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Veronika Königer
10. April 2019

Selbstgemachtes Wunderland

In der Binary Kitchen in Regensburg treffen sich Tüftler und Bastler, um allerlei Dinge selbst zu machen

Ein Teilnehmer des Lötworkshops ist eifrig bei der Sache. Foto: Timo Schindler

Regensburg. Binary Kitchen klingt erst einmal nach Kochen. Das führt aber auf die falsche Fährte: Dahinter verbirgt sich ein sogenannter Hackspace, ein Ort, an dem sich Hacker und technologisch, handwerklich oder allgemein wissenschaftlich interessierte Leute treffen, um sich auszutauschen und an verschiedenen Projekten zu arbeiten.

Die schwere Glastür zu den Räumen der Binary Kitchen in der Walderdorffstraße 13b kann von jedem Mitglied per App auf- und zugeschlossen werden. Wer es schafft, sie aufzustoßen, kommt in einen gemütlichen Aufenthaltsraum mit vielen Sofas – und weiß gar nicht, wo er zuerst hinsehen soll. Zu der Grinsekatze aus Alice im Wunderland aus dem 3D-Drucker? Dem alten Telefon, das voll funktionstüchtig ist? Den Lötarbeiten und Drucken an der Wand? Den selbstgebauten Hockern aus Holz, die gleichzeitig auch Tisch und Regal sein können? Hier gibt es so viele selbst gemachte Basteleien, dass man von den Eindrücken ganz überwältigt wird. Vergleichsweise normal wirkt die gut ausgestattete Küche, die an den Raum angrenzt – deren Hängeschränke aber auch mit Dekotape kreativ verziert sind.

Die Treppe hinunter geht es entlang einer selbstgebauten bunten LED-Leiste mit steuerbaren Lichteffekten und einer riesigen Ampel, die einmal anzeigen soll, ob die Toilette besetzt ist, in den Keller. Dort befindet sich ein Labor mit viel Technik: ein 3D-Drucker hinter Glas, einige Rechner, und viel Zubehör, einiges davon in persönlichen Kisten der Mitglieder. Dass nicht immer alles klappt, was man sich so vornimmt, zeigt die „Frustwand“: „Hier hängen wir technische Dinge auf, die uns geärgert haben!“, erklärt Katharina Grassler, eines der Mitglieder. Im Keller gibt es außerdem einen selbst gebauten Spielautomaten, einen selbst umgebauten Getränkeautomaten und anschließend ans Getränkelager auch den „Funkerbunker“. Der kleine Raum ist erst bei der Renovierung 2017 entdeckt und für den Amateurfunk eingerichtet worden. Auch die Toilette befindet sich hier unten – mit einem Bildschirm in der Kabine, der fortlaufend nervige Videos zeigt, damit man sich nicht zu lange Zeit lässt.

Für eher handwerkliche Basteleien gibt es auf der gegenüberliegenden Seite eine Werkstatt, in der vor allem mit Holz gearbeitet wird. Hier findet sich neben vielen Werkzeugen auch eine Fräse – komplett selbst gebaut, teils mit Teilen aus dem 3D-Drucker, und sowohl per Hand als auch über den Computer steuerbar. Außerdem ist hier eine Dunkelkammer mit verschiedenfarbigem Licht und einem Schweißgerät, die zum Beispiel für Siebdruck genutzt wird.

Die Binary Kitchen wird von einem Verein getragen, in dem die meisten der Tüftler Mitglied sind. Das ist aber nicht zwingend notwendig: Interessierte können immer montags ab 19 Uhr vorbei schauen, jeden ersten Samstag im Monat ist die Werkstatt für alle frei benutzbar. Außerdem gibt es ein Repaircafé, in dem Mitglieder Hilfe zur Selbsthilfe anbieten, um kaputte Gegenstände jeder Art wieder zum Funktionieren zu bringen. Es werden auch immer wieder Workshops veranstaltet, darunter vor allem zum Löten, in denen oft selbst erfundene Nibble-Klammern, leuchtende Wäscheklammern, hergestellt werden. Zudem ist die Binary Kitchen dieses Jahr bei „Nacht.Schafft.Wissen“am 12. April dabei – falls ihr also neugierig geworden seid, habt ihr viele Gelegenheiten, den Hackspace live kennenzulernen!

Weitere Infos gibt’s auf der Homepage der Binary Kitchen: https://www.binary-kitchen.de/wiki/doku.php.

Veronika Königer