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Julia Lamml
Titelfoto: Julia Lamml
08. März 2018

Mit kult hoch in die Luft

Saltos, Schrauben und Sitzsprünge – wie schwer kann das schon sein? Unsere kult-Redaktuerin und erfahrene Zimmertrampolin-Besitzerin Julia Lamml hat sich zum Freestyle-Springen gewagt.

Sporttest Trampolin

Hoch in die Lüfte springen und sich dabei ein kleines bisschen so fühlen, als ob ich fliegen könnte – genau das war meine Vorstellung vom Trampolinspringen. Zuhause habe ich ein kleines Zimmertrampolin, allerdings hat das weniger mit Fliegen als viel mehr mit Fitness im Winter zu tun. Umso größer war also meine Begeisterung, dass ich für unseren kult-Sporttest das Trampolinspringen im Unisportprogramm ausprobieren durfte.

Für das Angebot muss man Student an der Uni Regensburg sein und sich einen Sportausweis ausstellen lassen. Dann geht es auch schon in einer der Turnhallen, gleich neben einem Kletterkurs, los. „Wie viele kommen, ist ganz unterschiedlich“, erklärt Trainer Sven Gelfert mit Blick auf die siebenköpfige Truppe. „Manchmal sind es eher weniger, so wie heute, und an anderen Tagen muss man länger anstehen“. Denn an den zwei großen Trampolins in der Halle gilt: Wer am schnellsten drauf ist, darf springen.

Nach ein paar Runden um die Trampolins und einigen Dehnübungen sind dann auch schon die ersten beiden oben und zeigen ihr Können: Saltos, mit und ohne Hilfestellung. Ich bin beeindruckt und ein bisschen eingeschüchtert. Hier wird mir auch zum ersten Mal bewusst: Trampolinspringen hat sehr viel mit turnerischem Geschick zu tun. Deswegen hole ich mir vorab ein paar Tipps von dem Mädel neben mir – Simone Reinhardt - die sich als regelmäßige Springerin entpuppt: „Versuch am Anfang, einfach in der Mitte zu bleiben“, meint sie. Mit diesem Rat im Kopf, steuere ich, nachdem der Nächste seine Sprünge beendet hat, auf eins der Trampolins zu.

Die erste Hürde bietet sich schon jetzt: Das Trampolin geht mir mit meinen 1,60 Meter Körpergröße ungefähr bis zum Kinn, eine Leiter ist nicht in Sicht. „Versuch es an der Kette“, hilft mir Simone weiter. Gesagt, getan. Elegant wie ein kletterndes Flusspferd robbe ich mich auf den Rand. Keine Glanzleistung, aber immerhin – ich bin oben. Jetzt kann es nur einfacher werden, denke ich und tappe auf die Sprungfläche.

Wie Bambi auf dem Eis – so ähnlich fühlt man sich das erste Mal auf einem richtig großen Trampolin. Zaghaft wage ich den ersten Sprung – und bin sofort davon überrascht, wie weit ich nach oben schieße. Kein Vergleich zu meinem Minitrampolin zuhause! Dann geht es – wusch! – wieder nach unten, allerdings circa einen halben Meter von meinem Absprungort entfernt. Fast automatisch spanne ich meinen ganzen Körper an – und der nächste Sprung ist schon ein wenig kontrollierter.

Nach ein paar Hüpfern fühle ich mich wohler. Das merkt auch Trainer Sven und klettert (um einiges sportlicher als ich) zu mir nach oben: „Wenn du magst kannst du jetzt ein paar Sachen ausprobieren“, meint er. Während ich springe, macht er am Rand des Trampolins vor, wie ich erste kleine Variationen in mein Auf und Ab einbauen kann: Zum Beispiel zeigt er mir, wie ich mich in einem Sprung mit waagrecht ausgestreckten Beinen auf die Matte setze und im nächsten wieder auf den Füßen lande. Wichtiger Tipp: Die Arme dabei eng am Körper ausgestreckt nach unten anlegen. Das klappt auf Anhieb ganz gut.

Für eine halbe oder ganze Schraube – also eine Drehung um die eigene Achse - muss ich die Arme ebenfalls eng an die Seite legen. Um die Pirouette zu stoppen, soll ich sie wieder öffnen. Ich versuche eine Drehung um 180 Grad. Auch das funktioniert ohne Probleme. Immer mehr merke ich, wie viel Spaß das Springen und Ausprobieren macht.

Wohl ein wenig zu viel Spaß: Der Übermut packt mich und ich versuche mich an einer Drehung um 360 Grad, also einmal ganz um die eigene Achse. Fehlende Balance macht mir einen Strich durch die Rechnung und ich komme am Rand des Trampolins zum Stehen. Trotz dieses verkorksten Versuchs ist mir klar: Ich will da wieder rauf.

Mein Fazit: Wer keine Angst vor Höhen hat und mit dem Turnen nicht im Clinch liegt, der sollte das Trampolinspringen definitiv ausprobieren. Schon kleine Anfängerübungen machen richtig Spaß. Ganz nebenbei verbessert sich die Haltung und man trainiert praktisch den ganzen Körper, ohne oder mit nur leichtem Muskelkater am nächsten Tag. Und Angst vor Verletzungen muss definitiv keiner haben: Wie mutig man ist, bleibt jedem selbst überlassen, außerdem sind die Trainer und Matten allzeit bereit, das Schlimmste zu verhindern.

Julia Lamml