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06. August 2019

Traumstrand, Berge und Bunker

Auf der Balkanhalbinsel liegt ein echter Geheimtipp. Albanien gilt als vielseitiges Land mit überaus gastfreundlichen Einwohnern und urigen Traditionen.

Albanien ist ein vielseitiges Land. Dort gibt es Traumstrände und schöne Gebirgszüge. Foto: fotosaga - stock.adobe.com

Regensburg. Wenn es um die Urlaubsplanung geht, steht bei den meisten Albanien wohl nicht an erster Stelle. Ist es da nicht gefährlich? Gibt es da überhaupt etwas zu sehen? Ist das dann eher Strand- oder Wanderurlaub? Diese Fragen sind recht leicht zu beantworten. Gefährlich ist es schon mal nicht, also nicht gefährlicher als sonst irgendwo. Im Gegenteil. Erfahrene Albanienurlauber beschreiben das Land auf der Balkanhalbinsel als überaus gastfreundliches und sicheres Land.

Nach langer Abschottung unter kommunistischer Herrschaft öffnet sich das Land nun für Besucher und ist außerdem EU-Beitrittskandidat. Eine Herausforderung könnte für Reisende allerdings die ausbaufähige Infrastruktur werden. Doch wer es wagt, der entdeckt ganz wunderbare Orte: von idyllischen Städtchen im osmanischen Baustil über verlassene Traumstrände mit türkisblauem Meer und quirligen Hafenstädten bis hin zu naturbelassenen Wanderpfaden in den Albanischen Alpen. Albanien ist vom Einfluss des Massentourismus noch weitgehend unberührt. Man kann die Natur also auf eigene Faust in ihrer Ursprünglichkeit entdecken. Statt Hotelblöcken findet man familiäre Pensionen, statt angepasstem Einheitsessen deftige Hausmannskost. Die Unberührtheit bedeutet aber auch, dass die Straßen entsprechend holprig und die Wegbeschreibungen dürftig sind. Auch die Verständigung ist nicht ganz unkompliziert. Albanisch ist eine relativ komplexe Sprache und Englisch sprechen nur wenige. So kommunizieren Gäste und Einheimische meist mit Händen und Füßen – zum Ziel kommt man damit aber trotzdem und das Eis ist auch schnell gebrochen.

Riviera und Ruinen

In Berat, auch „Stadt der tausend Fenster“ genannt, kann man den osmanischen Baustil bewundern. Foto: milosk50 - stock.adobe.com

Im Südwesten des Landes befindet sich die Albanische Riviera mit ihren vielen noch unverbauten Küsten. Manche Buchten sind nur über einen steinigen Fußmarsch zu erreichen, belohnt wird man dafür mit einem Strand für sich alleine. Klar gibt es auch touristischere Orte wie die Hafenstadt Saranda, von der aus eine Fähre auf die griechische Insel Korfu verkehrt, doch auch die haben ihren Charme. Wer es ruhiger mag, der sucht sich ein Plätzchen rund um die Badeorte Himara oder dem südlichen Ksamil. In der Nähe davon befindet sich auch Butrint. Die antike Ruinenstadt mit Amphitheater ist ein beliebtes Ausflugsziel für Urlauber. Etwas weiter im Inneren des Landes liegt ein weiterer Hotspot: der Bergsee Syri i Kaltër, auch bekannt als „Blaues Auge“. Sehenswert ist ebenso die Stadt Gjirokaster. Mit Burg, Museen und Moscheen, Märkten sowie Cafés ist sie ein wichtiges kulturelles Zentrum Albaniens. Ziemlich mittig im Land kann man zum Beispiel die Stadt Berat besichtigen, die auch „Stadt der tausend Fenster“ genannt wird. Ihr osmanischer Baustil zeugt von Albaniens Vergangenheit – ab Ende des 15. Jahrhunderts stand es für 400 Jahre unter osmanischer Herrschaft.

In der Ruinenstadt Butrint befindet sich ein Amphitheater. Foto: jkraft5 - stock.adobe.com

Im Westen des Landes liegt die Hauptstadt Tirana. Das Wahrzeichen der Stadt ist die Reiterstatue des Nationalhelden Skanderbeg auf dem gleichnamigen Platz. Hier findet man auch die berühmte Et’hem-Bey-Moschee und einen Uhrenturm, der ebenso ein Wahrzeichen der Stadt ist. In Tirana leben Menschen verschiedenster Religionen sehr friedlich zusammen – es hat hier sowohl der sunnitische Großmufti der Muslimischen Gemeinschaft Albaniens seinen Sitz, als auch ein katholischer und ein orthodoxer Erzbischof. Zudem ist Tirana das Weltzentrum des Bektaschi-Ordens. Aufgrund des Religionsverbotes während der kommunistischen Zeit sind viele Albaner aber auch Atheisten.

Einsame Wege mit ungewohnten Anblicken

Wer dem Trubel der Städte entkommen will, der sollte den Norden des Landes erkunden. In den Albanischen Alpen lässt es sich herrlich wandern. Die Wege sind allerdings häufig nicht gut ausgebaut und auch die Verpflegung lässt sich mit Wanderregionen bei uns nicht vergleichen. Die wenigen Menschen aber, die in den Bergen wohnen, sind gastfreundlich und helfen gerne weiter: Auch wenn viele in eher ärmlichen Verhältnissen wohnen, werden Wanderer mit Brotzeiten und selbst gebranntem Raki begrüßt.

Die vielen Bunker zeugen von Albaniens kommunistischer Vergangenheit. Heute sind sie fast zum heimlichen Wahrzeichen geworden. Foto: Ph. Favre-Reguillon - stock.adobe.com

Auf einer Reise durch Albanien begegnet man vielen ungewohnten Dingen. Reisende berichten zum Beispiel von verschlissenen, wettergegerbten Kuscheltieren und Puppen, die an Häusern hängen – ein Szenario wie aus einem Horrorfilm. Und doch ist es lediglich ein albanischer Brauch, solche Tierchen zum Schutz vor dem bösen Blick an der Fassade anzubringen. Und noch etwas mag im ersten Moment befremdlich wirken: die Bunker. Dem Relikt aus kommunistischen Zeiten begegnet man fast überall: an idyllischen Küsten, in Städten, in den Bergen – überall ragen die pilzförmigen Betonbauten empor. Doch heute geht man gelassen damit um. Teilweise werden die Bunker sogar zu Wohn- und Kunstprojekten umfunktioniert und gelten als heimliches Wahrzeichen des Landes.