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09. Mai 2020

Worauf wir uns jetzt freuen

Das Ende des Lockdowns naht: Neun kult-Redakteure verraten, was sie während der Coronakrise am meisten vermissen.

Laue Sommernächte, ein kühles Bier und Freunde treffen auf dem Bismarckplatz - hoffentlich bald wieder möglich. Foto: Daniel Pielmeier

Regensburg. Langsam aber sicher kehr das Leben zurück in die Stadt. Die Ausgangsbeschränkungen wurden schrittweise gelockert, alle Geschäfte dürfen wieder aufsperren und schon bald öffnen auch die Biergärten ihre Tore. Alles beim Alten ist deswegen aber noch nicht – das zeigen auch die After-Corona-Gelüste unserer kult-Redakteure. Manche müssen sich noch etwas länger gedulden als andere.

Anna Schätzler will es bunt treiben

Ich wohne erst seit Januar im schönen Regensburg und habe mich sehr auf den Frühling gefreut: endlich die Stadt richtig erkunden und durch die Gässchen bummeln – tja, da kam Corona dazwischen. Sobald wir aber wieder dürfen, werde ich mich durch die Cafés probieren, die Sonne mit einem Eis an der Donau genießen und das bunte Treiben beobachten. Weiter auf meinem Nach-Corona-Plan stehen eine Schifffahrt zur Walhalla, Besuche in der Regensburger Sternwarte und im Haus der Bayerischen Geschichte.

Robert Torunsky will wieder zupacken

Mir fehlen die großen Ks in meinem Leben: Kino, Konzerte und Kontaktsport. Gerade Letzteres ist kaum zu kompensieren. Ich spiele seit dem fünften Lebensjahr Handball und das ist für mich auch eine Art Lebenseinstellung. Es ist mit Individualsportarten für mich einfach nicht möglich, annähernd den Dampf abzulassen, wenn nicht zugepackt werden darf und einem Bälle um die Ohren fliegen. Ich vermisse nicht nur die Gleichgesinnten, sondern auch Busfahrten, Kabinenbesprechungen, den Trainerstress und das gemeinsame Feiern eines Sieges.

Die Brotzeit auf der Hütte gehört zum Wandern wie Hündin Clara zu Christina Ott. Foto: Ott

Christina Ott will Bratwurst riechen

Ich gehe total gerne wandern und das kann man ja zum Glück gerade trotzdem machen, aber: Die schönste Wanderung ist nur halb so schön ohne eine Einkehr in einer Hütte oder einem Biergarten. Das gilt auch für den Alltag. Einfach nach der Arbeit mit Freunden an einem schattigen Plätzchen im Biergarten, beim Lieblingsitaliener oder zusammen an der Donau sitzen – darauf mussten wir schon den ganzen Winter verzichten, danach sehne ich mich sehr. Ich vermisse sogar schon den Duft von Bratwürsten – und das als Vegetarier!

Barbara Simon will gemeinsam allein sein

Alle Welt redet in Corona-Zeiten vom Innehalten, Durchatmen und von Kontemplation. Wenn schon das Sozialleben bis auf Arbeit, Familie und Einkauf gekappt ist, dann doch wenigstens gepflegt Runterfahren. Doch selbst das Bei-sich-Sein, Rumsitzen und Meditieren macht in der Gruppe mehr Spaß. Zu meinem Alltag gehören regelmäßige Zen-Retreats: Dabei sitzen 20 bis 100 Leute in einem Raum stundenlang gemeinsam schweigend auf dem Kissen, blicken auf eine weiße Wand und üben sich im bewussten „Nicht-Denken“. Meine nächste offizielle „Auszeit“ nach Corona ist Anfang Juli und ich hoffe sehr darauf, dass die Lockerungen bis dahin auch das gemeinsame „Alleinsein“ wieder zulassen und ich wieder gemeinsam allein sein darf.

Oxana Bytschenko will kuscheln und plantschen

Mir fehlt nicht viel im Corona-Lockdown, aber zwei Sachen vermisse ich doch: Umarmungen und Schwimmen. Ich möchte meine Freunde knuddeln können, eng zusammen in einer Bar sitzen und stundenlang quatschen. Außerdem hatte ich vor Corona mit meinem Kind einen Schwimmbad-Tag pro Woche eingeführt. Das war eine wunderbare Auszeit für uns beide: erst Schwimmen, dann Aquafit-Kurs und danach mit Poolnudeln im Wasser treiben lassen. Irgendwann wird wieder umarmt und geschwommen!

Veronika Weigert will mit Opa Torte essen

Ich freue mich nach Corona am meisten darauf, meine Großeltern wiederzusehen. Vor Corona waren wir jede Woche zusammen essen oder ich habe sie zu Hause besucht. Jetzt sehen wir uns höchstens kurz aus der Ferne, wenn ich die Einkäufe für sie vor die Tür stelle, und wir telefonieren einmal die Woche. Obwohl meine Oma auch ganz gut mit WhatsApp klar kommt, ist es nicht das Gleiche. Im Juni wird mein Opa 95 Jahre alt. Das möchte ich gerne mit einer großen Torte mit ihm zusammen feiern.

Mechtild Nitzsche will die Nachbarn schonen

Worauf ich mich nach Corona am meisten freue? Aufs gemeinsame Musizieren! Denn ob Chor, Orchester, Streichquartett oder Schülervorspiel: Richtig musizieren kann man eigentlich nur gemeinsam. Nun fallen diese Termine schon ziemlich lange flach. Das ist schade wegen der Musik selbst, aber auch wegen des Gemeinschaftserlebnisses – und nicht zuletzt wegen des geselligen Teils danach. Einziger Vorteil der Zwangspause: Mein Klavier erhält nach langer Zeit mal wieder die Zuwendung, die es verdient. (Sorry, Nachbarn!)

Thorsten Retta hat gern seine Ruhe. Wären da nicht immer diese narrischen Hühner in seinem Garten. Foto: Tatjana Setz

Thorsten Retta will besonders sonderbar sein

Viele Menschen versuchen, außergewöhnliche Dinge zu tun und daran auch die Welt teilhaben zu lassen. Facebook und Co. wären nicht so groß, wäre das nicht so. Ich für meinen Teil tue das Besondere, indem ich nicht paraglide, nicht jedes Jahr mit dem Rucksack durch Südostasien reise und nicht ständig auf irgendwelchen Klippen rumsitze und scheinbar über den Sinn des Lebens sinnierend in die Ferne blicke. Ich arbeite gerne im Garten, jogge viel, nutze Netflix und Co. exzessiv und meide große Menschenaufläufe – ich habe einfach gerne meine Ruhe. Nun hat mir dieses grausame Virus das Gefühl, mit meiner unspektakulären Lebensgestaltung etwas Besonderes zu sein, erbarmungslos entrissen. Jetzt sitzt jeder daheim, entdeckt den Gärtner in sich und hat drei Streaming-Dienste abonniert. Ich freue mich also ungemein drauf, wenn alle anderen wieder raus dürfen und ich besonders oder auch sonderbar sein kann – so wie in der guten alten Zeit.

Hubertus Stumpf will an seinen angestammten Tisch

Selten wurde es so vielen so bewusst: Der Mensch lebt auch vom Austausch mit anderen. Und wo geht das besser, als am Stammtisch? Auch ein Einsiedler wie ich braucht solche Inseln der Geselligkeit. Ich freue mich drauf, wenn ich wieder mit den lange nicht gesehenen, aber doch so vertrauten Gesichtern und Charakteren ratschen, diskutieren, politisieren und manchmal auch polemisieren kann. Denn das rückt manches zurecht und schärft den Blick fürs wirklich Wesentliche – und das passt manchmal tatsächlich auf einen Bierdeckel.