Selbstbestimmt leben in der Danz

Zehn Menschen haben in der Danziger Freiheit, der Danz, ihr Zuhause gefunden und zeigen, dass Wohnen basisdemokratisch funktionieren kann.

Das Haus in der Danziger Freiheit wird komplett selbst verwaltet.

Seit 43 Jahren existiert in der Konradsiedlung ein Wohnprojekt, das in Regensburg seinesgleichen sucht – die Danz. Ein ehemaliges Ärztehaus in der Danziger Freiheit 5 wurde zu einer Wohngemeinschaft umfunktioniert, in der heute zehn Menschen im Alter von 21 bis 31 Jahren leben. Angefangen hatte alles in den 70er-Jahren, als das Haus von Hippies gemietet wurde. Und die blieben.

Die Danz entwickelte sich zu einem alternativen und freien Raum für Konzerte und Veranstaltungen. In den 80er-Jahren nutzte die Antiatomkraftbewegung die Danz als Nachtlager. „Alle möglichen Menschen haben hier schon gewohnt“, sagt Danz-Bewohner Dennis. Und auch heute ist die Danz Anlaufstelle für alle, die dem gewöhnlichen, bürgerlichen Leben ein Stück weit entfliehen wollen. Ein gemeinsames, günstiges, selbstbestimmtes Leben sei das, was die Generationen, die die Danz seit ihrem Bestehen gesehen hat, verbindet. Dabei hatte die Danz seit ihrer Gründung immer wieder mit Problemen zu kämpfen. 2010 erreichte die Bewohner sogar die Nachricht, dass das Haus verkauft werden solle.

Der Kauf der Danz zusammen mit dem sogenannten Mietshäuser Syndikat war die Rettung, um den Lebensraum der Danzer zu bewahren. Das Mietshäuser Syndikat entstand in Freiburg aus dem Verein „Mietshäuser in Selbstorganisation“ und hat sich zum Ziel gemacht, Gebäude dauerhaft dem Immobilienmarkt zu entziehen. Ist man Mitglied im Verein des Mietshäuser Syndikats, entscheidet eine mehrmals im Jahr stattfindende Mitgliederversammlung über einen Beteiligungsbeschluss – also eine finanzielle Beteiligung durch das Mietshäuser Syndikat. Nach zwei Jahren voller Kostenkalkulierung, finanzieller Unterstützungsgesuche und bürokratischer Hürden konnte am 27. Februar 2012 der Kaufvertrag unterzeichnet werden.

Die Danz gehört sich seitdem zwar selbst, hat aber auch eine große Verantwortung zu tragen. „Mit dem Kaufen ist es nicht getan, man muss sich auch um das Haus kümmern“, sagt Mitbewohner Lennart. Gerade würden die Badewannen ausgewechselt, vorher war die Decke dran. Die meisten Renovierungsarbeiten versuchen die Danz-Bewohner selbst zu bewerkstelligen. Auf dem Grundstück haben sie einen großen Vorrat an Werkzeug und viel Platz zum Anbau von Gemüse. Im Keller ist sogar ein Probenraum, den die befreundete Band Balcony Time nutzt. Einmal pro Woche findet eine WG-Sitzung statt, auf der alle Probleme, Ideen und Vorschläge diskutiert werden. Dabei gilt immer das Konsensprinzip. „Egal, um was es geht, es wird immer solange darüber gesprochen, bis alle einverstanden sind“, erzählt Lennart. Basisdemokratie wird hier noch gelebt und scheint zu funktionieren. „Das Grundgefühl ist gut,“ so Lennart. Es sei immer ein starkes Miteinander, nicht nur ein Nebeneinander. Kann jemand die Miete, die sich bei etwa 250 Euro pro Zimmer bewegt, aufgrund finanzieller Engpässe in einem Monat nicht zahlen, wird gemeinsam versucht, eine Lösung zu finden, sagen die Bewohner.

Was in Bayern noch eine wahre Rarität ist, ist in vielen anderen Bundesländern schon gang und gäbe. Bundesweit gibt es mehr als 80 Hausprojekte- und Initiativen des Mietshäuser Syndikats. Die Danz will dabei auch Vorbild und Motivation für andere sein, die eigenen Wohnverhältnisse zu hinterfragen.

Um ihre Offenheit nach außen zu leben, veranstaltet die Danz jeden Dienstag eine vegane Küche. Wer will, kann ab 18 Uhr zum gemeinsamen Kochen und Essen vorbei kommen. Wer mehr über das Mietshäuser Syndikat und die Danz erfahren will, ist am 14. September ab 17 Uhr zum Regionaltreffen der Bayerischen Hausprojekte und Initiativen des Mietshäuser Syndikats in die Danz eingeladen.

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