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Titelfoto: Maria Stich
02. Februar 2018

Spannung von Kopf bis Fuß

Eigentlich konnte unsere Redakteurin Maria Stich nie etwas mit Ballett anfangen. Für kult hat sie jetzt aber das sogenannte Barre Workout ausprobiert, eine Mischung aus Ballett und Pilates.

Wer kriegt das Bein am höchsten? Kursleiter Michi zeigt, wie’s geht.

Regensburg. Barre kommt aus dem Französischen und bedeutet Stange – beim Barre Workout trainiert man im Gegensatz zum Poledance aber an einer horizontalen, der Ballettstange. Models und Schauspieler schwören angeblich auf dieses effiziente Ganzkörpertraining. Schon nach wenigen Trainingseinheiten sollen sich die Haltung verbessern und Veränderungen an Bauch, Beinen und Po bemerkbar werden. Auch wenn Begriffe und Fußstellungen teilweise aus dem Ballett stammen, fließen in das Training mindestens genauso viele Elemente aus Pilates und Yoga ein. Neben der Ballettstange kommen Hilfsmittel wie Gewichte oder Yogagurte zum Einsatz. Bei den einzelnen Übungen geht es vor allem darum, die Spannung von den Zehenspitzen bis zum Haaransatz zu halten und die Körpermitte zu stärken.

Als erstes probiere ich das Angebot des Hochschulsports aus. Wenn man einen Sportausweis hat, darf man hier während des Semesters ohne Anmeldung jeden Freitag mittrainieren. Während unser Kursleiter Michi sich selbst und sein Handy verkabelt, holt sich jeder eine Matte, zwei kleine Gewichte und einen halben Tennisball. Eine Gruppe von ungefähr 20 Frauen verteilt sich auf beiden Seiten an den Wänden, Michi steht an einer eigenen Stange in der Mitte der Halle, damit ihn alle sehen können. Und los geht’s mit Aufwärmen zur Musik: Fersen vom Boden anheben, absetzen, anheben, absetzen. Das spürt man sofort im ganzen Bein, vor allem aber in den Waden. In der restlichen Stunde wechseln sich Dehn- und Kräftigungsübungen an der Stange, auf der Matte und mit den Gewichten ab.

Demi-plié, zweite Position, Spielbein – ich habe als Kind nie Ballett getanzt und auch, wenn ich diese Begriffe alle schon einmal gehört habe, weiß ich durch sie nicht, was ich mit meinen Füßen, Armen, dem Oberkörper anstellen soll. Ein Blick zu Michi oder den anderen Kursteilnehmern hilft: Demi-plié ist vereinfacht gesagt eine halbtiefe Kniebeuge. Die zweite Position bedeutet, dass die Füße dabei weiter als hüftbreit auseinander stehen, die Fußspitzen zeigen schräg nach außen. Und das Spielbein ist scheinbar einfach das Bein, das aktuell nicht am Boden steht. Das Spielbein darf wippen, schwingen, wackeln, bis auch der letzte Muskel erschöpft ist. Als nächstes kommt der halbe Tennisball zum Einsatz: Unter die Ferse gelegt, rutscht diese leichter zur Seite oder nach vorne und man kann den Oberschenkel so richtig schön bis an die Schmerzgrenze dehnen. „Noch eine Minute“, sagt Michi, obwohl mein Bein schon jetzt wieder zittert. „Noch drei Sekunden … zwei … eins“ – die Erlösung! Nach ein paar Übungen für die Bauchmuskeln dimmt Michi das Licht und wir dürfen uns und unsere Muskeln auf dem Rücken liegend einfach entspannen. Einen Tag später werde ich mit einem ungewohnten Muskelkater irgendwo zwischen Po und unterem Rücken belohnt.

Knapp eine Woche später – der Muskelkater hat zum Glück nachgelassen – schaue ich für ein zweites Training an der Volkshochschule (VHS) der Stadt Regensburg im Thon-Dittmer-Palais vorbei, wo Barbara Klobouk jeden Donnerstag ebenfalls Barre Workout unterrichtet. Das Semester ist schon fast vorbei, die Teilnehmerinnen (ja, wieder haben nur Frauen mitgemacht) kennen die Übungen und den groben Ablauf mittlerweile gut, so dass Barbara Klobouk nicht mehr viel erklären muss. Zwar benutzen wir auch hier eine Matte und Gewichte, doch schnell merke ich: Barre ist nicht Barre. Die Übungen an der Stange ähneln denen im Hochschulsport, aber das Drumherum und die anderen Übungen können sich von Lehrer zu Lehrer unterscheiden. Nach ein paar Aufwärm- und Lockerungsübungen wird ein Bereich nach dem anderen gestärkt und gedehnt. Als wir im Plie wippen, kommt Barbara Klobouk ab und zu vorbei und korrigiert meine Haltung. Aufrechter Oberkörper, Hüfte einrollen – gar nicht so leicht, wenn man sich schon, so lange man denken kann, mit einem leichten Hohlkreuz herumschlägt. Abwechslungsreiche Übungen und motivierender Pop und Electro lassen die Stunde trotzdem wie im Nu vergehen. Am besten fand ich persönlich den sogenannten Thigh Dance (englisch für Oberschenkel-Tanz): Dabei kniet man auf dem Boden und tanzt einfach frei Schnauze mit dem Oberkörper nach unten und oben, nach links und rechts – macht wahnsinnig viel Spaß, ist aber auch wahnsinnig anstrengend. Am Ende verlässt man die VHS zwar erschöpft, aber mit einem zufriedenen Gefühl.

Insgesamt muss man keine Erfahrungen im Ballett-Tanzen mitbringen, um Spaß am Barre Workout zu haben. Und tatsächlich fühlt man sich schon nach einmaligem Training ein bisschen aufrechter. Abgesehen von den Kursgebühren (oder den Gebühren für den Sportausweis) fallen keine zusätzlichen Kosten für eine spezielle Ausrüstung oder Ähnliches an. Trainiert wird in normaler Sportkleidung und barfuß oder in Socken.