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Titelfoto: Maria Stich
09. November 2017

Neues aus der Danz

Seit fünf Jahren läuft das Haus an der Danziger Freiheit als selbstverwaltetes Wohnprojekt – und funktioniert trotz aller Hindernisse. Jetzt planen die Bewohner Projekte mit anderen Regensburger Verbänden.

Roman und Brip (v. li.) sind zwei der aktuell zehn Bewohner.

Regensburg. Eigentlich sind sie eine ganz normale WG: Jeder wohnt in seinem eigenen Zimmer. Küche, Wohnzimmer und anfallende Hausarbeiten werden geteilt, man unternimmt etwas zusammen, kocht gemeinsam. Einen wichtigen Unterschied gibt es allerdings zwischen einer normalen WG und dem Haus an der Danziger Freiheit 5: Die zehn Bewohner sind nicht nur Mieter, sondern gleichzeitig ihre eigenen Vermieter.

Schon seit über 40 Jahren wird das ehemalige Ärztehaus als WG genutzt und wurde so manches Mal als Regensburgs einzige Kommune bezeichnet. Als 2010 der Verkauf drohte, überlegten Bewohner und Besitzer gemeinsam, was es für Alternativen gibt. 2012 konnte das Haus dann mit Hilfe vom Mietshäuser Syndikat – einem Verbund, der alternative Hausprojekte finanziell und ideell mit viel Know How unterstützt – von den Bewohnern selbst gekauft werden. „Damit wurde das Haus dem spekulativen Markt entzogen“, erklärt Roman, der seit März diesen Jahres in der Danz wohnt. Das heißt: Es kann nicht mehr anderweitig verkauft werden und ist gleichzeitig auch nicht das persönliche Eigentum der Bewohner. Einerseits sind die Mieten stabil und relativ günstig. Andererseits sollte sich jeder, der dort einzieht, bewusst sein, dass man sich wirklich um alles selbst kümmern muss. „Seit fünf Jahren läuft unser Haus schon als selbstverwaltetes Projekt. Es funktioniert. Das spricht für uns“, freut sich Brip. Insgesamt gibt es knapp 130 Projekte im Mietshäuser Syndikat in ganz Deutschland – in Bayern nur vier.

Einmal die Woche setzen sich alle Mitbewohner der Danz im großen Gemeinschaftsraum unter dem Dach zusammen an den großen Holztisch. Dann wird alles Wichtige besprochen, diskutiert und nach dem Konsensprinzip entschieden: Was muss repariert werden? Steht etwas Besonderes an? Welche Rechnungen sind zu bezahlen? Geld für die laufenden Kosten kommt neben den Mieten von einem Bankkredit und viel wichtiger von Direktkrediten – sprich von Krediten durch Privatpersonen mit niedrigen Zinsen. „Einmal hat uns jemand aus Hamburg, die niemand von uns kannte, einen Direktkredit gegeben. Einfach, weil sie von dem Projekt begeistert war“, erzählt Brip. Aktuell steht eine große Dachsanierung, für deren Finanzierung die WG noch Unterstützer sucht, im Vordergrund. Ansonsten erledigen die Danzler, wo es geht, kleine Reparaturen und Umbauten selbst.

Die Bewohner sind bunt gemischt, Männer und Frauen, manche sind Studenten, andere arbeiten. Momentan wohnen auch zwei Hunde in der Danz, früher gab es mal Katzen und Hühner. Das Durchschnittsalter, sagt Brip, sei mittlerweile höher als früher, die Leute wohnen länger in der Danz. Ansonsten ist es ein wenig ruhiger geworden. Dafür stehen andere Projekte an: Mit der in diesem Jahr gegründeten Arbeitsgemeinschaft Wohnungsnot will die Danz auf die angespannte Situation in Regensburg aufmerksam machen. Weitere Mitglieder der AG sind unter anderem Campus Asyl, die Caritas, der Donaustrudel und der Verein Irren ist menschlich. Zusammen mit Recht auf Stadt ist außerdem ein Bürgerbegehren geplant.

Für Freitag, 10. November ist ab 14 Uhr eine gemeinsame Kundgebung am Neupfarrplatz geplant. Bei Kaffee und Kuchen und der ein oder anderen Überraschung kann man sich dort bei den verschiedenen Organisationen Infos rund um das Thema Wohnungsnot holen. Wer sich für alternative Wohnkonzepte interessiert, findet dort auch den ein oder anderen Danzler als Gesprächspartner.