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Titelfoto: DENIS STANKOVIC/s-motive - stock.adobe.com
28. August 2020

Unsere Ferienjobs – Teil 1

Sommerzeit ist Ferienzeit. Viele nutzen die freien Wochen, um bei einem Ferienjob ein bisschen was dazu zu verdienen. Auch unsere Autoren haben schon einiges erlebt.

Wir haben Cocktails gemixt, an medizinischen Studien teilgenommen, gekellnert – und haben dabei diese Erfahrungen gemacht. Foto:DENIS STANKOVIC/s-motive - stock.adobe.com

Regensburg. Es gibt viele ungewöhnliche Ferien- und Aushilfsjobs. Aber was tut man nicht alles, um sein Taschengeld ein bisschen aufzubessern? Auch unsere Redakteure haben schon so einiges mitgemacht.

Jonathan Ederer hatte es nicht so mit ausgefallenen Cocktails

Der Job des Barkeepers hat seine Vorteile. Weibliche Bekanntschaften sind leicht gemacht und bezahlen musste ich für den eigenen Verzehr gar nichts. Leider ist das Bedienen nicht so meins und so fehlte mir von Anfang an die Passion beim Mixen und Bereitstellen der Getränke. Beim Buchstabieren des Cocktail-ABC bin ich dann schon recht zeitig beim Kredenzen eines Appletinis gescheitert. Wobei Kredenzen nicht das passende Wort ist – mein Service beinhaltete nicht einmal den in jener Bar obligatorischen Zuckerrand und auch sonst passte das Verhältnis von Wodka und Martini mit Apfelgeschmack nicht im Ansatz. Kaum hatte der Kunde dann vom Getränk genippt, kam es auch schon wieder zurück zu mir – der Geschmack schien ihn nicht überzeugt zu haben. Als Entschädigung konnte ich dann den von mir perfekt beherrschten Jacky Cola anbieten, der zum Glück recht simpel zu bewerkstelligen ist. Auf den Geschmack gekommen ist der Kunde an diesem Abend nicht mehr, aber mal ehrlich: Wer außer ein Scrubs-Fanatiker bestellt schon einen Appletini?

Oxana Bytschenko war Versuchskaninchen

In meiner Studienzeit habe ich an medizinischen Studien teilgenommen. Bei einer ging es um Krebsforschung, bei der anderen darum, unfruchtbaren Frauen zu helfen, schwanger zu werden. Alle paar Wochen musste ich in die Klinik fahren und bekam ein Medikament gespritzt. Dann wuchsen im Idealfall sehr viele Eizellen in mir heran. Wir waren etwa zehn Frauen und eine Kontrollgruppe. Wir blieben ein paar Tage in der Klinik, unter strenger Diät, was für mich das Schlimmste an der Sache war, mussten ein paar Untersuchungen absolvieren und unseren Urin sammeln. Das Geld, was man dafür bekommt, ist immens, aber man gibt auch für ein paar Tage seine Freiheit auf. Wichtig war dabei die Aufklärung über Nebenwirkungen und mögliche Spätfolgen. Aber selbst 20 Jahre später ist alles paletti.

Sepp Fischer machte erst einen Ferienjob, dann eine Ausbildung

Meine Mutter war Hausmeisterin beim Zollamt Bahnhof und so kam ich schon als kleiner Knirps in Berührung mit Zoll und Spediteuren. So hatte ich während meiner Gymnasialzeit keine Probleme einen Ferienjob bei der Spedition Sebert in Furth im Wald zu bekommen. Es waren harte, aber auch schöne Wochen. Waggon und Lkw ein- und ausladen, Waggon für die Bemusterung suchen und kleine Botengänge für die Angestellten. Es war eine abwechslungsreiche Tätigkeit, die für damalige Zeiten auch noch gut bezahlt wurde. Was ich damals noch nicht wusste: Die Spedition Walter Sebert sollte später mein Ausbildungsbetrieb werden.

Helene Geim kleckerte mit Sauerbraten

In meiner lang zurückliegenden Studentenzeit habe ich jedes zweites Wochenende in der heimischen Sportgaststätte als Bedienung gearbeitet. Es war der beste Nebenjob, den ich jemals hatte, aber auch herausfordernd: Denn ich musste mir unter anderem genau merken, welcher personalisierte Bierkrug zu welchem Gast gehörte. Und das waren nicht wenige. Fehler wurden mit bitterem Spott seitens der Stammgäste bestraft. Die Trinkgeldquote war allerdings sensationell. Denn da ich schon immer ein „Schlappmaul“ hatte und auf jeden Witz die passende Erwiderung fand, ist der Rubel nur so gerollt.

Besonders anstrengend aber ausgesprochen lukrativ für mich waren die Feste, ganz besonders die Fußballturnier-Wochenenden. An einem dieser Events passierte eine Geschichte, die ich mittlerweile bestimmt 1000 Mal erzählt habe: An einem Tisch in der überfüllten Wirtschaft saßen die Spielerfrauen einer gegnerischen Mannschaft. Eine von ihnen war von der Sorte „Ich zuerst und das möglichst sofort“, die nicht einsah, dass die Bestellungen halt der Reihe nach abgearbeitet werden mussten. Sie nervte nicht nur mich bereits den halben Nachmittag mit ihrer schrillen, fordernden Stimme, als ich mich mit einem Tablett voll fränkischem Sauerbraten durch die Reihen mühte. In dem Moment, als ich ihren Tisch passieren wollte, stand ein Gast hinter mir auf, rumpelte mir unversehens ins Kreuz – und ich schüttete der Dame die ganzen Sauerbraten auf ihr lindgrünes Wildlederkostüm. Das freut mich heute noch.