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12. April 2019

Mit Musik Geld verdienen

Für viele junge Menschen ist es ein Traum, der von Castingshows und scheinbar märchenhaften Aufstiegen befeuert wird. Doch wie sieht die Realität aus?

Business Musik: Mehr als elf Milliarden Euro hat die Branche 2017 erwirtschaftet. Foto: bilderstoeckchen - stock.adobe.com

Regensburg. Als Musiker entdeckt werden – diesen Traum haben viele junge Menschen. Sie sehen Musiker in Castingshows, die schnell berühmt werden. Sie verfolgen die Karriere der Youtube-Stars, die scheinbar mühelos viel Geld verdienen. Die Musikbranche ist ein spannendes Arbeitsfeld und bietet vielen Menschen Chancen, ihre Talente und Fähigkeiten auszuleben. Wir haben deshalb mit einigen Experten und vor allem Musikern gesprochen, um die Realität im Musikbereich abzubilden. Auf dieser und den folgenden Seiten gibt es Zahlen, Fakten, Interviews und Reportagen, Einblicke hinter die Kulissen und einen Überblick über verschiedene Berufe in der Musikbranche.

Ein Fakt ist: Deutschland ist eine Musiknation. Schätzungen zufolge musiziert etwa jeder fünfte Deutsche regelmäßig in der Freizeit – insgesamt sind es 14 Millionen Menschen. Der Talentpool ist also groß. Aber wer schafft es wirklich, mit Musik Geld zu verdienen? Während das deutsche Musikbusiness 2017 mehr als elf Milliarden Euro erwirtschaftet hat, haben Musiker im Schnitt ein Jahreseinkommen von weniger als 14 199 Euro erzielt. Nur etwa 600 der erfassten Urheber bei der Künstlersozialkasse haben mehr als 100 000 Euro im Jahr verdient.

„In der Musikbranche zu sein heißt nicht automatisch Erfolg zu haben“, relativiert Bernd Schweinar, Geschäftsführer des Verbandes für Popkultur in Bayern e.V. (VPBy). Nur fünf Prozent aller Musikveröffentlichungen generierten Gewinn, zehn bis 15 Prozent deckten die Kosten. „Gut 80 Prozent aller Veröffentlichungen der Labels sind Draufzahlgeschäfte, das ist auch die Realität der aktiven Musiker“, sagt er. Geld werde heute vor allem durch Konzertauftritte und Merchandising verdient. „Früher galt der Spruch, dass ein Musiker immer auch ein guter Taxifahrer sein müsse – daran hat sich kaum etwas geändert. Nur haben sich andere Berufsbilder hinzu addiert, zum Beispiel Musiklehrer oder Mitglied in einer Coverband“, sagt Schweinar.

Die Konkurrenz ist durch das Internet härter geworden: Denn jeder kann seine Musik online stellen und auf Erfolg warten. „Der Markt ist unberechenbar. Dass es immer wieder Newcomer gibt, die ihre Nische finden und Erfolg haben, ist das spannende an der Branche“, so der Experte. Das Publikum entscheidet über den Erfolg – und dessen Geschmack ist sehr wechselhaft geworden. Wenn jemand seinen Berufsweg im Musikbereich sieht, muss er also hart arbeiten. „Eine Schülerband, die sich am Markt behaupten will, muss sich dem Wettbewerb stellen und für einen Veranstalter so interessant werden, dass er sie bucht“, erklärt Schweinar. Sein Verband fördert seit zehn Jahren bayerische Bands und Interpreten – rund 100 000 Euro stehen jährlich zur Verfügung.

Dafür kauft der Verband Bands in Clubshows, Festivals oder Tourneen durch Europa ein oder präsentiert sie bei nationalen und internationalen Showcase-Festivals. Allerdings können sich Musiker nicht selbst für das Projekt bewerben, sondern müssen von Clubbookern, Popkulturbeauftragten oder Musikjournalisten vorgeschlagen werden. Eine Fachjury wählt zehn bis 15 Bands, die zwei bis drei Jahre das Programm durchlaufen.

Aber auch ohne Unterstützung kann man professioneller Musiker werden, dann halt auf die „harte Tour“ – spielen, besser werden, Publikum generieren. Ohne Bookingagentur, Plattenfirma oder Musikverlag im Hintergrund dauert es oft zwar länger, dafür bleiben alle Einnahmen beim Musiker oder der Band und müssen nicht geteilt werden. „So lange ein Musiker das selbst gut auf die Reihe bringt, ist es ertragreicher, möglichst viel selbst zu machen“, erklärt Schweinar. Unerlässlich seien dabei Netzwerke und Kontakte, die man aufbauen und pflegen muss. „Das dürfte sogar wichtiger sein, als das handwerkliche Können auf dem Instrument. Hier unterscheidet sich der Popkultursektor eminent von der Hochkultur oder dem Jazz“, so der Experte. Besonders wichtig sind Netzwerke für Frauen, die bis heute in der Musikbranche deutlich unterrepräsentiert sind. „Es gibt viel zu wenige Frauen – und das seit langem“, so Schweinar. Bei den meisten Festivals liegt der Frauenanteil bei unter acht Prozent. Aber es gibt Hoffnung:

Die Musikerinnen vernetzen sich und haben vor kurzem mit www.musicbywomen.de ein eigenes Netzwerk geschaffen, um einander zu pushen und in der Öffentlichkeit präsenter zu werden. Kleine Erfolge gibt es schon heute: In der Musikakademie Alteglofsheim, wo auch der Verband für Popkultur in Bayern sitzt, ist seit Jahren ein Drittel der Teilnehmer beim Wacken-Bandcamp Frauen. „Das macht Hoffnung!“, sagt Schweinar.

Weitere Infos gibt es auf www.by-on.net