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Titelfoto: Dany Tettamanti
02. Februar 2015

Stuntshow auf dem Trial-Bike

Andi Schuster ist professioneller Bike-Trial-Fahrer. Mit seinem Rad macht er atemberaubende Stunts auf Geländern, Stufen und anderen Hindernissen.

Egal ob an der Donau, in der Altstadt oder an der Uni, Andi Schuster nutzt jede Gelegenheit zum Training.Dany Tettamanti

Regensburg. Auf dem Parkplatz steht ein Anhänger mit Hindernissen und Stuntrequisiten. Das Kellerabteil ist voll mit Radteilen und in im Wohnzimmer steht ein Fahrrad. Fahrräder spielen in Andi Schusters Leben eine große Rolle, genauer gesagt Trial-Bikes. Der 27-Jährige ist Bike-Trial-Fahrer und hat sein Hobby mittlerweile zum Beruf gemacht. Zwar hat er eine abgeschlossene Ausbildung zum Versicherungskaufmann und studiert gerade noch Mathe und Physik auf Lehramt, sein Geld verdient der Regensburger aber mit Bike-Stuntshows auf der ganzen Welt. Beim Bike-Trial überwindet der Fahrer Hindernisse mit dem Rad. Eine speziellere Form des Bike-Trials ist der Street-Trial, bei dem man sich urbane Hindernisse wie Geländer oder Treppen aussucht und überwindet. Das pure Überwinden war Andi Schuster aber nicht genug. Er hat den Trial-Sport mit BMX-Elementen erweitert, das heißt: Bevor er das Hindernis überwindet, macht er auf ihm noch ein paar Tricks.

Aber zurück auf Anfang: Bike-Trial ist ja nicht gerade die Sportart, zu der einen die Eltern in frühen Kindesjahren motivieren. Nicht nur, weil sie nicht ganz ungefährlich ist, sondern weil sie auch eher unbekannt ist. Also ist Andi Schusters Weg zum Erfolg von Anfang an durch ein Wort geprägt: Eigeninitiative. 99 Prozent hat er sich selbst beigebracht, sagt er heute. „Als kleiner Junge hab ich jemanden gesehen, der Wheelie fährt – das musste ich gleich selbst auf meinem Rad ausprobieren.“ „Wheelie“ – für alle nicht Bike-Trial-Fachkundigen – nennt sich ein Trick, bei dem man nur auf dem Hinterrad fährt. Übrigens kann man das laut Andi Schuster mit jedem ganz normalen Fahrrad machen, für seine ersten Tricks braucht man also kein teures Trial-Bike. Von da an hat Andi geübt, geübt und geübt, zwischendrin den einen oder anderen Gartenstuhl kaputt gemacht und wieder geübt. „Das Wichtigste ist die Balance!“ Das ist auch der Punkt, an dem viele schon aufgeben, erzählt er. Es kann schon mal ein gutes halbes Jahr dauern, bis man es schafft, ganz ruhig auf einem Punkt stehen zu bleiben.

Mehr und mehr bekam er Kontakt in die Szene und hat Profis getroffen, die ihm Tipps geben haben. Das ist auch eine Sache am Bike-Trial, die dem 27-Jährigen so gefällt: „Da gibt es eine weltweite Community, die zusammenhält.“ Seit gut acht Jahren betreibt er den Sport professionell, machte anfangs immer öfter kleine Shows, zum Beispiel auf Vereinsfesten oder beim Bürgerfest. Als BMW auf ihn aufmerksam wurde, kam der Durchbruch. Gemeinsam mit BMW entwickelte er ein Showprogramm für die Produktpräsentation. Von da an lief es auch mit seinem eigenen Showkonzept richtig gut. In über 450 Ländern, darunter China, den USA oder Ägypten, hüpft er auf Geländer, macht Shows auf der Formel-1-Strecke oder am Strand. Er wird Deutscher und Australischer Bike-Trial-Vizemeister.

Auch in Regensburg kann man Andi beim Trainieren sehen. „Auf dem Uni-Gelände kann man tolle Stunts machen“, erzählt er mit einem Augenzwinkern. Denn so ganz legal ist das nicht. Aber er passe immer extrem gut auf, dass niemand gestört wird oder irgendwas kaputt geht. Er passt aber nicht nur auf, dass keine Gegenstände beschädigt werden, sondern auch, dass sein Körper unversehrt bleibt. Das gelingt ihm meistens. Doch die Krücken, die an seinem Treppengeländer lehnen, zeugen davon, dass es trotzdem kein ungefährlicher Sport ist. Vor einigen Monaten ist er in einer Halfpipe unglücklich gestürzt und hat sich kompliziert das Bein gebrochen, mehrere Operationen hat er schon hinter sich. Ein Grund aufzuhören, ist das für ihn aber nicht: „Es pusht mich noch mehr. Ich weiß es zu schätzen, dass ich gesund bin und gehe selten Risiken ein.“ Damit das Risiko möglichst gering ist, trainiert er täglich – auf dem Bike oder im Fitnessstudio. Denn bei Sprüngen von bis zu 1,5 Metern ist absolute Köperspannung gefragt.

Die Ideen für seine Tricks entstehen dabei ganz spontan. „Ich hüpf auf das eine Hindernis und überleg mir, wie ich als nächstes weitermachen kann.“ Oft entdeckt er auch einfach beim Spaziergehen Hindernisse, die er dann bei Gelegenheit mal mit dem Rad abfährt.

Wer sich Andi Schusters Sport genauer anschauen will, der kann entweder an der Uni nach ihm Ausschau halten, auf Facebook seine Tutorial-Videos anschauen oder ihn einfach kontaktieren. Auf seiner Homepage kann man sich durch Videos und Fotos klicken und seine Shows auch gleich als Komplettpaket mit Moderation, Musik und natürlich einer einzigartigen Bike-Stunt-Show buchen.