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08. Mai 2019

Raumnot macht kreativ

Der Kunstverein Graz sucht noch immer nach einer neuen Bleibe.

Der neue Vorstand: zweiter Vorsitzender Vincent Pollak, erster Vorsitzender Jörg Haala, Schatzmeisterin Barbara Gaukler und Schriftführerin Nicola Sommer (v. li.) Foto: Renate Christin

Regensburg. Im August letzten Jahres musste er seine Räume in der Schäffnerstraße verlassen. Seitdem ist der Kunstverein Graz auf der Suche nach einer neuen Heimat. Dass sie bisher nichts gefunden haben, sei vor allem eine finanzielle Frage, erklärt Jörg Haala, der im Februar Albert Plank als ersten Vorsitzenden des Vereins abgelöst hat. Leerstände gibt es in der Altstadt zwar genügend, die Mieten sind dort aber meist nicht dauerhaft tragbar oder die Räume nicht für die Arbeit des Vereins geeignet. Die Kosten wie auf dem alten Areal durch die Vermietung von Ateliers wieder gut zu machen, funktioniere so heute auch nicht mehr. Für die ungefähr zehn aktiven Mitglieder und vor allem den neu gewählten Vorstand allerdings kein Grund, den Kopf in den Sand zu stecken.

Kunst auf der Straße

„Zwar war unsere Arbeit in den letzten Monaten doppelt so anstrengend wie sonst. Zum normalen Ausstellungsbetrieb kam ja die Suche dazu“, gibt Haala zu. „Aber wir sind ein eingeschworener Kern, der gut zusammenarbeitet. Und wir sind einfach dankbar, dass die Unterstützer des Vereins uns weiter die Stange halten, obwohl so viel im Umbruch ist.“ Auch befreundete Kunstvereine hätten Graz bei ihren Planungen im Hinterkopf. So konnte der Kunstverein zwischenzeitlich zum Beispiel die Sigismundkapelle und den Neuen Kunstverein für seine Ausstellungen nutzen.

Die neue Vorstandschaft hat sich zum Ziel gesetzt, sich verstärkt um die Raumfrage zu kümmern. Gleichzeitig planen die vier neue Projekte – die ganz ohne geschlossene Räume auskommen sollen. „Wenn wir kein Zuhause haben, nutzen wir hald die Straße“, verrät Haala, der neben seinem Job als Sozialpädagoge seit Jahren ehrenamtlich im Verein aktiv ist. Die Voraussetzungen dafür sind nicht schlecht, schließlich stammen er sowie die beiden Studenten Nicola Sommer und Vincent Pollak selbst aus der Streetart-Szene. Konkrete Termine stehen noch nicht fest, aber im Sommer soll es einen Art Walk, also einen Kunstspaziergang, durch Regensburg geben. Dabei wollen sie Schaufenster nutzen, lebende Leinwände in der Stadt platzieren und Kunst auf Wände projizieren.

Kein Dauerzustand

Aus einer unerwünschten Situation kann also durchaus neue Kunst und Unerwartetes entstehen. „Hätten wir noch unsere alten Räume, wären wir für solche Ideen wahrscheinlich zu satt und bequem“, sagt Haala. Ein Dauerzustand soll die Heimatlosigkeit des Vereins trotzdem nicht bleiben. Für Angebote von Privatpersonen und Firmen, die geeignete Räume zu vermieten haben, sind die Mitglieder deshalb immer dankbar – sei es eine Industriebrache, ehemalige Autohäuser, Tankstellen, Gaststätten oder ein Wohnhaus im Stadtgebiet. Bevorzugt seien Immobilien ab 80 Quadratmetern mit mehreren Räumen für Ausstellungen, Ateliers und Büros, die langfristig für mindestens vier Jahre genutzt werden können. „Das ist aber alles verhandelbar“, erklärt Haala.

Anregungen und Angebote zu möglichen Immobilien können an info@kunstvereingraz.de geschickt werden.