von B.B. King und Nick Woodland oder auch die Oper bei Hans´ Fahrt mit dem Cabrio – immer klar erkennbar ist und die jeweilige Szenerie verstärkt. Manchmal erzielt einfach auch Stille die größte Wirkung.

Wie würden Sie selbst den Film beschreiben?

Da übernehme ich gern die Beschreibung eines Journalisten, die mir sehr gut gefällt: „Der Film ist wie freundlicher Hund, der jederzeit zubeißen kann“. Er besitzt eine gewisse Heiterkeit, entwickelt aber Abgründe, die den Zuschauer überraschen. Die Hauptfigur schliddert in eine prekäre Lage und verhält sich absurd. Trotzdem entwickelt man als Zuschauer eine gewisse Sympathie für den Pechvogel und ergreift Partei für ihn, obwohl das mitunter moralisch gar nicht vertretbar ist. Diese Wirkung zu erzielen, war für mich besonders reizvoll.

Kurzinhalt:

Familienvater Hans (Justus von Dohnányi) steckt in der Krise. Sein Arbeitsleben hat soeben ein abruptes Ende gefunden und seine Familie scheint ihn auch nicht mehr richtig zu beachten. Da steht auf einmal ein streunender Hund vor der Türe und begehrt Einlass in das Familienleben. Während Ehefrau Yvonne (Juliane Köhler) sich augenblicklich in das Tier verliebt, wird Hans im Angesicht des neuen „Rivalen“ mehr und mehr klar, wie sehr er selbst überflüssig ist. Als der Hund eines Tages verschwindet und ein merkwürdiger Fremder (Georg Friedrich) der Familie seine Hilfe anbietet, laufen für Hans die Dinge komplett aus dem Ruder…

Hier gibt"s einen kleinen Vorgeschmack auf den Film: