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19. April 2019

Reiser, Roadtrip, Revolution

In „Die letzte Sau“ stürzt sich Bauer Huber in eine Schlacht gegen Tierfabriken. Zu sehen derzeit im Stadttheater Regensburg.

Hat nichts mehr zu verlieren: Bauer Huber (Jonas Hackmann) zieht Richtung Berlin und befreit auf seinem Weg unzählige Tiere aus Mastbetrieben. Foto: Martin Kaufhold

Regensburg. Ein Bauer, der mit einem Schwein im Beiwagen seines Motorrads Richtung Brandenburg fährt – im ersten Moment klingt „Die letzte Sau“ nur nach einer absurden Komödie. Doch das Stück, das Julia Prechsl nach dem gleichnamigen Film von Aron Lehmann für das Theater Regensburg inszeniert hat, ist viel mehr.

Es ist ein Roadmovie, eine Utopie, ein Märchen über eine aussichtslose Revolution.

Bauer Huber (Jonas Hackmann) hat alles verloren: Seine Freundin Birgit (Verena Maria Bauer), die den Betrieb ihres Vaters übernehmen muss; seinen engen Freund, den Schlachter Willi (Gerhard Hermann), der Selbstmord begangen hat; und seinen sowieso finanziell schon ruinierten Hof, der nicht mit den großen Schweinemastbetrieben konkurrieren kann. Einzig eine letzte Sau ist ihm geblieben – mit ihr begibt er sich auf eine abenteuerliche Reise zu Birgit, bei der er skurrile, aber im Herzen gute Persönlichkeiten trifft, die ebenso ihren Platz in der Welt verloren haben wie er. Mit seinem zum Kampfschrei gewordenen Motto „So geht’s nicht weiter!“, das sowohl seine persönliche als auch die Situation in der Viehzucht meint, zettelt er unterwegs unbewusst eine regelrechte Revolution an und hinterlässt eine Spur der Verwüstung.

Unangenehm berührt

Es passiert viel auf der wandelbaren Bühne (Gestaltung: Valentin Baumeister), die das Theater in eine Filmkulisse mit starker atmosphärischer Wirkung verwandelt und auf der am Ende ein regelrechter Saustall herrscht: Es wird getobt, geschrien, geklettert, geschossen. Gleichzeitig herrscht oft längeres Schweigen, das unangenehm berührt. Huber ist kein Mann der großen Worte, seine Gefühle drückt er eher über Körpersprache und Mimik aus. Florian Burgmayr und Fiete Wachholtz bringen mit eigenen Kompositionen sowie Material von TonSteineScherben und Rio Reiser die Gedanken des Bauern weiter zum Ausdruck, alles in urbayerischer Besetzung mit Tuba, Schlagzeug und Akkordeon.

Das ganze Ensemble singt die Revoluzzer-Lieder, in denen eine gewisse Aufbruchsstimmung mitschwingt, mit. Gleichzeitig geben sie als Chor aus Erzählern immer wieder nüchterne Fakten zur Massentierhaltung und dem Schlachtprozess wieder. Das Stück zielt dabei nicht direkt oder belehrend darauf ab, das Publikum zum Vegetarismus zu bekehren. Denn auch wenn der Bauer anfängt, Tiere zu befreien und Mastbetriebe anzuzünden, liegt der Fokus mehr auf seinem persönlichen Leidensweg und seiner Suche.

Bis es wehtut

Ja, „Die letzte Sau“ ist eine Komödie, die stellenweise sogar Züge von Slapstick annimmt. Oft ist sie aber auch unangenehm, bisweilen sogar schockierend – manchmal muss es eben wehtun, denn nur dadurch verändert sich etwas und nur so geht’s weiter.

Die nächsten Vorstellungen sind am 24., 26. und 30. April jeweils um 19.30 Uhr. Alle weiteren Termine finden sich auf www.theater-regensburg.de.