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Titelfoto: sergign - stock.adobe.com
04. September 2020

Unsere Ferienjobs – Teil 2

Auch wir haben mal klein angefangen und haben uns in den Ferien ein bisschen was dazu verdient. Es folgt Teil 2 von „Womit wir schon unser Geld verdient haben“.

Einer unserer Autoren verteilte Kies am Friedhof, um sich etwas dazuzuverdienen. Aber auch die anderen Kollegen haben noch viele Erinnerungen an ihre Ferienjobs. Foto:sergign - stock.adobe.com

Regensburg. Unsere Autoren waren schon damals fleißig und haben mit verschiedensten Ferienjobs ihr Taschengeld aufgebessert. Ihr habt den ersten Teil unserer Serie verpasst? Dann findet ihr diesen hier.

Rainer Wendl verteilte Kies am Friedhof

Jedes Jahr in den Wochen und Tagen vor Allerheiligen werden Friedhöfe zu den lebendigsten Orten der Stadt. Wir nutzten diesen Umstand, um mit Kies fahren Geld zu verdienen. Und das geht so: Zu einem perfekt gepflegten Grab gehört auch eine aufgefrischte und gleichmäßig verteilte Kiesfläche außenrum. Also streiften wir in Zweierteams jeden Nachmittag mit Schubkarren und Schaufel durch den Friedhof, brachten den Kies auf Wunsch vom Depot zu den Grabpflegern und verteilten die Steinchen ums Grab. Die Höhe der Entlohnung für diese Dienstleistung stellten wir unseren Kunden frei, von zwei bis 20 Mark war alles dabei. In gut zwei Wochen kamen so 400 Mark zusammen – verdammt viel Geld für einen Neuntklässler in den 80-ern!

Robert Torunsky war allein im Museum

Den besten Ferienjob meines Lebens hatte ich am Ende meiner Schulzeit im Vorgeschichtsmuseum in Amberg. Ich arbeitete nur an Wochenenden und in den Ferien. Die Besucheranzahl im „Klösterl“ genannten Gebäude an der Vils war meist überschaubar, sodass reichlich Zeit für Nebenbeschäftigungen blieb. Das Internet stand damals erst in den Startlöchern und an Social Media war noch überhaupt nicht zu denken, deshalb wurde die Arbeitszeit meist sinnvoll genutzt. Als freier Mitarbeiter schrieb ich im Museumsbüro immer die Sportberichte meines Handballvereins und verdiente dadurch quasi doppelt. Auch die Erledigung der Hausaufgaben oder das Vokalbellernen wurden bezahlt und der Besuch von Freunden war ebenfalls jederzeit möglich. Zusammengefasst: Dieser Job war schwer zu toppen.

Katharina schraubte und bekam Muskeln

Eine Firma bei mir auf dem Land bot Ferienjobs für Abiturienten an. Da ich keine Lust auf einen Bürojob hatte, entschied ich mir für die Arbeit in der Montage. Dazu gehörten frühes Aufstehen, das Tragen von seeehr stylischen Sicherheitsschuhen und ein gefüllter Werkzeugkoffer. Der Anfang war harmlos: Ich durfte Stromkästen nach Plan bestücken, verpacken und mit Stickern bekleben (nicht mit den Fingern, sondern einem speziellen Werkzeug). Außerdem lernte ich (mehr oder weniger) mit Paketklebeband, Schraubenzieher und Bohrmaschine umzugehen – mein Spitzname ist Lauch soll an dieser Stelle gesagt sein! Abschließend durfte ich sogar in der Fertigung für Stromkabel arbeiten. Und was soll ich sagen: Statt viel fürs Fitnessstudio auszugeben, habe ich mir nicht nur Geld, sondern auch ein paar Muckis „verdient“. Mein Traumjob war das zwar nicht, aber auf alle Fälle eine wertvolle und außergewöhnliche Erfahrung!

Anna Schätzler polierte Goldränder

Ich komme aus der Nähe von Weiden in der Oberpfalz. Und was verbindet man unter anderem mit dieser Stadt? Richtig: die Porzellan-Firma Seltmann. Und genau da habe ich einmal Ferienjob gemacht. Meine Aufgaben waren hierbei nicht nur das Auspacken von Retouren und das Hin- und Herschlichten von weißem Porzellan zum Verschicken an die Porzellanmaler, sondern auch das Polieren von edlen Goldrändern. Ein absolutes Highlight, wenn man staubige Luft mag. Dabei bekam ich einiges an Geschirr zu sehen – von schön bis nicht ganz so schön. Das hart verdiente Geld reichte dann aber trotzdem nicht für eine Aussteuer.

Christina Ott hat schon viel ausprobiert

Wie wahrscheinlich viele habe auch ich meine Karriere mit Zeitschriftenaustragen begonnen, was ja immerhin im Nachhinein zumindest grob was mit meinem heutigen Beruf zu tun hat. Bei Wind und Wetter durch die Stadtviertel radeln, war allerdings echt kein Zuckerschlecken, sodass ich den Sommer darauf im Biergarten verbracht habe – rein beruflich natürlich! Jetzt würde ich gerne prahlen, wie viele Maßkrüge ich pro Bestellung tragen konnte, aber sagen wir mal so: Zur Wiesenbedienung hätte mein Talent sicher nicht gereicht. Danach hab ich ein paar Jahre an der Kasse eines Supermarkts verbracht. Mein Highlight damals: Zu Weihnachten gab es immer ganze Schweinehälften im Angebot. Für mich als Vegetarier ein Extra-Schmankerl, wenn die übers Kassenband angerollt kamen.

Während des Studiums habe ich nebenbei in einer Modekette gejobbt. Ich wurde oft gefragt, warum meine Schicht da manchmal schon um 7 Uhr begonnen hat, aber einer muss ja die ganzen Klamotten aus den Kisten räumen, liebevoll auf Bügel hängen und schön in den Regalen platzieren, bevor der große Ansturm kommt! Ich finde Ferienjobs sind eine super Sache. Da erarbeitet man sich nicht nur ein bisschen Unabhängigkeit und lernt mit Geld umzugehen, man weiß auch die Vorzüge seines späteren Berufs mehr zu schätzen. Humanere Arbeitszeiten zum Beispiel. Außerdem geht man hier und da vielleicht etwas rücksichtsvoller durch die Welt. Niemand würde eine anprobierte Hose einfach so auf den Kabinenboden pfeffern, wenn er auch einmal derjenige war, der am Ende des Tages alles wieder aufräumen durfte …