Wettlauf gegen die Zeit

Kinokritik: Im neuen Sci-Fi-Kracher „In Time“ rennen Justin Timberlake und Amanda Seyfried um ihr Leben.

"In Time" läuft seit 1. Dezember in den Kinos.

Im Jahr 2161 heißt die internationale Währung „Zeit“. Das Leben wird mit Lebenszeit finanziert. So auch Will Salas (Justin Timberlake), der jeden Tag aufs Neue aufwacht und verzweifelt auf das ablaufende, in seinem Unterarm einprogrammierte Zeitkonto blickt. Genau einen Tag hat er jeden Morgen neu zur Verfügung. Die Uhr tickt.

Bis Will von einem 105-jährigen, dem Leben abtrünnigen, Spieler über 115 Lebensjahre geschenkt bekommt. Von nun an muss er sich vor allerhand Gefahren schützen; allen voran vor den unbestechlichen Time-Keepern, einer Polizisten nachempfundenen Schutzeinheit.

 
 
 
 
 
 

Will gelingt es, mehrere „Zeitzonen“ zu überqueren, künstlich errichte Grenzen, welche qualitativ unterschiedliche Wohn- und Lebensräume voneinander trennen: Vom Ghetto in die Luxus-Suite.

Zeit spielt in den meisten Science-Fiction-Filmen eine immanente Rolle. Schon in Klassikern wie „Blade Runner“ (1982) oder „Die Zeitmaschine“ (1960) versuchen die Protagonisten zeitliche Barrieren zu überwinden oder ihr Leben künstlich zu verlängern. Andrew Niccol („Gattaca“, 1997) bemüht in seinem aktuellen Spielfilm eine relativ klassische Bildsprache, die sich bisweilen stark an den auch eben genannten Vorbildern orientiert. Bis auf die neongrün leuchtende, digitale Lebensuhr, welche die individuellen Lebensrhythmen steuert, kommt sein Werk nüchtern und fast ohne visuelle Effekte aus.

Umso packender ist die klassische Run-and-hide-Story, die auch ihre Figuren oft angenehm ambivalent ausleuchtet. So tut Will seinem Freund leider keinen großen Gefallen, als er ihm zehn Lebensjahre schenkt. Dieser ist maßlos überfordert mit der ihm anvertrauten Zeit: Er säuft sich trotz seines vollen Lebenskontos zu Tode und hinterlässt seine junge Familie allein und arm, ohne brauchbare Zeit. Genau aus diesem Dilemma schöpft „In Time“ seine weiterführende Philosophie, da der allgemeine Zeitmangel der armen Bevölkerung auf die globale Finanzkrise angewendet wird.

Will lernt in der edelsten aller Zeitzonen „New Greenwich“ die wunderschöne Sylvia (Amanda Seyfried) kennen, deren Vater (Vincent Kartheiser) einer der reichsten Menschen im Land ist. Seine Macht ist auf der Armut der Ghettos aufgebaut; als überaus geiziger Geschäftsmann verleiht er Zeit zu horrenden Zinsraten. Will und Sylvia möchten die ihrer Meinung nach ungerecht verteilten Güter umverteilen. Und einmal mehr stellen sich ihnen die Time-Keeper in den Weg…

„In Time“ darf als einer der ambitioniertesten Science-Fiction-Filme dieses Winters gelten, da er in erster Linie durch seine packend umgesetzte Grundidee (nicht nur „Zeit ist Geld“) und weniger durch technische Spielereien überzeugen kann. Dass eine zündende Grundidee der alles entscheidende Baustein für virtuoses Kino sein kann, bewies zuletzt Christopher Nolan mit seiner Nerd-Kathedrale „Inception“ (2010). Sozialkritisch und überaus unterhaltsam reiht sich der Film somit in die gegenwärtige Reihe guter futuristischer Abenteuer ein, die unter anderem von Duncan Jones mit „Moon“ (2008) und „Source Code“ (2010) re-etabliert wurde.

Zeitvertreib.

In den Kinos ab 8. Dezember

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