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25. März 2020

Wie viel Klopapier braucht der Mensch?

Seit Corona hierzulande wütet, scheint Klopapier das höchste Gut der Deutschen zu sein. Ein neues Online-Tool verrät genau, wie lange das „weiße Gold“ noch reicht.

Während die Italiener und Spanier Wein und Kondome hamstern, sind die Deutschen ganz versessen auf mehrlagiges Papier. Verrückte Welt! Foto: andriano_cz - stock.adobe.com

Regensburg. Klauen, Hauen, Hamstern. Der Kampf ums Klopapier treibt immer seltsamere Blüten. Seit die Coronakrise über Europa hinwegfegt, fegt auch der Deutsche – und zwar die Geschäfte leer, damit er nach dem Geschäft genug zu wischen hat. Längst hat Klopapier Kokain als „weißes Gold“ abgelöst. Manch einer bekommt angesichts der ganzen Kackpapier-Käufe sogar ein Platzproblem im Hamsterbau und muss seinen Vorrat auf den Balkon auslagern. Besonders helle ist das nicht, denn wer seinen Reichtum derart dreist zur Schau stellt, läuft Gefahr, Einbrecher auf den Plan zu rufen. Der Schwarzmarkt floriert. Die Bereitschaft, für eine Rolle Klopapier einen Abstecher auf die dunkle Seite unserer Gesetze zu machen, steigt.

Angesichts der gähnenden Leere in der Hygieneabteilung, greift der scheinbar dauerpupsende Hamsterer nun zu drastischen Mitteln: In einem Mannheimer Supermarkt wollte beispielsweise ein Mann vergangenen Mittwoch seinen übermäßigen Zellstoffproduktverbrauch mit den Fäusten durchboxen. Weil ihm zwei Verkäufer aufgrund der aktuellen Schieflage von Mehrlagigem den Kauf mehrerer Packungen Toilettenpapier untersagten, versuchte er, die beiden zu klatschen. Ein weiterer Kunde mischte sich nach Angaben der Polizei ein und trat einem der Verkäufer mit dem Knie gegen die Stirn. In Bremen ereignete sich ein ganz ähnlicher Vorfall. Auch in Regensburg macht die Klopapier-Mafia vor dem Gesetz nicht Halt. Aus dem Warenlager des Café Kaminski klauten kürzlich Unbekannte 69 Rollen Toilettenpapier.

Während in Italien und Spanien Wein gehamstert wird, in Skandinavien Schmerzmittel Hochkonjunktur haben und in Amerika (wie könnte es anders sein) der Waffen- und Munitionsabsatz boomt, bunkert der Deutsche also Klopapier – wenns sein muss, mit Gewalt. Und dann sitzt er da und wartet, bis er endlich wieder kann. Und dann geht er auf den Topf – und freut sich, dass er wischen kann. Und er kann jetzt oft und ausgiebig wischen. Wie oft genau, lässt sich sogar berechnen. Auf got-paper.com können Klopapierhamsterer ihre Wischgewohnheiten bis aufs Blatt genau eingeben und sich vom Algorithmus das genaue Datum ausspucken lassen, wann der heilige Vorrat zu Neige geht. Wir haben nachgerechnet: Im Falle des Balkonstaplers mit seinen 360 Rollen Klopapier – ein Facebook-User hatte sich die Mühe gemacht und nachgezählt – reicht das weiße Gold bei normaler Verdauung noch genau 14,09 Jahre. Herzlichen Glückwunsch dazu.

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