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Daniel Schieferdecker teleschau - der mediendienst
11. Januar 2020

Neue Freiheit

Erstmals mit Texten auf Deutsch: Smile and Burn aus Berlin läuten mit „Morgen anders“ lautstark das neue Punk-Jahr ein.

Frischer Punk-Wind aus Berlin: Smile and Burn singen ab sofort auf Deutsch. Foto: Hannes Meier / Mjuboys

Regensburg. „Morgen anders“ lautet der Titel des neuen Smile-and-Burn-Albums, und damit hat die Band nicht nur die Ausrichtung der Platte zusammengefasst, sondern auch ihre eigene Geschichte. Die Berliner mussten zuletzt personaltechnisch Federn lassen und sind inzwischen zum Trio geschrumpft, aber auch in künstlerischer Hinsicht haben Philipp Müller, Fabian „Wolli“ Wollert und Sören Frey sich ein bisschen neu erfunden und nach zwölf Jahren Bandgeschichte einen weitreichenden Entschluss gefasst: von nun an auf Deutsch zu singen.

Und man darf festhalten: Das steht den junggebliebenen Punks ganz hervorragend zu Gesicht. Sicher, weitere Auftritte außerhalb des Landes wird dieser Umstand aufgrund der nun aufkommenden Sprachbarriere womöglich erschweren. Dafür erspielen Smile and Burn sich nun hierzulande sicherlich ein Mehr an Zugänglich- und Greifbarkeit - es hat eben alles ein Für und Wider.

„Niemals gibt der Misserfolg uns recht“

Doch letztlich geht es ja immer um das finale und nun in Albumform vorliegende Endergebnis, und da darf man zur Erleichterung alter Fans festhalten: Die Neuausrichtung und das Heraustreten aus der Komfortzone haben der Band gutgetan. Man hört den neuen Songs den frischen Wind der Veränderung an, der sich eben nicht wie ein laues Lüftchen anfühlt, sondern tatsächlich wie ein heranrauschender Orkan.

Treffender Titel: "Morgen anders" dokumentiert die Weiterentwicklung der Berliner Punk-Band Smile and Burn.

„Morgen anders“ beinhaltet lupenreine Punkpeitschen wie den Song „Weinschorle“, auf dem das Trio mit rigoros bearbeiteten Gitarren auf Highspeed durch den Track brettert, während Phil Müller sich seine verdammte Seele aus dem Hals schreit: „Ich war noch nie so frei!“ Man glaubt ihm jedes bluttriefende Wort. Es gibt aber auch Sozialkritisches wie „Zünde mich an“, ein zynisches Punk-Pamphlet, das sich direkt und ungeschönt gegen die an Oberflächlichkeit kaum noch zu überbietenden Auswüchse der heutigen Hochglanzgesellschaft richtet.

Mit dem Stück „Mit allem falsch“ waren Smile and Burn sogar clever genug, für ein mögliches künstlerischen Scheitern aufgrund ihrer Neuausrichtung eine „Vorsichtshalber“-Hymne zu schreiben, auf die sie sich im Zweifelsfall hätten berufen und sagen können: „Hört doch: Das haben wir einkalkuliert.“ Doch „Morgen anders“ ist mitnichten ein Album des Scheiterns, im Gegenteil: Die Platte ist die gelungene Weiterentwicklung einer gestandenen Band. Wie singt die Gruppe doch selbst: „Niemals gibt der Misserfolg uns recht“.

Daniel Schieferdecker teleschau - der mediendienst